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Eight Legs – Interview

Wir haben euch diesen März bei eurem Konzert in Köln gesehen und bisher gedacht, es sei eure erste Deutschland-Tour gewesen. In seiner heutigen Bulletin meinte Eavo jetzt aber, dass ihr schon einmal im AMP gespielt habt und da sogar etwas am DJ-Pult rum gespielt habt. Wieso dieses exzessive Touren in Deutschland?

Sam: Hmm, es ist immer großartig hier rüber zu kommen, wir bekommen wirklich gute Reaktionen von den Fans, wir haben hier inzwischen eine gute Fanbase. Es ist immer schön hier zu sein und so gut angenommen zu werden.

Werdet ihr heute Abend DJen?

Adam: Kommt glaub ich drauf an, wie betrunken wir werden.

Sam: Ja, ich bin aber auch nicht sicher, ob wir dafür sehr betrunken sein müssen, oder nur nicht zu betrunken.

Jack: Vermutlich beides.

Sam: Wir haben heute keine iPods oder so dabei, das könnte also ein Problem sein. Aber wir DJen wirklich sehr gern, das macht echt Spaß.

Seit ihr 2006 auf der Dior Winter Show gespielt habt werdet ihr häufig als “Fashion Punk” bezeichnet, würdet ihr auch sagen, dass es eine enge Verknüpfung zwischen eurer Musik und Mode gibt und seht ihr euch überhaupt als Punk?

Jack: Wie definiert man heute noch Punk? Ich bin mir nicht ganz sicher, aber „Fashion Punks“ sind wir wohl eindeutig nicht. Nein, ich denke, es gibt da keine Verbindung zwischen unserer Band und Mode, es ist einfach nur die Tatsache, dass wir bei dieser Dior Show gespielt haben. Abgesehen davon ist uns Mode nicht wirklich wichtig. Wir sind eine Band und machen Musik, das ist uns wichtig.

Bei eurem Konzert in Köln haben wir eine Frau bemerkt, die männliche Models für Adidas suchte, denkt ihr eure Fans sind hübscher, als die anderer Bands? Offensichtlich tut Adidas das.

Gelächter

Sam: Ich bin etwas enttäuscht, dass sie uns nicht gefragt haben, oder nur mich um ehrlich zu sein.
Aber ja, ich denke, besonders die Mädels sind süß, wir treffen viele hübsche Mädels.

Adam: Ja, diese kleinen Teenie Boppers mit den hübschen Füßen.

Sam: Ja, die sind immer sehr jung. Wir haben aber alle Freundinnen und wollen das auch nicht gefährden. Aber ich denke, dass insbesondere Leute, die Indie Musik hören, cooler aussehen und hübscher sind, als andere Menschen, zumindest erscheint es uns so.

Wenn ihr an die aktuelle Musikszene denkt, welche Bands denkt ihr sind echte Berühmtheiten, also Stars im eigentlichen Sinne, an die man sich erinnern wird?

Sam: Ich denke, The Klaxons, The Libertines, The Strokes, das sind echt großartige Bands.

Jack: Ja, es gibt auch viele Bands, die nur ein Album veröffentlichen und dann wieder von der Bildfläche verschwinden, in unserem Genre muss man glaube ich vier bis fünf Alben veröffentlichen um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben.

Sam: Ja, es gibt auch viele Bands, die von den Labels aufgegeben werden und dann alles hinschmeißen, aber es gibt dann auch Bands, die weiter machen, die Futureheads zum Beispiel, die haben ihr eigenes Label gegründet und halten sich gut über Wasser. Ich denke, an die wird man sich erinnern, nicht weil sie die aller großartigste Musik in ihrem Genre machen, aber weil sie den Kampf ums Überleben so bewältigt haben.

Ja, wir haben die auch am Sonntag getroffen, großartige Band (Interview hier).

Sam: Ja, wir verehren sie, die sind auch Fans des gleichen Fußballteams, wie ich, es war also auch ein guter Tag für uns.

Vor rein paar Tagen hatten wir eine Unterhaltung mit einem Metal Fan.

Sam: Wir haben Fans aus Metall?

Nein, nicht wirklich, aber du weißt ja, es gibt diese Ventilatoren aus Plastik, die drehen sich schnell, dieser war eben aus Metall.

Sam: Touché!

Gelächter

Also, er meinte, er würde weder die Kings Of Leon kennen, noch Bloc Party. Denkt ihr Ruhm ist heutzutage mehr eine Sache der individuellen Wahrnehmung, als noch vor ein paar Jahren?

Jack: Ich denke, er hat die letzten Jahre hinter dem Mond gelebt, wenn er Bloc Party und die Kings Of Leon nicht kennt.

Sam: Ich meine, schau dir die Kings Of Leon an, die sind verdammt groß geworden, die verkaufen in England Stadien mit 20.000 Menschen aus. Vor wie vielen Leuten spielen die hier?

Hmm, schwer zu sagen, ist etwas her, seit die hier waren, vielleicht 2.000.

Sam: Ok, aber ich denke, dieser Metal-Fan, wenn er bisher noch nicht von ihnen gehört hat, wird er es bald, nicht nur wegen des neuen Albums, sondern auch, weil du sie erwähnt hast.

Zu eurer Musik, gibt es schon Pläne für ein zweites Album und was wollt ihr dieses mal anders machen?

Jack: Wir haben schon ein paar neue Songs geschrieben, die wir auch heute spielen. Wir haben auch gerade unseren Vertrag für das zweite Album unterschrieben und beginnen nun mit dem Schreiben, ich denke es wird so März hier veröffentlicht werden.

Adam: Wir haben Pläne es im Dezember aufzunehmen, also sollte es bis Ende des Jahres fertig gestellt sein.

Werdet ihr nun bei den Aufnahmen etwas ändern?

Sam: Ja, ich denke wir werden nun mehr kreative Kontrolle haben. Unser Produzent beim ersten Album war brillant, er war aber ziemlich väterlich und hat uns in eine bestimmte Richtung gedrängt, er hat so gut wie alles in die Hand genommen. Jetzt werden wir viel mehr selbst übernehmen, wir wissen jetzt, wie man im Studio arbeitet und wie wir den Sound hinkriegen, den wir möchten und vor allem die Richtung, in die wir wollen. Ich denke wir werden mit unseren Instrumenten jetzt noch viel mehr machen können. Besonders auf den B-Seiten, die wir für unsere Singles aufgenommen haben, konnten wir viel lernen, wir haben da mit einem anderen Produzenten gearbeitet, der uns viel beibringen konnte.

Jack: Ich denke, wir werden auch in eine etwas andere Richtung gehen, weil wir dieses Album in einer sehr aufregenden Zeit aufnehmen, es sollte ein einheitliches Thema geben und eine stärkere Einheit unter den Songs an sich.

Adam: Ja, das letzte Album war eher eine Ansammlung von Songs, die wir über eine lange Zeitspanne geschrieben haben, einer war etwas mehr Punk, der nächste etwas Reggae, das möchten wir ändern und die Songs nun mehr aus einem Guss wirken lassen. Wir wollen also weniger Styles reinbringen.

Welcher eurer Songs denkt ihr, ist euer bester und welcher euer schlechtester?

Jack II: Wir haben keine schlechten Songs.

Sam: Aber wir haben „These Grey Days“ inzwischen ziemlich satt. Er wurde für diese Dior Show benutzt, läuft jetzt auch in einem Werbespot und wird als Single wieder veröffentlicht, er ist also so etwas wie unser Vorzeigesong. Das soll nicht heißen, dass wir den Song nicht mögen, wir haben ihn einfach nur ziemlich oft gespielt. Es gibt Songs, die wir wirklich gern spielen und andere, die wir etwas satt haben. Am meisten mag ich neue Stücke.

Adam: Ja, je neuer der Song, desto mehr genießen wir ihn zu spielen und ihn unseren Fans zu präsentieren.

Spielt ihr auch manchmal Coverversionen?

Jack II: Ja, wir haben einmal einen Song von The Jam gespielt, wie hieß der doch gleich?

Jack: „Entertainment“ glaube ich. Aber den haben wir auch schon länger nicht gespielt. Vor einer Weile haben wir auch einmal The Cure gecovert, das hat auch Spaß gemacht.

Sam: Cover zu spielen ist schwer, weil du hart versuchen musst, dem Original möglichst gerecht zu werden und auch dein eigenes Ding daraus zu machen. Wir haben vor einiger Zeit auch eine Radio Session gespielt, Teil davon war einen Song einer Band zu spielen, die du auswählst, wir haben uns für Pete & The Pirates entschieden, ich weiß nicht, ob ihr die kennt.

Klar, die werden wir auch bald im Interview haben.

Sam: Cool, ihr müsst sie unbedingt fragen, was sie von unserem Cover hielten.

Ist notiert. Ihr habt vor Kurzem einen Song für die Verwendung in einer Kampagne für verantwortungsvollen Alkoholkonsum hergegeben. Denkt ihr, das passt zu eurem Image als junge Indie Rock Band?

Gelächter, Adam stellt seine Bierflasche zur Seite und räuspert sich.

Jack: Hmm, ich denke dabei geht’s nicht um unser Image, die Hauptgründe warum wir das getan haben sind ganz einfach, weil wir dafür ein bisschen Geld bekommen haben und weil wir dadurch als Band profitieren können, denn es ist eine nationale Kampagne, die viel im Fernsehen läuft und uns natürlich bekannter macht. Außerdem ist es natürlich positiv, wenn die Leute unseren Song mit einem Clip für verantwortungsvolles Trinken in Verbindung bringen und wenn sich dadurch weniger Teenager krankenhausreif saufen ist das in Ordnung.

Sam: Wir trinken ja nun auch nicht wenig, da wäre es komisch, wenn wir jetzt den Alkoholkonsum verteufeln.

Also denkt ihr da wie die Futureheads, es geht ums Überleben als Band?

Jack: Ja, ich denke, das ist am meisten Punk, wenn es dir scheißegal ist, was die Leute denken, wenn du deine Songs für Werbung hergibst. Ich denke, Selbstvermakrtung ist auch eine Art Punkeinstellung, du pfeifst drauf, was die Leute sagen und machst eben dein Ding.

Diesen Monat habt ihr eure eigene Club Night in der Power Bar in Kilburn gestartet, wie seid ihr darauf gekommen und wie war die erste Nacht?

Sam: Ja, das war cool, also echt gut, ich hatte da auch einen Tag vorher Geburtstag, also haben wir das verbunden. Der Manager des Clubs ist mit uns befreundet und fragte, ob wir nicht Lust hätten so etwas aufzuziehen. Im Moment haben wir leider auch wenig Zeit dafür, offensichtlich können wir das auch diese Woche nicht machen, weil wir anderweitig beschäftigt sind. Aber es ist ein echt toller Weg, neue Bands kennen zu lernen und mit ihnen eine Art Szene um uns zu kreieren.

Jack: Ja, das ist cool für uns. Wir bauen uns da so eine Basis auf, wir treffen viele neue Leute, junge Musiker, frische Bands. Wir freuen uns auch schon auf das nächste Mal. Es ist eben toll Teil dieser Szene zu werden und außerdem haben wir viel Spaß.

Nachdem ihr jetzt schon so oft in Deutschland wart, wann werdet ihr wieder da sein?

Lachen

Jack: Wir werden noch einige Shows spielen, eine wird am Montag angekündigt, da spielen wir bei so einem von Sony Ericsson organisierten Festival in Berlin im November. Also ziemlich bald sogar. Wir haben auch kürzlich mit unserem Manager gesprochen, wir meinten, wir würden gern ein wenig Zeit für uns haben, um Songs zu schreiben und so etwas, er meinte aber, erst macht ihr noch eine Tour hier und spielt da ein paar Konzerte.

Was mögt ihr denn lieber, Konzerte oder Studioarbeit?

Sam: Das kommt echt drauf an. Als wir im Studio waren für das erste Album hatte ich gegen Ende echt ein Problem im Studio und das starke Bedürfnis endlich wieder auf Tour zu gehen um unseren Fans dieses Zeug vorzuspielen. Aber jetzt wo wir so lang auf Tour sind freuen wir uns natürlich wieder auf die Studioarbeit.

Jack: Ja, wir haben viel neues Zeug, das wir fertig schreiben möchten und auf CD bringen möchten. Ich genieße beides aus unterschiedlichen Gründen. Die Arbeit im Studio liebe ich, weil es ein kreativer Prozess ist, du schaffst da etwas, dass für immer hält, es ist ein Stück deines Schaffens, also ich genieße die Studioarbeit.

Damit du später sagen kannst, schau her Jack jr. das hat dein Daddy damals aufgenommen als er Anfang 20 war?

Gelächter

Jack: Yeah, schau Jack jr., Papa war ein Rock Star!

erstes Foto von Ariane, Rest Myspace der Band

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