Interviews

Blood Red Shoes – Interview

Small People. Big Sound.

Kaum zu glauben, dass Blood Red Shoes im Jahre 2009 keine einzige Veröffentlichung zu verzeichnen hatten. Wenn am 22.2. diesen Jahres die Single Light It Up als Vorbote des neuen Albums „Fire Like This“ in den Läden steht, wird diese tatsächlich der erste Release seit Dezember 2008 für das Duo aus Brighton sein. Dank fleißigem Touren und wiederholten Supportslots im Vorprogramm von Maxïmo Park scheint es, als hätten Laura-Mary Carter und Steven Ansell sich nur kurz draußen einen neuen Drink geholt um nun schon wieder in den ersten Reihen mit zu tanzen, als wären sie nie weg gewesen.

Im Interview erzählen sie, warum sie ihre eigenen Platten nicht verstehen, Stevens Soloalbum wie Prince klingen wird und Laura-Mary als Riot Grrl Anhängerin auf Macho-Bands steht.

Es gilt übrigens zu erwähnen, dass dies ein stark editiertes Script ist. Denn neben ihren Fähigkeiten an Gitarre und Schlagzeug, sowie ihrem gemeinsamen Wechselsgesang, haben Blood Red Shoes noch mindestens ein weiteres Talent: Reden. Viel Reden.

Im Vorfeld war zu hören, dass die atmosphärische, dunkle Stimmung auf „Fire Like This“ daher kommt, dass ihr große Twin Peaks Fans seid und die Serie einen großen Einfluss auf das Album genommen hat.

S:“Es ist nicht so, dass das Album hauptsächlich von Twin Peaks beeinflusst ist. Ich habe sogar gelesen, das Ganze sei als eine Art Konzeptalbum zu verstehen. So ist das keinesfalls gemeint. Aber ja, wir gucken sehr viel Twin Peaks und es sind auch einige Referenzen auf Fire Like This zu finden.“

L-M:“It Is Happening Again ist beispielsweise der Titel einer Folge aus Twin Peaks, aber der Song hat ansonsten nichts mit der Serie zu tun. Wir hielten das nur für einen guten Songtitel.“

S: „Laura Palmer, deren Mord in Twin Peaks aufgeklärt werden soll, kommt aus dieser dunklen, psychotischen Welt und an einer Stelle gibt es diese Zeile: „When this kind of fire starts it’s very hard to put out“ und der Satz hat auf irgendeine Art und Weise mit unsere Band geklickt. Die anderen lyrischen Anspielungen auf Feuer waren nicht geplant, die sind einfach so passiert. Wenn man eine gewisse Verbindung in seiner Band hat, ist das machmal schwierig anzuhalten. Das ist wie eine Energie, über die man keine Macht hat, ein Zwang, den man nicht kontrollieren kann, ein Feuer, das kaum zu löschen ist. In dem Sinne hat Twin Peaks unser neues Album und auch dessen Titel beeinflusst.“

Könnt ihr für Euch selber ausmachen, inwieweit ihr bei Fire Like This andere Einflüsse hattet, als bei Box Of Secrets?

S:“Wir hören seitdem wir das erste Album gemacht haben, deutlich mehr Classic Rock. AC/DC zum Beispiel.“

L-M:“Ja, aber abgesehen davon, mögen wir nach wie vor die gleiche Musik. Wir haben mittlerweile einfach einen ganz anderen Blickwinkel, als wie zu der Zeit, zu der wir das erste Album geschrieben haben. In den letzten zwei Jahren, haben wir gefühlt jeden Fleck auf dieser Erde besucht. In Wahrheit natürlich nicht. Aber einfach durch das ganze Reisen und die ganze Erfahrung, die man mit nimmt und Eindrücke, die verarbeitet werden wollen, wird eine Album einfach beeinflusst. Ob man will oder nicht.“

S:“Die Sache ist ja so, im Grunde verstehen wir unsere Alben selber nicht. Wir denken nicht wirklich viel nach, über die Musik, die wir machen. Wir wissen einfach, wenn sich etwas richtig und wenn sich etwas falsch anfühlt und lassen uns davon mehr leiten, als von allem anderen. Man fängt im Grunde erst dann an, über die Songs nachzudenken, wenn man Interviews gibt und nach Details gefragt wird, was auf der einen Seite unglaublich verwirrend ist, weil du anfängst Sachen zu erklären, über die du gar nicht nachgedacht hast, als du sie gespielt hast, aber dir anderseits die großartige Möglichkeit gibt, etwas über deine eigene Platte zu lernen.“

Während bei Box Of Secrets jeder Song relativ schnell zum Punkt kommt, ist Fire Like This eher ein Album, das am Stück gehört werden muss, damit es seine Wirkung am besten entfaltet. Inwieweit war es einfach ein natürlicher Prozess, dass die Songs epischer, sphärischer und härter klingen und inwieweit war das beabsichtigt?

L-M:“Bis zu einem gewissen Punkt war das schon beabsichtigt. Wie gesagt, wir denken oder beabsichtigen nicht allzuviel, wenn wir Musik schreiben, aber wir wollten definitiv ein härteres Album machen und wir wollten definitiv, dass es sich von Box Of Secrets unterscheidet. Wir wollten, wie du schon richtig gesagt hast, diesmal eher ein Album, ein Gesamtwerk haben, als eine Sammlung von Singles. Wir wollten, dass das Ganze sich wie eine Art Reise gestaltet.“

S:“Box Of Secrets bestand im Grunde einfach nur aus unserem damaligen Live Set und zwei Songs, die wir geschrieben haben, kurz bevor wir ins Studio gegangen sind. Bei diesem Album hatten wir einfach mehr Zeit, was uns auch die Möglichkeit gab, kritischer zu sein und manche Songs doch nicht mit aufs Album zu nehmen.“

L-M: „Manche Songs passten einfach nicht zu der Stimmung des Albums. Und dass dieses Album härter klingt hat auch damit zu tun, dass wir bemerkt haben, dass das ein wichtiges Element von uns ist, dass wir bisher nicht geschafft haben auf unseren Aufnahmen einzufangen. Live waren wir schon immer sehr viel härter. Man könnte sagen, dass Fire Like This vom Sound her, näher an unserer Live-Show ist, als alles, was wir jemals zuvor aufgenommen haben.“

Habt ihr festgestellt ob und in inwiefern sich euer gemeinsames Songwriting entwickelt hat? Damit spreche ich nicht unbedingt von der Qualität sondern eher vom Schreiben an sich, vom Prozess sozusagen, der zwischen Euch stattfindet.

S:“Es ist auf jeden Fall so, dass wir da sehr hineingewachsen sind. Dadurch, dass wir nur zu zweit sind und soviel getourt haben, hat das auf jeden Fall dazu beigetragen, dass wir den jeweils anderen deutlich besser verstehen.“

L-M: „Wir haben mittlerweile eine bessere Vorstellung davon, wie wir das Beste auseinander rausholen.“

S: „Der grundlegende Prozess ist der Gleiche. Es fängt immer mit Improvisation an, aber wir sind nachdenklicher geworden, was unsere Songs angeht. Vorher war es so, dass es uns hauptsächlich um diese instante, augenblickliche Energie ging. Sobald ein Song diese hatte, war das für uns schon mehr als die halbe Miete. Jetzt ist es so, dass wir die Songs mehr auseinander nehmen, mehr auf Details achten und sie gegebenenfalls überarbeiten. Aber zwischen uns hat sich nichts gravierendes verändert, außer vielleicht, dass wir nicht mehr versuchen alles gemeinsam zur gleichen Zeit zu spielen, sondern auch mal einer von uns einen Song anführt, wenn man das so sagen möchte und der andere folgt. Somit hat dieses Album gleichzeitig mehr von einem Band-Album, als auch mehr von uns selbst jeweils. Wenn das Sinn macht.“

L-M: „Steven möchte seit diesem Album übrigens bevorzugt Pophits schreiben!“ (lacht)

S: „Ich kann mir das selber nicht erklären! Wie schreibt ein Schlagzeuger Pophits? Eigentlich will ein Schlagzeuger doch einfach nur auf seine Drums eindreschen, aber irgendwie war ich derjenige, der versucht hat, aus jedem Song einen Pophit zu machen und Laura diejenige, die mich andauernd bremsen und erstmal einen zwei-minütigen Gitarren-Noise-Part zum Ausgleich einstreuen musste. Eines Tages wird Laura eine instrumentale Platte machen – voller Gitarrenkrach – und ich mache ein Album wie….Prince!“

Steven, du hast über euer neues Album gesagt, es sei „a rock record with real heart – no macho crap“. Warum glaub ihr, gehen Rockmusik und „Macho Crap“ so oft einher?

S: „Ich weiß es auch nicht! Es muss einfach irgendwann geschehen sein, dass harte Gitarrenklänge assoziert wurden mit Musik….“

L-M:“….die ausschließlich von ‚echten Männern‘ stammt!“

S: „Ich finde zum Beispiel nicht, dass Black Sabbath sehr macho ist. Dann eher so Sachen wie Pearl Jam. Seit den 80ern und dem sogenannten Cock Rock ging es plötzlich nur noch um das männliche Ego und Prahlerei, und das ist echt eine Schande!“

L-M: „Das sehe ich ganz genauso. Aber komischerweise mag ich Guns n Roses. Und Queens Of The Stone Age sind eine meiner absoluten Lieblingsbands. Eigentich bin ich eher in Riot Grrrl Sachen verwurzelt – Babes In Toyland, Hole – aber seit ein paar Jahren höre ich plötzlich auch wieder Männer-dominierte Musik, ich weiß nicht genau, wie das passiert ist.“

S:“Was ich mit dem Zitat, das du angeführt hast, sagen wollte, war dass es bei Rockmusik zu oft darum geht, bloß keine Verletzlichkeit, Unsicherheit oder generell irgendeine Emotion zu zeigen, denn leider leben wir in einer Gesellschaft, die das als wenig männlich, sondern im Gegenteil als weiblich und somit natürlich schwach bezeichnen würde. Es geht nur darum zu zeigen, wie toll man selber ist – Ego-Rock. Und um sowas scheren wir uns auf Fire Like This nicht.“

Werden denn, in euren Augen, aktuell überhaupt noch gute Rock-Alben veröffentlicht?

L-M: „Selten. Ich mag aber zum Beispiel Them Crooked Vultures. Die habe ich auch gestern Abend zum Einschlafen gehört.“

S: „Du hörst Dir Them Crooked Vultures an, wenn du einschlafen willst? Du bist doch total verrückt.“

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