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Frightened Rabbit – Interview

Foto: Myspace der Band

Noch ein Frightened Rabbit Interview? Ja klar. Der Plan war eigentlich folgender. Erst einmal haben wir angeregt durch und zusammen mit Nicorola ein wenig vorgebohrt und einige Fragen an die Schotten gerichtet. Nun wollten wir noch etwas umfangreicher nachbohren. So ganz schien aber der Verkehr am Tag des Frightened Rabbit Auftritts im Kölner Luxor nicht wirklich auf unserer Seite, so dass wir die Location eine ganze Weile zu spät erreichten und uns nur zehn Minuten mit Grant von Frightened Rabbit blieben. Wir entschieden uns wegen der Kürze der Zeit also für ein paar schnelle Fragen. Aber genug der Vorrede, auf zum Interview.

Hi Grant, danke, dass du dir Zeit nimmst. Vorweg die Frage, warum mögt ihr Deutschland nicht?

Grant (schaut irritiert): Warum wir Deutschland nicht mögen?

Ja, schließlich habt ihr doch die letzte Deutschland-Tour Ende 2008 komplett abgesagt.

Grant (lacht): Ach das. Ja, die mussten wir absagen, um unsere Visa für die Amerika-Tour zu bekommen. Das war echt schade. Wir lieben Deutschland, die Death Cab For Cutie Tour war toll und wir freuen uns natürlich wieder hier zu sein. Wir werden auch bald wieder zurück sein.

Für Festivals?

Grant: Ja, wobei ich nicht weiß, wie das in Deutschland heißt.

Haldern-Pop?

Grant (schaut etwas irritiert): Ah, wisst ihr das etwa schon? Eigentlich weiß ich den Namen gar nicht und wenn, dann dürfte ich das auch noch nicht sagen. (blickt uns verschwörerisch an) Da steckt viel Politik drin und so. Aber Festivals sind immer ein toller Weg, dich mal neuen Leuten vorzustellen, die vielleicht nicht wegen dir da sind. Da haben wir bisher immer gute Erfahrungen gemacht.

Vor einem Monat erschien „The Winter Of Mixed Drinks“. Wart ihr soweit zufrieden mit dem Ergebnis und der Reaktion von Fans und Presse?

Grant: Ja, das war alles eigentlich sehr gut. Wir haben das so Juni / Juli 2009 aufgenommen und wussten daher natürlich, was uns beim finalen Produkt erwartet. Wir hatten es eine Weile und sind auch immer noch stolz darauf. Ich glaube, wir haben das erreicht, was wir wollten. Beim letzten Album gab es Momente, die besser hätten sein können. Auch die Reviews in England und Europa haben es größtenteils positiv aufgenommen. In den USA hatten wir einige nicht so gute Reviews, aber der überwiegende Teil war insgesamt gut. Manche störte wohl, dass die Themen sich sehr vom zweiten Album unterscheiden. Die Songs seien nicht so emotional. Klar waren sie auf „The Midnight Organ Fight“ emotionaler, das würde ich auch sagen. Schließlich hatte Scott damals mit einer Trennung zu kämpfen. Ich verstehe nur nicht, warum die Menschen wollen, dass Scott nicht darüber hinweg kommt und weiterhin traurig bleibt. Vielleicht gönnen sie ihm das nicht.

Du spielst auf Pitchfork an, oder? Fühltet ihr euch ein wenig fallen gelassen von ihnen?

Grant: Ja, du hast Recht. Auf die Review gab es sehr vielfältige Response im Internet. Jemand hat sich sogar die Mühe gemacht und die Reviews der Autorin mit anderen verglichen um sagen zu können, wo ihr persönliches Problem mit der Platte lag. Musikalisch war das gar nicht zu begründen. Das war natürlich witzig zu lesen. Aber ganz ehrlich, Pitchfork war immer gut zu uns und ich habe auch kein Problem mit Rezensenten, die sich die Mühe gemacht haben, das Album anzuhören. Nur bei dieser speziellen Review hatte ich den Eindruck, dass die Autorin nicht wirklich in das Album reingehört hat. Die hat sich angeschaut, was andere geschrieben haben, um dann zu merken, dass sie es nicht so gern mag, wie das zweite Album. Hätte sie sich diese Mühe gemacht, wäre es ihr vielleicht wie anderen gegangen. Die sagten nämlich, dass sie nach dem ersten Hören noch etwas kritisch waren, sie aber mit jedem Durchlauf begeisterter waren. Also, ich fand die Review etwas ungerecht. Aber, ich glaube auch, wir sind Pitchfork vielleicht mittlerweile entwachsen.

Ja, die sind nun auf We Were Promised Jetpacks umgesattelt.

Grant: Haha, ja stimmt. Aber wir müssen das Feld natürlich auch den jüngeren Menschen überlassen. Die haben es aber auch verdient. Wir merken ja auch, dass wir trotzdem Erfolg in Amerika haben. Wir haben trotz dieser Review die Webster Hall in New York ausverkauft und auch in Chicago, wo Pitchfork sitzt, lief es noch nie so gut, wie bei unserem letzten Besuch.

Von Amerika mal nach Australien. Da habt ihr Echo & The Bunnymen supportet. Passt ja namentlich schon mal sehr gut. Wie war denn das für euch?

Grant: Also, die beiden Shows waren gut. Aber ganz offen, der Sänger ist ein Arsch. Der hat einige echte Probleme mit seinem Ego. Uns wurde gesagt, wir dürften nicht mit ihm sprechen, ihn nicht anschauen und sollten auch bloß nicht in der Nähe der Bühne sein, wenn die Band sie besteigt. Während der Show mussten wir tatsächlich die ganze Zeit in unserem Backstage-Raum bleiben. Also, Konzert gucken war auch nicht. Die haben sogar nur vor halb vollen Venues gespielt. Ein Konzert wurde sogar in eine kleinere Halle verlegt und die war dann immer noch nur halb gefüllt. Es war aber natürlich alles in allem eine tolle Erfahrung, weil wir uns einigen vorstellen konnten, die noch nie von uns gehört haben.

Im ersten Interview mit uns hast du gesagt, ihr hättet zwar keine Rituale vor der Show, aber welche nach der Show, die es interessant machen. Gibt es da noch welche, abgesehen vom trinken?

Grant: Eigentlich nicht, darauf hatte ich nämlich angespielt. Also, betrunken werden. Wir hatten nie echte Rituale, sind auch nicht abergläubisch oder so. Wir trinken dann einfach ein wenig Bier.

Was ist denn dein liebstes Mischgetränk, um mal auf den Album-Titel anzuspielen?

Grant: Ich hab da eigentlich keines. Scott trinkt im Moment häufig einen Drink, den er aus einer amerikanischen Fernseh-Serie hat. Der heißt „Old Fashioned“. Die Gründe dürften auf der Hand liegen. Ich würde dann einfach Gin Tonic nehmen. Gestern in München war es Cider, dann Bier, dann Whiskey, dann Vodka. Halt alles, was mir in den Weg kommt.

Ok, die Zeit ist leider auch schon um. Also, zum Abschluss, was wäre die Frage, die du schon immer in einem Interview gestellt bekommen wolltest und was wäre die passende Antwort?

Grant: Hmm. Ah, da wüsste ich was. Die Frage wäre: Kann ich dir einen Drink ausgeben? Die Antwort: Ja, einen Cider bitte.

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