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Enno Bunger – Interview

Enno Bunger

Vor ein paar Wochen veröffentlichten die Ostfriesen von Enno Bunger ihr nunmehr zweites Album „Wir sind vorbei“. Ein Album, mit dem Sänger, Songwriter und Namensgeber Enno Bunger eine Trennung verarbeitete. Das Ergebnis sind gut gemachte Popsongs, die eine erwachsene Band zeigen. Ab morgen heute präsentiert das Trio diese Songs nun auch auf ausgedehnter Tour durch Deutschland. Wir baten sie deshalb zum Interview.

Ihr habt gerade euer zweites Album veröffentlicht. Was ist das für ein Gefühl?

Enno: Toll! Wir können nun Postkarten bauen mit Bildern aus der Studiozeit und darunter „Wir sind vorbei“ schreiben. Ich glaube, ich bin sogar noch aufgeregter und motivierter als beim Debütalbum, weil ich maximal zufrieden bin mit dem Resultat.

Bernd: Den Druck, vom dem viele oft berichten, wenn sie vor dem zweiten Album stehen, habe zumindest ich nicht verspürt, weil Enno uns einfach immer wieder in unregelmäßigen Abständen Songideen schickte und ich immer mehr das Gefühl bekam, dass das, vor allem bei der Zusammenarbeit mit Tobias Siebert, nur ein tolles Album werden kann.

Das zweite Album steht ja häufig viel mehr in der Kritik als das erste. Man kann einen Vergleich herstellen, entweder trifft man die Erwartungen der Leute oder nicht. Wie war das für euch als Band beim Schreiben der Songs?

Enno: Inhaltlich hatte ich glücklicherweise genug Stoff zum Schreiben, und musikalisch gibt es immer viele Ideen. Wir konnten unsere Vorstellungen bei Tobi Siebert in Berlin mehr als nur verwirklichen. Natürlich ist man gespannt, wie diese Platte angenommen wird und es gibt tolle Reaktionen darauf, die mich glücklich machen.

Enno Bunger - Wir sind vorbeiEuer zweites Werk trägt den Namen „Wir Sind Vorbei“. Dass es hierbei um eine Trennung geht, dürfte jedem klar sein, spätestens beim Hören der CD, aber wieso habt ihr euch für diesen Namen bzw. für dieses Statement entschieden?

Enno: Das ist ein wunderschöner Satz, der in der deutschen Sprache bisher kaum Verwendung fand, vielseitig einsetzbar ist und sowohl melancholisch als auch optimistisch gesehen werden kann. Wir sind vorbei, endlich!

Wie ist es so etwas persönliches, wie eine Trennung mithilfe eines ganzen Albums öffentlich zu verarbeiten?

Enno: Ich hab mich eine ganze Zeit lang sehr von meiner Umgebung isoliert, mir alte Bilder angesehen und dann geschrieben. Die Öffnung nach außen ist für mich die Bedingung, um diese Musik machen zu können. Ich glaube, Musik kann nur dann berühren, wenn man sich angreifbar und vielleicht auch verletzlich macht.

Zwischen der Veröffentlichung euer beiden CDs liegen zwei Jahre. Wir haben den Eindruck, dass „Wir Sind Vorbei“ persönlicher ist als „Ein Bisschen Mehr Herz“. Wo liegt für euch der Unterschied zwischen den beiden Alben?

Ennno: „Ein bisschen mehr Herz“ steht für die Selbstverwirklichung und ist etwas allgemeingültiger gehalten. Die Stücke darauf habe ich zwischen 2006 und 2009 geschrieben, also teilweise sogar noch während meiner Schulzeit. Es ist ein recht optimistisches, positives Album, das ich für viele verschiedene Menschen geschrieben hab. Auf „Wir sind vorbei“ geht es nur noch um höchstens zwei Personen.

Gibt es für euch einen Lieblingssong auf dem Album? Und wieso ist es genau dieser Titel?

Enno: Ein Astronaut – eigentlich sogar das traurigste Stück der Platte, es klingt aber, bedingt durch die Instrumentierung, eher wie Weihnachten auf der Voyager.

Bernd: Bei mir sind es zwei, zwischen denen ich zur Zeit immer wieder schwanke. Zum Einen auch „Ein Astronaut“ und zum Anderen „Roter Faden“, der beim live spielen gerade echt Spass macht. Aber eigentlich haben wir bei allen Stücken auf der Platte genau das (und noch mehr) umsetzen können, was wir uns klanglich vorgestellt haben.

Wenn man live spielt und mit seinen Songs zum ersten Mal auf der Bühne steht, kriegt man ja normalerweise direkt ein Feedback von den Zuschauern, anders als wenn sie sich die CD kaufen und sie im stillen Kämmerlein hören. Wie ist es für euch mit den neuen Songs auf Tour zu sein? Wie war das Feedback bisher?

Bernd: Bisher hat sich bei uns noch keiner beschwert, aber wir haben unsere neuen Lieder ja noch nicht so oft live gespielt. Es ist aber echt ein tolles Gefühl, die neuen Stücke nach dem Studio jetzt auch bei Konzerten vorzustellen. Wer uns schon mal gesehen hat, wird sich vermutlich sofort wundern, wenn er ab Mittwoch bei einem der Konzerte vorbeischaut. Wir haben für die Tour nämlich Zuwachs bekommen ;-)

Eure Band gibt es ja schon eine ganze Weile. Wie ist es für euch, wenn ihr eure Songs im Radio hört oder wenn sie sogar im Hintergrund im TV laufen?
Bernd: Ich muss gestehen, dass ich relativ selten Radio höre oder den Fernseher anschalte, passiert also nicht so oft. Es gab da vor Jahren, noch bevor wir im Mai 2009 unser erstes Album im Studio aufnahmen, so einen Moment wo wir im Tourbulli NJOY Radio hörten und plötzlich eine Konzertankündigung für das am Abend stattfindende Konzert inkl. Airplay kam. Das war stark! Das Konzert (in Schwerin) war dann leider trotzdem recht mau besucht ;-)

Manchmal werdet ihr von der Presse als die deutschen Coldplay bezeichnet. Würdet ihr Coldplay als eure Vorbilder bezeichnen? Welche Vorbilder habt ihr, wenn es um eure Musik geht?

Enno: Ja. Coldplay.

Wäre lustig, das so stehen zu lassen. Für das erste Album kann das durchaus zutreffen, aber beim neuen Album macht mich das manchmal ärgerlich. Es gibt Kritiker, aus deren Rezensionen hervorgeht, dass sie sich aus Zeitmangel nur mit den ersten beiden Stücken beschäftigt haben und uns wegen eines von zehn Stücken in die überfüllte Coldplay-Schublade quetschen. Es ist ok, ich mag Coldplay, und ich hab die Parachutes-Platte gefressen, aber für dieses neue Album waren Archive, Franz Schubert, The National, Elbow und Arcade Fire viel wichtigere Inspirationsquellen.

Ihr spielt ja häufiger in Leer. Wie ist es für euch in der Heimat aufzutreten?

Bernd: So häufig spielen wir nun auch wieder nicht in Leer, einmal im Jahr ;) Aber am kommenden Ostersonntag werden wir schon zum dritten in Folge an Ostern das Zollhaus bespielen und das ist immer ziemlich aufregend, weil dann natürlich enorm viele Freunde und die ganze Familie vorbeischaut. Das ist ein tolles Highlight für uns!

Wie und wann entstehen eigentlich eure Songs?

Enno: Das frage ich mich auch immer, dafür gibt es keine Regel. Ich schreib Zuhause Texte, baue Songskizzen, schick sie per Mail an Nils und Bernd, und dann fallen Sätze wie „Enno, schönes Lied, aber ist alles in Ordnung bei Dir?“

Wir hoffen natürlich, dass ihr so bald nicht vorbei sein werdet. Wie ist das bei euch mit der Laune neue Songs zu schreiben, wenn ihr gerade ein Album veröffentlicht habt?

Enno: Fragt lieber nicht!

Enno Bunger auf Tour

04. April, Köln, Subway
05. April, Osnabrück, Kleine Freiheit
07. April, Berlin, Roter Salon
08. April, Leer, Zollhaus
09. April, Rostock, Zwischenbau
10. April, Hamburg, Prinzenbar
11. April, Cottbus, Bebel
12. April, Leipzig, Sweat Club
13. April, Dresden, Puschkin


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