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James Yuill – Interview

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Singer-Songwriter gibt es heutzutage nicht mehr nur als Musiker mit Gitarre und einer kleinen Band, sondern immer häufiger auch als Einzelgänger, die sich mit Laptop und Akustikgitarre bewaffnet aufmachen, ihre Musik im heimischen Schlafzimmer regelrecht zurecht zu frickeln und die Werke dann auf die Menschheit los zu lassen. Folktronica soll dieser Trend heißen, seine Künstler Laptop Troudbadours. Man kann die Jungs auch einfach nur als Nerds mit Laptop bezeichnen. Egal eigentlich, James Yuill jedenfalls ist so ein Nerd, der lange Zeit in seinem Schlafzimmer Musik frickelte und bei seinem Job in einer Werbeagentur, für die Auswahl geeigneter Stücke verantwortlich war, wodurch sich sein musikalischer Horizont extrem erweiterte. Vor seinem Konzert in Osnabrück stand er uns nun zu unserem beliebten Frage-Antwort-Spiel, auch Interview genannt, zu Verfügung:

Du wirst in der Presse häufig mit Dan Deacon, Rod Thomas, Jeremy Warmsley und ähnlichen Künstlern verglichen, denkst du, ihr seid Teil so einer Art Trend von „Laptop Troubadours“?

Klar, wir werden immer in einem Atemzug genannt, aber das stört mich nicht, weil das alles tolle Künstler sind. Dieser Trend kommt auch wohl daher, dass es inzwischen sehr einfach ist, Musik allein in deinem Schlafzimmer, nur mit dem Laptop zu machen. Deshalb wird dieser Trend in den nächsten Jahren auch immer wichtiger werden.

Denkst du, dieser Trend wird auch mehr Aufmerksamkeit bekommen?

Ich denke ja, nicht im Sinne einer Bewegung, aber als echtes Genre. Eben weil es im Schlafzimmer günstiger zu bewerkstelligen ist, als im Studio.

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Du wirst häufig als „Nerd“ bezeichnet…

lacht

…verletzt dich das, oder empfindest du das sogar als Kompliment?

Nein, also das ist überhaupt kein Problem für mich. Ich kenne zwar Leute, die nerdiger sind als ich, aber damit komme ich gut klar.

Denkst du, du erfüllst das Klischee?

Ja, auf jeden Fall. Ich bin ziemlich nerdy, wenn es darum geht, was etwa die Chemical Brothers auf der Bühne benutzen, oder Daft Punk im Studio. Ich steh auf diese kleinen Soundspielereien und Werkzeuge, da bin ich wohl ein echter Geek.

Wenn du mit Nerd klarkommst, was war denn das schlimmste, das jemand im Zusammenhang mit deiner Musik über dich gesagt hat?

Schlechte Presse vermeide ich zu lesen, wo es nur geht, aber eine Frau aus London vom Magazin „Time Out“ meinte in einer positive Review über eine Single einmal, ich hätte eher eine dünne Stimme, was irgendwo wahr ist, getroffen hat’s mich trotzdem irgendwie. Das war aber wohl das schlimmste. Andere sagten noch das Album sei „flauschig“, die haben sich das aber wohl nie angehört, damit hab ich also auch kein Problem.

Es scheint ca. 2.000 Remixes von „This Sweet Love“ zu geben. Welcher ist dein liebster?

Hmm, keine Ahnung, aber die Version von Rod Thomas ist toll, sein Remix von „No Surprise“ ist auch allgemein mein Lieblings-Remix.

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Wann kamst du mit deiner Musik eigentlich an den Punkt, dass du sagtest, jetzt kann ich meinen Job aufgeben und davon leben.

Ich glaube, das war, als ich aufgab. Also ich eben meinen Job aufgegeben und gesagt, okay, jetzt versuche ich Musik zu meinem Job zu machen. Ich habe von meiner Arbeit genug gespart, um das zu wagen. Dann habe ich drei Monate geschrieben, mir einen Manager gesucht, wir haben einen Plan aufgestellt, er hat mit Labels gesprochen und so nahm das dann seinen Lauf. Es ist meiner Meinung nach auch extrem wichtig, da jemanden zu haben, der mit der Industrie spricht. Der Grundgedanke war einfach, mir geht die Zeit aus, ich probier das jetzt, sonst bin ich irgendwann zu alt dafür.

Habt ihr dabei absichtlich dein erstes Album unter den Teppich gekehrt?

Ja, mein allererstes Album hat nie einen richtigen Release erfahren, das empfand ich beim Versuch, Musik zu meinem Job zu machen auch nicht als nötig.

Magst du deinen Job als Solo-Künstler, oder wärst du manchmal lieber mit einer Band unterwegs?

Ich glaube, ich mag die Tatsache, dass ich das allein mache. Ich muss mich nur auf mich verlassen und keine Proben ansetzen, um Songs mit der Band einzutrainieren und Musiker suchen, die mit mir auf Tour gehen. Ich bin auch zu sehr Control-Freak, um mir von anderen in meine Musik reden zu lassen.

Martin Gore meinte einmal in einem Interview, er würde alle Künstler bedauern, die ganz allein auf Tour gehen und allein auf der Bühne stehen, wie denkst du darüber?

Nein, also einsam bin ich nicht, ich habe auf Tour ja meinen Soundmann Paul mit mir, aber klar das erste Mal auf Tour war ich ganz allein, da war es schon anstrengend überall hin zu fahren, das Gepäck zu schleppen und vor Ort alles zu regeln. Auf der Bühne bin ich aber lieber allein, ich weiß schon gar nicht mehr, wie es da mit anderen Musikern ist.

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Für die Backing-Vocals würdest du also auch keine Gastmusiker engagieren?

Als ich anfing mit einer Tour, hatte ich einmal eine Background-Sängerin, aber alles was sie tat, war eben die Backing-Vocals zu singen. Die meiste Zeit stand sie dann eben auf der Bühne und wirkte mehr wie das fünfte Rad am Wagen, als wirklich Bestandteil einer Band zu sein.

Also lieber Samples?

lacht Ja ich hab dann beschlossen sie durch einen kleinen Knopf zu ersetzen. Ist auch einfacher auf Tour.

Wenn du einen Song aufnimmst und verschiedene Sounds hinzufügst, Ebenen einrichtest und Samples einfügst, spürst du da automatisch diesen Punkt, an dem ein Song fertig ist?

Ja, so doof das klingt, das ist einfach, wenn ich mir das Lied anhören kann, ohne dass ich etwas ändern möchte. Da nehme ich mir dann etwas zeitlichen Abstand und hör mir das dann an. Da habe ich inzwischen glaube ich auch ein ganz gutes Gespür.

Kann man dieses Gespür trainieren und verbessern, oder unterscheidet sich das bei dir von Song zu Song?

Das hängt eindeutig vom Song ab. Ich neige dazu Dinge auch zu übertreiben bei Stücken und packe häufig zu viel rein. Ich muss mich dann auch mal zusammen reißen und wieder Dinge raus nehmen. Meist nehme ich aber wieder Dinge raus und erkenne auch das fertige Lied.

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Schreibst du fortwährend Songs und notierst auch auf Tour Ideen, oder ist das für dich eher Job, so dass du sagst, ich muss mich jetzt einen Tag hinsetzen und Songs aufnehmen, Ideen niederschreiben und Samples aufnehmen.

Immer wenn ich freie Zeit habe, versuche ich natürlich Ideen hin zu kritzeln. Aber auf Tour ist das schwer, weil du dafür meist keine Zeit hast, du musst in die nächste Stadt fahren, deinen Gig vorbereiten und Sound-Check machen. Für’s schreiben muss ich mich immer konzentrieren und Zeit haben.

Würdest du an deinem Album eigentlich noch etwas ändern wollen?

Nein, ich denke, zu dem Album habe ich inzwischen so viel Abstand, dass ich denke, es symbolisiert einen bestimmten Zeitraum, aber jetzt kann ich daran eh nichts mehr ändern. Ich hab es irgendwann 2007 eingespielt, dann wurde mir mein Laptop geklaut und ich musste noch mal ran. Es ist inzwischen immer noch nicht in den USA erschienen, deshalb muss ich da bald wieder rüber und das promoten. Aber ich höre mir das auch gar nicht mehr an, ich konzentriere mich nun auf das, was ich bald aufnehmen möchte. Live klingen die Songs inzwischen auch viel härter und rauer. So ähnlich wird auch wohl das nächste Album.

Irgendwo haben wir als Beschreibung deines Albums „Nick Drake gemischt mit Aphex Twins“ gelesen. Würdest du es ähnlich beschreiben?

Eindeutig nicht mit Aphex Twins, es ist mehr Postal Service, oder Justice und Daft Punk. Nick Drake ist aber klar, da gehöre ich hin.

Als letztes noch eine Frage, wir fangen nun an das Album des Jahrzehnts zu suchen, da es ja nun fast vorbei ist. Welches Album würdest du wählen?

Hmm, war ja schon ein gewaltiges Jahrzehnt für Musik. Ich denke, für mich eindeutig „Smash“ von Jackson and his Computer Band von 2005. Und vielleicht „Hot Fuss“ von The Killers, da waren echt klasse Songs drauf.

Fotos: James Yuill Myspace, sofern nicht anders angegeben. Mehr Fotos von Ariane WhiteTapes hier

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