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Jeremy Warmsley – Interview

Ende November veröffentlichte Jeremy Warmsley sein mittlerweile zweites Album „How We Became“ und festigte damit seinen Ruf als einer der begnadedsten Songwriter Englands. Bei seinem ersten Konzert-Abstecher ins schöne Münster, trafen wir ihn unter warmer Nachmittagssonne zum netten Plausch.

Jetzt, da „How We Became“ schon eine Weile raus ist, welches deiner Alben sieht du als deinen Favoriten?

Das kommt drauf an, ich mag sie aus unterschiedlichen Gründen. Ich denke „How We Became“ ist viel polierter und perfektionierter und auf „The Art Of Fiction“ ist mehr jugendlicher Ausbruch. In ein paar Jahren werde ich „The Art Of Fiction“ wahrscheinlich mehr mögen als „How We Became“, aber im Moment mag ich sie beide. Ich hör sie mir aber auch nicht an.

Patrick Wolf hat kürzlich, wir nehmen mal an im Scherz, gesagt, er würde gern mit Girls Aloud transsilvanische Verse aufnehmen. Hast du ähnliche Träume?

Ich glaube auch, das war mehr ein Scherz, er wollte wohl nur cool klingen. Brian Wilson hat kürzlich ein neues Album raus gebracht, das ich nicht mochte, da hab ich mir gedacht, ich könnte ihm helfen das besser zu machen. Aber ich glaube, er ist glücklich mit der Musik, wie er sie macht. Im Moment mache ich aber auch viel Produktionsarbeit, in sofern bin ich recht nah dran an so was.

Wir haben den Eindruck, du bist perfekt organisiert und beinahe ein Control-Freak, wenn es um deine Musik und deine Arbeit geht, ist das auch der Grund, warum du dich für eine Solo-Karriere entschieden hast?

Das ist eher eine Sache, die sich ergeben hat. Als ich gestartet bin, waren wir noch eine Band, ein Freund hat unsere Demos an ein Label weiter gegeben. Die haben dann mich auf Grundlage dieser Demos unter Vertrag genommen und ich dachte mir, hmm ich hab ne Band, na gut, „Bye guys“. Das war etwas unglücklich. Das witzige ist aber, dass ich die besten Ergebnisse erziele, wenn ich mich im Studio mal etwas gehen lasse und Dinge einfach passieren lasse. Es wäre auch langweilig alles einfach nur durch zu organisieren und zu planen. Ich tobe mich dann gern mit meinen Ideen aus. Live ist das dann eine echte Kollaboration aus uns drei Musikern.

Also live spielst du lieber mit Band, als nur mit Laptop und Gitarre?

Ja, du kannst live nicht mit einem Laptop spielen. Mit einem Laptop zu spielen bedeutet kontrolliert zu werden. Du hast keinen Einfluss, du kannst den Song nicht länger machen, kein Solo spielen. Wenn ich das mit den Jungs möchte, dann kann ich das einfach machen. Das ist ungleich cooler als nur mit Laptop.

Interessant, James Yuill sagte nämlich letzte Woche im Interview mit uns, er könne es sich nicht vorstellen mit einer Band zu spielen.

Klar kann es frustrierend sein, wenn jemand einen Fehler macht, oder so spielt, wie du es nicht magst, aber die angenehmen Überraschungen überwiegen. Der größte Vorteil ist, dass du mit deine Clique auf Tour bist.

Und im Studio bist du allein für dich?

Meistens ja, aber ich arbeite auch mit anderen Musikern zusammen. Die forme ich dann so, dass sie das machen, was ich auf meinem Album möchte (lacht). Das klappt ganz gut.

Denkst du da auch an Kollaborationen?

Klar, das mache ich ständig. Ich habe kürzlich mit den Mistery Jets gearbeitet, mit Emmy The Great und Daniel Johnston. Ich produziere auch viel.

Wir dachten an eine Kollaboration mit Eugene McGuinness.

Oh ja, ich liebe seine Musik, aber ich hab mich bisher nicht getraut ihn zu fragen. Aber ich möchte unbedingt mal etwas mit ihm machen, klar.

Auf „How We Became“ ist auch dieses tolle Cover von „Temptation“ von New Order.

Ja, eigentlich nein. Es ist nur auf der Bonus- und der Amerika-Version. Das spiele ich aber auch schon länger. Da waren wir auf einem Festival und ich wollte noch irgendetwas besonderes, da haben wir beschlossen das zu covern. Seitdem gehört es dazu für uns. Das Label hatte dann die Idee es zwischen den beiden Alben als limitierte Single raus zu bringen, das haben wirdann getan. Und als wir dann das Album planten haben wir beschlossen, dass auch da drauf zu packen. Ich mache gern Cover-Versionen. Deshalb habe ich auch eine kleine Tour-EP aufgenommen, mit Akustik-Versionen von meinen Songs und einem Cover von Abba’s „One Of Us“. Ich finde es spannend Lieder von anderen zu singen, um zu sehen, was ich daraus machen kann.

Du hast deine Musik als „Obscurely straightforward pop“ beschrieben, was bedeutet das genau?

Oh ja, das habe ich vor langer Zeit getan, muss in einem Interview gewesen sein, ich sollte meine Musik in drei Worten beschreiben glaube ich. Ich mag Musik, die kompliziert und mysteriös ist, ich mag aber auch Musik, die direkt und poppig ist. Ich mag Xiu Xiu und liebe Abba.

Du wirst häufig mit Rufus Wainwright verglichen, wie findest du das?

Schwierig, da ich das nicht beurteilen kann. Ich kenne zwei Songs von ihm, aber jetzt auch nicht beim Namen. Aber ich denke, wir haben ähnliche Stimmen, zumindest sagen das manche. Ich glaube seine Musik ist sehr direkt und persönlich, so ist das ja auch bei mir. Seine Arrangements sind auch toll, aber die sind um echte klassische Musiker herum, meine ist häufig elektronischer.

Und zum Abschluss, wir suchen derzeit das Album des vergangenen Jahrzehnts, welches ist dein Lieblings-Album, oder das, von dem du denkst, dass es nachhaltig in Erinnerung bleiben wird?

Hmm… Oh ja, da habe ich eins, das beides abdeckt, „Kid A“ von Radiohead. Ohne gäbe es vermutlich TV On The Radio oder Grizzly Bear nicht.

Fotos: Jeremy Warmsley Myspace

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