Interviews

Junius – Interview

Momentan sind die Amerikaner Junius gemeinsam mit God Is An Astronaut auf Tour durch Europa. Einen großen Teil der Reise haben sie in Deutschland verbracht und machten Stopp in Siegen, der Heimat ihres Fahrers Maik, der dort einen Club besitzt und in dessen Geburtstag sie reinfeiern wollten. Freundschaften sind der Band sehr wichtig und Quelle für ihre bisherigen Erfolge. Ich redete mit ihnen über ihr aktuelles Album und sein komplexes Thema – Das Leben des Psychonanalysten und Arztes Immanuel Velikowsky, der eine wichtige Figur des Katastrophismus war.

Euer erstes Album ist von dem Leben Immanuel Velikowskys inspiriert. Wie kamt ihr auf diese Idee?

Joseph E. Martinez: Ich laß eine Sammlung von Essays in dem Magazin “The Atlantis Rising” und stieß auf einen Text von Immanuel Velikowsky. Er war total faszinierend, vor allem der letzte Satz: „Als unsere Götter uns verließen, begann die Gewalt der Menschheit.“ Der ganze Gedanke von der Anbetung von Planeten und wie sie sich von uns Menschen distanzieren, unsere Angst über den Verlust unserer Götter. Ob ich daran glaube oder nicht, spielt keine Rolle hier…seine Schriften waren einfach so interessant, dass ich alle seine Bücher las und dann über ihn selbst. Sein Leben gewann mit der Zeit mehr Faszination für mich. Er musste stets um Respekt und Anerkennung kämpfen. Wir fühlten uns mit seinem Schicksal verbunden.

Hört sich nach einem großen Thema für ein Album an. Ihr habt drei Jahre gebraucht um es zustande zu bringen. Warum?

Wir haben nie geplant, uns so viel Zeit zu nehmen. Ein Teil des Schreibprozesses passierte während einer Tour. Wir sind jede Menge gereist. Zwischen den Touren stoppten wir irgendwo – manchmal ein paar Wochen, um zu schreiben. Ein paar Leute, die uns ein paar Jahre vorher gesehen hatten, kamen zufällig aus ihrem Studio, in dem schon The Police, Michael Jackson, U2 und Soundgarden arbeiteten, zu unserer Show in LA. Sie sagten: „Wir mögen euch! Wenn ihr wollt, könnt ihr in unserem Studio aufnehmen.“ Wir haben uns nichts dabei gedacht, schließlich hören wir solche Dinge oft. Wir glauben sie nicht, bis sie wirklich passieren. Auf einer weiteren Tour gingen wir dann in das besagte Studio und nahmen ein paar Demoversionen auf. Sie hörten sich toll an, also boten sie uns an, das ganze Album dort aufzunehmen. Erst dachten wir, es würde nur einen Monat dauern. Aber dann tourten wir wieder und als wir zurückkehrten, war das Studio oft besetzt. Pearl Jam waren am Aufnehmen und Akon hatte auch gebucht. Wir durften dort für umsonst arbeiten, also konnten wir nur dort sein, wenn das Studio nicht von anderen Künstlern benutzt wurde.

Wie stressig! Warum habt ihr kein anderes Studio gewählt?

Stimmt, aber es war ein sehr lohnender Prozess. Die eigentlichen Gründe für unsere Entscheidung waren, weil wir es toll fanden dort zu arbeiten und zum anderen, weil es gratis war. Ein anderes Studio wäre in Anbetracht des Geldes, das wir für Flugtickets ausgaben, günstiger gewesen. Es war Schicksal, aber wir werden so etwas nie wieder tun.

Dana Filloon: Das Schreiben an dem Album dauerte sehr lange, irgendwas ging immer schief… Wir hatten ein Label, das uns in letzter Sekunde im Stick ließ…Es war extrem nervig…

Was waren denn die Schwierigkeiten beim Schreiben des Albums?

Joseph: Das Album basiert auf Immanuel Velikowskys Leben. Der erste Song beschreibt seine Geburt, der letzte seinen Tod. Zwischen beiden stehen jede Menge anderer Aspekte: Das Alte Testament, Feuer und ihre mythologische Faszination für ihn, was untypisch ist für einen Wissenschaftler. Die freien Stellen habe ich mit eigenen Ideen gefüllt, die falsch sein könnten. Das Album besitzt eine Zeitachse. Wir begannen mit „Birth Rites By Torchlight“, „The Andeluvian Fire“ und „Letters From Saint Angelica“, die wir schrieben, bevor wir wussten, dass ein Konzeptalbum entstehen würde. An diesen Songs orientierten wir uns und schrieben den Rest des Albums. Es war ein logischer Prozess.

Mike Repasch-Nieves: In dieser Zeit schrieben wir jede Menge Zeug, das es nicht auf das Album schaffte. Ein Stück schaffte es aber auf die Split-Single mit Juarez, die gerade herausgekommen ist und in dem es um Velikowskys Theorien geht.

Mike, du hast viel zu dem Artwork der Band beigetragen und bist Kopf des Musiklabels Radar Recordings, wie bekommst du soviel Arbeit unter einen Hut?

Das Label startete ich mit Will (Benoit, Anm. d. Red.) von der Band Constants. Wir nennen es manchmal Label, aber es ist eher eine Gemeinschaft. Ich traf dann Joseph und Dana und wir starteten Junius. Will und ich hatten jede Menge Freunde in anderen Bands und hatten genug Erfahrung, da wir vorher für verschiedene Plattenfirmen gearbeitet haben. Außerdem dachten wir, es würde unseren Bands helfen. Das Label expandierte, wir tourten und lernten Musiker mit der gleichen Mentalität kennen und nahmen so mehr Bands unter Vertrag. Jetzt sind wir eine große Familie, aber das Label ist momentan in den Hintergrund gerückt, da wir mit unseren Bands beschäftigt sind.

Mit dem Artwork war es ähnlich. Wir haben es einfach selbst gemacht, da wir es brauchten und keinen anderen hatten, der es tun konnte. Also konzentrierte sich Will mehr auf Albumaufnahmen und ich auf die grafische Seite. So läuft es immer bei uns: Wenn etwas getan werden muss, dann versuchen wir herauszufinden wie und tun es. Jetzt erstelle ich Grafiken auch für andere Bands, was cool ist.

„The Martyrdom Of A Catastrophist“ ist nicht auf Radar Recordings veröffentlicht. Warum?

Mike: Es wurde einfach zu viel Arbeit, zu viel Druck. Ich wollte mich nicht um das alles kümmern, da ich auch in einer Band spiele. Unsere jetzigen Labels sind aber toll zu uns. Wir haben mittlerweile auch viele unserer befreundeten Bands auf diese Labels geholt.

Dana: Es ist Do It Yourself. Wir wollen unsere Freunde nah haben und den Weg gehen, den sie gehen.

Seid ihr mit den Reaktionen des europäischen Publikums zufrieden?

Ja. Wir wollen, dass jeder total abgeht. Mehr als andere. Wir sind aber eine komische Band. Die Leute tanzen nicht wie verrückt zu unserer Musik. Sie sitzen nur da und beobachten.

Dana: Da ist generell immer ein Typ, der total abgeht.

Was sind eure Wünsche und Pläne für die Zukunft?

Joseph: Wir haben mit den Arbeiten an unserem neuen Album begonnen, haben bereits ein paar Demos. Gerade versuchen wir eine Richtung zu finden. „The Martyrdom Of A Catastrophist“ ist sehr konzeptionell. Die nächste Veröffentlichung wird wahrscheinlich viel gelassener. Ich sage das jetzt, aber kann für nichts garantieren. Wenn wir einmal anfangen, entwickelt sich die Arbeit zu einem großen Prozess.

Mike: Unser Ziel ist es, dieses Album zu beenden und nächstes Jahr wieder auf Tour zu gehen. Wir haben jede Menge Songs, die wir für andere Dinge verwenden können.

Wir versuchen, uns nicht zu wiederholen. Die kommende Platte wird wahrscheinlich etwas härter.

Dieses Album ist bereits dunkler und härter als die Vorgänger-EPs. Also geht dieser Prozess mit der nächsten Platte weiter?

Joseph: Es soll härter sein, aber ich bin mir nicht sicher, ob es auch dunkler werden soll. Aber…ich möchte nicht zu viel verraten.

Habt ihr gesehen, dass God Is An Astronaut (mit denen Junius auf Tour sind, Anm. d. Red.) den ersten Track auf ihrem Album “Worlds In Collision” genannt haben, so wie Velikowskys erstes Buch?

Joseph: Ja, ich habe das gesehen und dachte nur Wow! Wir haben nicht einmal mit ihnen drüber gesprochen. Diese Tour war bisher so hektisch und verrückt, dass wir selten mit den Jungs von God Is An Astronaut abhängen konnten. Hoffentlich wird das in den kommenden Wochen möglich sein.

Fotos: Homepage und Myspace der Band

Junius – “The Martyrdom Of Immanuel”

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