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Get Well Soon – Interview

Am Freitag war es so weit, dann erschien mit „Vexations“ (hier zu unserer Besprechung) beinahe genau zwei Jahre nach Konstanin Gropper’s Debüt-Album als Get Well Soon „Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon“, endlich das zweite Get Well Soon Album. Viel hat sich seit dem Release geändert, Get Well Soon steht mittlerweile als Musterbeispiel deutschen Indie-Pops und Konstantin Gropper kann sich vor Anfragen kaum mehr retten. Zeit also, ihn pünktlich, wenn „Vexations“ in den Läden steht einmal zum Interview zu bitten und zu klären, ob trotz vieler Ablenkungen die Fokussierung auf das Zweitwerk dennoch gelungen ist.

Erst einmal vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst. Jetzt erscheint „Vexations“, dein zweites Album. Was uns rein äußerlich auffiel ist, dass nicht nur der Album-Titel, aber auch die Songtitel nun deutlich kürzer sind. Ist das eine gewollte Verknappung, einfach die kürzere Arbeitszeit, oder purer Zufall?

Konstantin: Also mit der kürzeren Arbeitszeit hat es jetzt natürlich nichts zu tun. Zufall auch nicht wirklich. Die Texte und Songs sind ganz anders entstanden, als auf meinem ersten Album. Die Herangehensweise war eine ganz andere.

Also auch keine gewollte Verknappung?

Konstantin: Nein, kann man so nicht sagen. Das kam irgendwie, äh, natürlich.

„Vexations“ wirkt als Gesamtwerk noch geschlossener und dichter als „Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon“, dafür stechen auch weniger Songs auf den ersten Blick heraus. Würdest du sagen, dir ist das Gesamtkunstwerk wichtiger als der einzelne Song?

Konstantin: Ja, das liegt jetzt wirklich an der kürzeren Entstehungsphase. Ich habe in einem geschlossenen Arbeitsgang dran gearbeitet. Das letzte Album war ja eher nur eine Zusammenstellung von Songs, an denen ich über Jahre gearbeitet hab. Da ist es auch klar, dass die in verschiedene Richtungen gingen. Dieses Mal war es ein kompakter Zeitraum und ich finde, es ist dadurch deutlich runder geworden und ja, wirklich geschlossener.

Was war denn für dich schwieriger, einmal mit der Arbeit am Nachfolger zu „Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon“ zu beginnen, oder der Schreibprozess an sich?

Konstantin: Das Anfangen war schwieriger. Es war natürlich wahnsinnig schwierig nun auch nicht und ich hab mir ganz klar auch meine Gedanken dazu gemacht über die Erwartungshaltung und so was. Das erste Album wurde ja so positiv wahrgenommen, da schaut man schon, was hat man richtig gemacht und was kann man trotzdem anders machen. Aber als ich dann angefangen habe, ging es dann auch sehr schnell und auch ganz ohne irgend einen Druck.

Du hast ja in der Zwischenzeit auch jeder Menge anderer Projekte mitgearbeitet, hast du manche davon vielleicht auch vorgeschoben, um nicht anfangen zu müssen?

Konstantin: Äh, nein. Das waren Projekte, die boten sich einfach an, also Filmmusik und all das. Da haben sich dann auch einmal größere und längere Projekte ergeben und mehr als ich dachte und dadurch hat sich natürlich auch der Zeitraum verkürzt, den ich für das Album dann noch übrig habe. Aber das fand ich sogar gut. Hat ja letztendlich auch gereicht, denke ich.

Und eure Limited Edition kommt trotzdem wieder zu spät?

Konstantin: (lacht) Ja, ich weiß auch nicht.

Auf den Fotos zu „Vexations“ stehst du meist recht isoliert und verloren rum, ist also die „Entfremdung“ auch als Thema von „Vexations“ sehen?

Konstantin: Ja, also zumindest die Frage nach dem dabei sein oder nicht. Aber gut, zu Fotos, ich bin jetzt auch nicht der allerbeste, oder coolste Charakterdarsteller, ich habe da nur ein begrenztes Spektrum. Da ist dann vieles Zufall, weil ich nicht besonders versiert bin in meiner Mimik. Deshalb sagen auch immer viele Leute ich gucke immer so böse, das ist aber gar nicht so, ich kann nur nicht anders. lacht Aber deshalb mache ich ja auch Musik und model nicht.

In der wirfst ja jetzt etwas übertrieben gesagt mit Einflüssen und Referenzen dieses Mal ja nur so um dich, von Homer über Seneca und Sartre ist ja alles dabei. Ist dir eine gewisse intellektuelle Herangehensweise an deine Musik besonders wichtig?

Konstantin: Wichtig daran ist mir natürlich nicht, dass es jetzt besonders intellektuell ist, schon aber, dass auf diesem Album eine gewisse Note von intertextueller Arbeit stattfindet, die von mir persönlich weg führt. Diese Idee von Trennung zwischen Autor und Werk ist mir eben besonders wichtig. Klar, ist das im Pop extrem schwierig, versuchen wollte ich es aber trotzdem mal. Intellektuell ist es vielleicht nicht, aber es behandelt eben Themen, die mich schon jetzt interessieren.

Dein Label beschreibt „Vexations“ in der Presseinfo als Konzeptalbum über Stoizismus, würdest du es ähnlich umschreiben?

Konstantin: Nein. Also, Konzeptalbum ja. Aber eher halt, was die Herangehensweise angeht, über Seneca kam ich dazu, da hatte ich dieses Buch vor mir und dieses Thema, das er behandelt hat zum Inhalt von „Vexations“ gemacht. Aber das hat „Stoa“ und den Stoizismus jetzt nicht zum Grundthema von Vexations gemacht.

Du trennst ja, wie du auch schon gesagt hast stark zwischen dir persönlich und deinem Ausdruck mit Get Well Soon. Hast du nicht manchmal Angst, dass dir eine gewisse Glaubwürdigkeit abgesprochen werden könnte, wenn du über große philosophische Themen sprichst und sie dann nur mit Zitaten anderer belegst?

Konstantin: Ja, nein, ich versuche ja diese Glaubwürdigkeit dadurch zu hinterfragen. Als Pop-Autor wird man ja immer nach dieser Glaubwürdigkeit gefragt, aber gleichzeitig ist es der unglaubwürdigste Job, den du machen kannst. Es gibt keinen anderen Bereich in der Kunst, der so wenig Authentizität besitzt. Klar ist das im Indie viel beschrien, aber wirklich authentisch kannst du nie sein, weil du schon, wenn du die Bühne betrittst nicht mehr du selbst bist. Also, ich denke, ich versuche das zu hinterfragen. Andere erfinden sich, wie David Bowie, selbst als Kunstfigur und ich habe versucht das durch diese Referenzen zu relativieren und von mir abzulenken.

In einem früheren Interview mit uns zu „Rest Now Weary Head! You Will Get Well Soon“ hast du gesagt, bei deinen Songs würdest du je nach Thema auch einmal ein wenig Recherchearbeit hinein stecken. Hat sich die Recherchearbeit nun ein wenig erhöht, um das Grundthema geschlossener zu halten und Zitate im richtigen Kontext zu nutzen?

Konstantin: Definitiv. Die Recherche war der Hauptteil der Arbeit am Album. Die Stoffsammlung war der Großteil. Ich hatte die Themen für die Songs und die Assoziationen, aber die Recherche war dann schon nicht ohne.

Du hast bereits im November auf dem Visions Geburtstag einige neue Songs gespielt. Verglichen mit dem Album schien die Umsetzung recht dicht dran zu sein. Beachtest du beim Schreibprozess gleich auch mit, wie du einen Song auch live umsetzen könntest, oder lässt du dich damit erst konfrontieren, wenn es dann an die Umsetzung geht?

Konstantin: Genau, ich lass das einfach kommen. Ich denke überhaupt gar nicht an die Umsetzung live. Wir haben jetzt auf einem Releasekonzert alle Songs des Albums gespielt und ich habe gedacht, das gibt größere Probleme.

Im Mai spielst du ein Unplugged im Dortmunder Konzerthaus, wirst du deine Songs da mit einem kleinen Orchester umsetzen?

Konstantin: Orchester ist natürlich zu viel gesagt ,wir planen so mit mindestens 15 Leuten auf der Bühne, das ist dann auch mein Versuch das so umzusetzen, wie es auf dem Album klingt.

Du hast dir inzwischen auch im Ausland einen gewissen Namen erarbeitet, ist dir ein internationaler Aspekt in deiner Musik wichtig, oder ist das eher Zufall?

Konstantin: Nein, meine Einflüsse sind sehr international. Das war auch immer die Idee von Get Well Soon, das es keine geographischen Grenzen da gibt. Dabei ist mir aber auch recht egal, ob das nach einem bestimmten Land klingt. Ich habe ein wenig versucht deutsche Folklore mit einfließen zu lassen, da spiele ich dann ein wenig Reißbrett und Zitter, aber das war’s dann auch.

Hast du eigentlich die Idee, ein Album zusammen mit vielen anderen Bands einzuspielen, einmal weiter gedacht?

Konstantin: Äh, bisher nicht. Also ich habe zwischendurch einmal dran gedacht, so an das Album heran zu gehen, aber dafür fehlt ein wenig die Zeit. Es war auch nie so konkret. Ich weiß auch gar nicht, wie ich das logistisch in einem Zeitraum handeln sollte.

Dann musst du das einfach machen, wie Brent Knopf, der hat sich ja für Ramona Falls über eine längere Zeit knapp 30 Gastmusiker kommen lassen.

Konstantin: Echt, hat er das getan?

Ja, auf dem Album „Inuit“, da ist auch Chery von Dear Reader drauf.

Konstantin: Ah, klar, das hab ich auch, da hat er so viele Gäste? Vielleicht ist es deshalb ja so gut, eines meiner Lieblingsalben aus dem letzten Jahr. Also, ich weiß auch noch gar nicht, wen ich so fragen würde. Christoph von City Slang meinte zu mir, ein Live-Album sei so ein Ding, das man irgendwann mal im Leben macht, also vielleicht sollte ich noch ein wenig warten.

Ah, super, wir freuen uns drauf. Danke noch einmal für das nette Gespräch.

Konstantin: Danke euch.

Fotos: Myspace Get Well Soon

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