Interviews

Dartz – Interview

Henry von Dartz war so freundlich mir ein paar Fragen zu beantworten.

Menschen neigen dazu Musik in Genres zu stecken. Ich finde das zunehmend schwieriger, denn viele Genres verschwimmen ganz einfach mittlerweile ineinander. Was Dartz betrifft bin ich da über Punk und Post Punk gestolpert und auf eurer Homepage ist sogar die Rede von „Dance Punk“. Wie Würdest du Dartz selber beschreiben und könntest ihr den Begriff „Dance Punk“ näher erklären?

Ich persönlich bin kein Fan davon Musik zu kategorisieren oder sie in Genres zu stecken. Ich denke einfach, wenn es gut klingt, ist es gut. Meiner Meinung nach verbringen viele Musikjournalisten viel zu viel Zeit damit, Bands in eine bestimmte Szene oder ein bestimmtes Genre zu quetschen, selbst wenn die Band, um die es geht, in kein definiertes Schema passt. Ich denke, die Musik, die wir machen, sind Punk, Post-Punk, Indie, Indie-Rock, Pop, Math-Rock Elemente zu finden und wahrscheinlich noch eine ganze Menge mehr. All dies in einem kaum beschreibenden Genre zusammen zu fassen erscheint ein wenig undurchdacht. Ich denke „Dance Punk“ bedeutet, dass wir zwar eine Art Punk spielen, viele unserer Songs jedoch tanzbar sind.

Ihr habt gerade eure erste Deutschlandtour zu Ende gebracht. Etwas traurig, dass die Konzerte nicht annähernd ausverkauft waren. Hat euch das enttäuscht oder denkt ihr, dass sich die Tour trotzdem gelohnt hat?

Es hat sich definitiv gelohnt! Da dies unsere erste Deutschlandtour war, haben wir ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass sie ausverkauft sein wird. Die Tatsache, dass Menschen da waren, die unsere Songs kannten, diese sogar mitsingen konnten und getanzt haben, das ist mehr als genug für uns. Für unser erstes Mal hier sind wir wirklich zufrieden damit, wie die Tour gelaufen ist. Zugegeben, ein paar der Konzerte waren nur spärlich besucht, aber die tollen Konzerte in Bremen und Heidelberg haben das mehr als wieder gut gemacht.

Gab es so etwas wie einen „Lieblingsmoment“ auf dieser Tour?

Es ist schwer einen einzelnen Moment heraus zu picken. Die letzten paar Wochen haben wirklich sehr viel Spaß gemacht. Das Konzert in Bremen war etwas Besonderes, wir haben das erste mal einen „double-encore“ gespielt. Das Publikum war wirklich gut zu uns. Micheal, unser Fahrer, hat es wirklich auf den Punkt gebracht, als er sagte „wenn ihr ein solches Konzert in England spielen würdet, wärt ihr froh. Ein Konzert wie dieses in Deutschland zu spielen ist einfach irrsinnig!“ Mir hat es auch sehr viel Spaß gemacht, mir die Städte, in denen wir gespielt haben, anzusehen. Wir sind nicht nur das erste Mal als Band in Deutschland, es ist auch mein allererstes Mal hier. Zeit damit zu verbringen mir tolle Städte wie Berlin, Heidelberg und Münster anzusehen war wirklich großartig.

Ihr kommt aus Middlesbrough im Norden Englands. In dieser Gegend passiert musiktechnisch so einiges in den letzten Jahren. Gute Bands scheinen aus dem Nichts aufzutauchen. Natürlich spielen Plattformen wie MySpace da eine große Rolle, aber man hört links und rechts leise Stimmen, die sagen: „Oh, das ist doch eine dieser Bands aus dem Norden von England, oder?“. Offensichtlich hat sich da eine Musikszene gebildet, die auch außerhalb der Region und des UK wahrgenommen wird. Was haltet ihr davon?

Musiktechnisch geht da nicht wirklich viel in Middlesbrough. Es gibt ein paar Bands, die ziemlich gute Musik spielen und die es wert sind, sie sich mal anzuhören. Der größte Teil der guten „North East-music“ der letzten Jahre kam jedoch aus Städten wie Sunderland und Newcastle – Bands wie Maximo Park, The Futureheads, Field Music, This Ain’t Vegas, School Of Language, YourCodeNameIs:Milo etc. Als wir angefangen haben in Bands zu spielen und Musik zu machen, war es eine echte Inspiration diese Bands praktisch um die Ecke zu haben. Man realisiert, dass man nicht aus London kommen muss, um gute Musik spielen zu können. Nach einer gewissen Zeit wird genau das jedoch auch frustrierend; wir werden als Band immer als Teil dieser „Szene“ gesehen, obwohl wir da nicht wirklich reingehören. Vor allem, weil mittlerweile nur noch einer von uns dort wohnt.

Glaubt ihr „the Northern Scene“ könnte dem Konkurrenz machen, was in London abgeht? Ich habe das Gefühl, dass die Bands sich gegenüber freundlicher und loyaler sind, im Gegensatz zu London, wo Bands eher gegeneinander zu arbeiten scheinen, als miteinander.

Ich denke, du hast da völlig recht damit, dass viele Bands in London einfach denken, dass Musik eine Konkurrenz-Sachen ist, vielleicht weil sie alle auf den gleichen ominösen Plattenvertrag spekulieren, der sie von ihren „normalen“ Jobs erlösen wird. Im Norden fangen viele Bands der Musik wegen an zu spielen (und weil es nicht viel anderes zu tun gibt)! Die Musikszene dort ist in der Tat ziemlich stark. Wie du gesagt hast, tauchen immer wieder richtig gute Bands auf. In Bezug auf die eigentlich Musikindustrie und ihre Infrastruktur bin ich mir allerdings nicht sicher, ob der Norden jemals da mit London mithalten kann.

Ich habe gelesen, dass die Entscheidung, die Band Dartz! zu nennen eher spontan und aus der Not heraus war. Wie kam es dazu?

Nun ja, die hat ursprünglich als ein Spaß angfangen. Ich war früher Drummer und Phil der Gitarrist. Aus irgendeinem bizarren Grund haben wir uns dann dazu entschieden, die Instrumente zu tauchen. Wir wollten Spaß haben und etwas „leichteres“ als unsere vorigen Bands machen. Wir wollten einen Namen, der dies ausdrückte – so kam es erst zu DARTS!, woraus schnell DARTZ! und vor kurzen Dartz wurde.

Ihr habt euch des Ausrufezeichens letztes Jahr entledigt. Gibt es einen Grund dafür? Viele Bands hatten auf einmal ein solches Ausrufezeichen hinter ihrem Namen (z.B. Kubichek! oder iForward Russia!..).

Als wir uns DARTZ! genannt haben, waren wir uns nicht wirklich anderer Bands mit einem Ausrufezeichen bewusst, ausser !!!, die uns eigentlich erst die Idee dazu gegebe hatten. Aber dann haben wir angefanen einige Konzerte mit Bands wie Kubichek! und iForward, Russia! zu spielen, was ein kleiner Ausrufezeichen overkill war. Als wir angefangen haben als Band, schien etwas so „neues“ im Namen passend, auch auf unsere Musik bezogen. Die neuen Songs, die wir für das zweite Album geschrieben haben und schreiben, sind aber ein wenig ernster und weiterhin einen eher lustigen Bandnamen zu haben, passte einfach nicht mehr, denke ich.

Euer Album heißt „This Is My Ship“. Könnte das vielleicht eine Art Metapher dafür sein, dass ihr euer eigenes Ding macht und euch nicht als Sklaven der Musikindustrie seht – und eure Identität als Band verliert?

Eigentlich hat das mehr damit zu tun, dass das Theme vieler unserer Songs das Reisen ist. Das gemeinte Schiff ist hier das Auto meines Vaters, das Phil auf unserer ersten Tour gefahren hat. Phil hat den Text zu „The Lives Of Authors“ (aus dem der Albumtitel entnommen ist) geschrieben, nachdem er von einem der Konzerte zurückgefahren war und alle anderen eingeschlafen waren. Ich mag es aber wie Texte, Titel der Songs und des Albums den Leuten die Möglichkeit geben, sie so zu interpretieren, wie sie finden, dass sie einen Sinn ergeben. Wenn sie also eine Anspielung auf die Musikindustrie im Albumtitel sehen, finde ich das völlig in Ordnung.

Ihr habt die Band 2004 gegründet und seitdem, laut eurer Homepage, mehr als 200 Konzerte gespielt. In wie weit haben sich die Songs verändert seit euren ersten Konzerten und fühlt es sich immernoch gleich an sie zu spielen?

Bei unserem ersten Konzert haben wir „Network! Network! Network!“, „Harbour“, „Teaching Me To Dance“, „Laser Eyes“ gespielt, und einen weiteren Song, der nicht mehr existiert. Zu dem Zeitpunkt als diese Songs entstanden sind, haben Phil und ich unsere „neu gefundenen“ Instrument erst seit ein paar Wochen gespielt, also hoffe ich, dass wir musikalisch wie auch technisch verbessert haben seitdem. Ich mag immernoch einige der alten Songs, sie live zu spielen kann jedoch auch ein bisschen komisch sein – seitdem sind 3 Jahre vergangen, wir würden viel lieber unsere neuen Songs spielen, als die, die wir geschrieben haben, noch bevor wir unsere Instrumente richtig spielen konnten. „Teaching Me To Dance“ war der erste Song, den wir zusammen als Band geschrieben haben und er passt nicht gut mit den restlichen Songs zusammen, also haben wir ihn seit über einem jahr nicht mehr gespielt. Hoffentlich werden die Leute das neue Material genauso sehr mögen, wenn nicht mehr.

Also gibt es schon Pläne für ein zweites Album?

Die gibt es in der Tat! Es wird wahrscheinlich ein Mini-Album werden, es wird aber immer noch in Betracht gezogen es ein komplettes Album werden zu lassen. 5 neue Tracks sind schon aufgenommen und wir hoffen diese im Juni fertig zu stellen, so dass wir eine Veröffentlichung im späten Septemper anstreben können

Warum sind „Dartz good for my brain“ (wie ihr in „Teaching Me To Dance“ verkündet)?

Sag du es mir!

Fotos von Ariane und der Band

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