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Broadcast 2000 – Interview

Broadcast 2000, das ist das musikalische Projekt des britischen Songschreibers Joe Steer, der vor einigen Jahren in seinem Schlafzimmer allein begann Songs aufzunehmen und sie mit der Hilfe von Freunden um immer mehr Instrumente und Sounds anzureichern. Mittlerweile ist daraus eine Band geworden. Deren Vordenker ist immer noch Joe Steer, weshalb in vielen deutschen Medien auch häufig der Vergleich mit Get Well Soon Mastermind Konstantin Gropper zu lesen ist. Die einzige Gemeinsamkeit ist allerdings, dass beide Musiker sind, von ihrem Stil her könnten sie unterschiedlicher nicht sein, denn Steer fühlt sich eher gut gelaunten, quietschigen Pop-Sounds zugeneigt. Im Februar veröffentlicht er nun mit Broadcast 2000 sein Debüt-Album, ein schöner Anlass, ihn zu einem kleinen Interview zu bitten, wie wir fanden.

Hi Joe, vielen Dank, dass du dir etwas Zeit für uns nimmst. Da viele Deutsche dein Projekt Broadcast 2000 vielleicht noch nicht kennen, würdest du dich und Broadcast 2000 kurz einmal vorstellen?

Foto: Myspace der Band

Mein name ist Joe Steer, Broadcast 2000 habe ich vor 2 Jahren als Solo-Projekt in meinem Schlafzimmer gestartet. Seitdem hat sich das zu einer Live-Band von wechselnder Größe entwickelt, aber die Aufnahmen sind größtenteils noch meine eigene Arbeit.

Wie bei vielen anderen hast du Broadcast 2000 in der Freizeit so nebenbei ganz allein gemacht. Inzwischen trittst du mit einer Band auf. Hast du je darüber nachgedacht die Auftritte, ähnlich wie James Yuill, allein zu bestreiten?

Ich habe einmal drüber nachgedacht, aber das Wesentliche bei Broadcast 2000 sind natürlich aufgenommene Sounds und Instrumente, anders als bei James Yuill. Elektronische Elemente zu nutzen würde die Songs nicht wirklich gut repräsentieren. Wenn ich mehr Gliedmaßen hätte, könnte ich aber natürlich versuchen alle Instrumente allein zu spielen! (lacht)

Würdest du Broadcast 2000 inzwischen eigentlich eher als Solo-Projekt, oder doch als Band bezeichnen?

Für mich ist es ganz klar Beides. Es ist ein Solo-Projekt, das live zu einer Band wird. Das ist gut so, denn so macht es mir auf der Bühne viel mehr Spaß.

Einer deiner Songs hat es in einen E.On Spot geschafft. Hattest du eigentlich Bedenken, einen deiner Songs an eine multinationale Firma zu geben, die auch nicht unbedingt immer das beste Image genießt?

Ja, ich hatte Bedenken, wie wohl jeder, der als Teil einer großen Firma arbeitet. Aber im wesentlichen habe ich mich dann dafür entschieden meine Zustimmung für die Nutzung in der Werbung zu geben, weil es der einzige Weg (in der heutigen Musik-Industrie) ist, auf dem du noch irgendwie von deiner Musik leben kannst.

Welcher Firma würdest du denn die Zustimmung verweigern?

Das kann ich nicht wirklich beantworten. Ich weiß nicht alles, das ich über die Arbeit der meisten Firmen wissen sollte. Tatsache ist, eine Firma möchte einen Song von mir nutzen und da bin ich einfach froh, dass ein Unternehmen wirklich mich in Betracht gezogen hat. Wenn ich ein persönliches Problem mit einer Firma hätte, kann ich meine Stimme nutzen, um dem Audruck zu verleihen. Aber das ist ein anderes Thema.

Dein Debüt mit Broadcast 2000 erscheint im Februar, hat sich bei den Aufnahmen eigentlich vieles im Vergleich zu deiner Debüt EP geändert?

Nein, es hat sich nicht viel geändetr. Ich hatte ein wenig Hilfe von einem Produzenten, um die Arrangements etwas zu füttern und für handwerkliche Unterstützung. Und ehrlich, ich habe es geschafft zu erreichen, dass Broadcast 2000 genau so klingt, wie ich es von Anfang an wollte. Ich schätze, die EP hat einfach geholfen, den Pfad Richtung Album etwas einfacher zu machen. Für das nächste Album möchte ich musikalisch in eine etwas andere Richtung.

Hast du einen Lieblings-Songs darauf?

Hmm, das ändert sich mit meiner Stimmung. Ich würde sagen „All I Said And Done“ ist es im Moment, da ich mir den lang nicht mehr angehört habe und er dadurch frischer klingt.

Du hast auch eine Reihe von Gästen auf deinem Album. Mit wem hättest du gern zusammen gearbeitet, oder planst es vielleicht sogar schon?

Aus der Vergangenheit habe ich gelernt, dass ich nicht sehr gut darin bin, mich mit jemandem hin zu setzen und einen Songs zu schreiben. Ich stelle häufig fest, dass ich am Ende in eine völlig andere Richtung will und wir uns damit gegenseitig blamieren würden. Ich bin eher ein Alleingänger, aber für so eine Art „über das Internet“ Kollaboration würde ich mich freuen, mit Thom Yorke zusammen arbeiten zu dürfen (wenn er freundlich fragt).

Die BBC hat kürzlich ihre Liste von Newcomern, auf die man 2010 ein Auge haben sollte, veröffentlicht. Auf wen denkst du, sollte man in diesem Jahr noch etwas mehr schauen?

Auf eine Band namens Dry the River und auf Evryone. Die sind noch in ihrer Anfangszeit, machen aber fantastische Musik und ich bin sicher, dass sie irgendwann 2010 einschlagen werden.

Bilder: Myspace Broadcast 2000

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