Interviews

Cargo City – Interview

Einen Tag nach dem Release seines zweiten Cargo City Albums „On.Off.On.Off.“ (hier zur Review) und am letzten Tag seiner Deutschland-Tournee, deren Abschluss er im kuscheligen Münsteraner AMP feierte, nahm sich Simon Konrad, Kopf hinter Cargo City, ein wenig Zeit, uns einige Fragen zum Zweitwerk zu beantworten.

Hi Simon, vielen Dank erst einmal für die Zeit, die du dir nimmst.

Simon: Klar. Danke, dass ihr das auch gemacht habt mit diesem Webwheel, das fand ich schon cool.

Klar doch, bei nem tollen Album sind wir doch dabei. Also, willkommen zurück in Münster. Ist ja nicht allzu lange her, dass du auch hier im AMP warst. Cargo City am Alten Güterbahnhof macht ja auch durchaus Sinn. Fühlst du dich Münster schon so ein kleines bisschen verbunden?

Simon: Sind jetzt sogar schon das dritte Mal hier. Also ich find das AMP richtig cool, ansonsten kenne ich nicht viel von der Stadt. Wir waren heute noch bei Radio Q, da sind wir dann an diesem Weiher, also dem Aasee vorbei gefahren. Das fand ich auch schon cool, so’n See mitten in der Stadt. Sieht man ja nicht oft so ein Gewässer in der Innenstadt. Ich find auch die Backsteinhäuser super, das gibt’s in Frankfurt auch gar nicht. Aber das AMP ist auch cool, den Ivo mag ich total gern und war bisher hier auch jedes Mal schön.

Kannst du auch feststellen, dass jedes Mal mehr Menschen kommen?

Simon: Das weiß ich gar nicht. Ich glaub beim ersten Mal, hmm, da waren wir noch im Whatever bei dieser Skate Halle. Das ist aber auch schon sehr lange her. da haben wir sogar noch im sitzen ganz ohne Schlagzeug gespielt. Ich weiß gar nicht, ob da mehr da waren, oder beim letzten Mal im AMP. Ich glaub, das war etwa gleich.

Frankfurt war ja bisher für uns auf der Indiemusikalischen Landkarte beinahe ein weißer Fleck. Gibt es da eine aktive Szene mit Bands, die man mal wahrgenommen haben sollte?

Simon: Ja, gibt auf jeden Fall ne Szene. Gibt schon ne Reihe Indie-Bands. Trip Fontaine kommen daher, also aus Rodgau nem Vorot von Frankfurt. Da gibt’s auf jeden Fall ne Bandszene und Clubs, wo man auftritt. Man kennt sich auf jeden Fall unter einander, ja.

In Münster gibt’s hier ja auch eine aktive Szene um’s AMP. Kennst du da Bands?

Simon: Ich kenne Cuba Missouri, die haben beim letzten Mal mit uns gespielt. Dann noch die Just us and Jonas, die kenn ich auch schon länger. Schon bevor es Cargo City gab bin ich über die mal im Internet gestolpert und hab mich an die erinnert, als wir noch ne Support-Band für die Tour gesucht haben. Die find ich auch ganz cool. Na ja und H-Blockx halt, aber die find ich jetzt nicht so cool.

Ja, ich glaube, dafür kann sich Münster auch nicht genug entschuldigen.

Simon: Die Donots kommen aus Ibbenbüren, oder?

Ja, den Ingo kannst du aber trotzdem immer am Gleis 22 treffen.

Simon: Oh, cool.

Zurück zu Cargo City. Dein neues Album „On.Off.On.Off.“ klingt jetzt noch mehr nach einer Band, als nach einer Singer-Songwriter-Platte. Ist es auch dein Ziel mit Cargo City mehr zu einem Bandsound zu finden?

Simon: Ja, also auf Tour sind wir auf jeden Fall ne Band. Wenn wir auf Tour, auf der Bühne und im Auto sind, dann sind wir auf jeden Fall schon ne Band. Aber auf Platte und im Studio, da ist das schon eher mein Projekt. Also auf der Platte haben auch meine Mitmusiker, mit denen ich auf Tour bin nicht mitgespielt. Das hat der Ralf, der Produzent alles mitproduziert. Und ähm, also von daher wird’s auch ein Soloprojekt bleiben.

Also so Richtung Bright Eyes, die ja im Kern Conor Oberst und noch Mike Mogis sind?

Simon: Ja, so in die Richtung, wen gibt’s den da noch?

Ähm, fällt uns spontan auch niemand mehr ein, da gibt’s aber ein paar.

Simon: Hmm. Ja, so’n paar halt. lacht

Beim Opener „Hold On In The Rye, Holden“ nutzt du diese Referenz an den „Fänger im Rogger“ von J.D. Salinger, hat dich der Hauptcharakter Holden beim lesen eigentlich auch so genervt?

Simon: Ja, der hatte halt ne ziemlich schwierige Lebensphase. Also, nein, genervt hat er mich nicht. Aber ich hab das Buch auch das erste Mal gelesen so mit 14, da hab ich mir das in der Bücherei ausgeliehen. Da war ich eigentlich davon begeistert, da konnte ich mich schon ganz gut mit dem identifizieren. Das zweite Mal hab ich das dann gelesen im Englisch LK, da war ich so 18. Da dachte ich mir, hä, woher kenn ich das, weil mir das alles so krass bekannt vorkam. Da hab ich dann auch gelernt, was Rye bedeutet. Hat der euch ehrlich so genervt?

Ja, wir hatten halt das Gefühl, dem Jungen müsste es doch eigentlich gut gehen, was hat der eigentlich. Seine Familie ist jetzt nicht so schlimm, wie er sagt, seine kleine Schwester ist toll, er lebt nicht in Armut, er ist halt einfach nur krass unzufrieden und jammert die ganze Zeit rum.

Simon: Ja, das war wohl dieses Pubertätsding vom Holden. Das machen eben ja auch viele mit, wo man sich denkt, was hat der überhaupt?

Du arbeitest ja auch als Sozialpädagoge, hat dich der Fänger im Roggen da ein wenig beeinflusst mit jungen Menschen zusammenzuarbeiten?

Simon: Ja, nä, das war eher mein Zivildienst, den ich gemacht habe. Da war ich in ner Kindertagesstätte. Also, ne integrative KiTa auch mit behinderten Kindern und da hab ich gemerkt, dass mir das Arbeiten mit Kindern und Menschen eben Spaß macht und da hab ich mich für den Studiengang entschieden.

Und bist nebenher armer Musiker?

Simon: Ja, beide Jobs sind nun nicht wirklich ergiebig. Ist eben der Idealismus.

Ja, das kennen wir. Aber noch einmal zum Album. Du bewegst dich nun musikalisch auf einem etwas breiteren Spektrum. Jemand meinte von Kristofer Âström bis Radiohead sei alles dabei. Ist dir so ein breites Spektrum wichtig?

Simon: Ähm, also das erste fand ich auch schon recht abwechslungsreich. Aber das neue ist noch abwechslungsreicher, das stimmt. Das ist mir aber auch schon wichtig, dass ich besonders viele Facetten zeige. Das habe ich auch schon beim Songwriting gemerkt, ich möchte mich nämlich auch nicht wiederholen. Da möchte ich immer neue Ansätze finden neue Sounds zu bringen.

Hast du nicht Angst, dich eventuell zu verzetteln, beim Versuch neue Ansätze zu finden, statt dich einfach auf deine Stärken zu besinnen?

Simon: Klar, ich glaub das würd auch nicht funktionieren jetzt zu sagen, ich muss den Song jetzt anders einspielen mit nem anderen Sound. Das kommt alles so von innen und ergibt sich bei den Aufnahmen dann von selbst. Was so die Produktion angeht, da ist der Ralf Hildenbeutel eigentlich schuld. Da darf ich mich natürlich einmischen und werde auch gehört, wenn ich sage, mir gefällt etwas nicht. Das war auch wichtig beim neuen Album, dass es etwas organischer werden soll, so mit echten Instrumenten.

In der Presseinfo zu deinem neuen Album stand auch, dass dich besonders die Gegensätze in deinen Songs fasziniert haben. Daher auch der Album-Titel?

Simon: Ja klar. Also ich glaube, es gibt keinen krasseren Gegensatz als On und Off. Selbst Cold und Hot ist ja auch schon so ne Definitionssache. Dass das Album eben auch so viele Gegensätze beinhaltet ist mir auch erst aufgefallen, als ich das Album noch einmal durchgehört habe. Da dachte ich mir, wow, jeder Text hat ja irgendwas Gegensätzliches in sich. Da war der Titel eben auch klar.

In einer Review zu deinem Album wurde dein englischer Satzbau als etwas holprig bezeichnet. Uns störte das jetzt trotzt Englischstudium nicht wirklich. Schreibst du deine Texte eher nach Gefühl, oder ist es dir wichtig, dass auch sprachlich alles absolut perfekt ist?

Simon: Oh, echt. Ok. Hmm, nein, eigentlich ist mir einfach wichtig, dass ich das dazu träller, was mir grad einfällt und was dann gut klingt. Da ist es dann nicht so wichtig, dass es nun wirklich perfekt ist. Also wichtig ist da erst einmal nur der Klang. Das ist aber ne Frechheit lacht

Okay, zum Abschluss auch noch. Wir suchen, jetzt wo sich das Jahrzehnt dem Ende neigt das Album des Jahrzehnts. Was wäre dein Favorit der 00er Jahre?

Simon: Hmm, krass, stimmt. Hmm, das ist schwierig. Woran ich mich aber überhaupt nicht satt hören kann ist das zweite Album von Beirut. Das mit Nantes drauf. Wie heißt das?

„The Flying Club Cup“.

Simon: Genau das. Also das hört sich nicht tot. Weil es auch so viele Facetten in sich trägt. Also auf jeden Fall komplett durch hörbar und ja, auf jeden Fall richtig toll.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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