Rezensionen

Young Man – Vol. 1

Young Man - Vol. 1

Unglaublich, mehr als zwei Jahre ist es jetzt schon her, dass wir euch den jungen Amerikaner Colin Caulfield und dessen Projekt Young Man vorstellten. Damals veröffentlichte er die EP „Boy“ und jetzt folgt auch endlich das Debüt-Album, das er zu großen Teilen auch schon 2009 geschrieben hat. Der Titel könnte vielversprechender nicht sein, denn „Vol. 1“ deutet recht klar darauf hin, dass man hier den ersten Schritt im künstlerischen Schaffen eines Musikers erlebt, auf den noch viel folgen soll.

Genau genommen ist es trotz der Bezeichnung als „Vol. 1“ bereits das zweite Kapitel einer Trilogie, die mit „Boy“ begann und sich mit der Jugend beschäftigt. Aufgrund des Nachnamens, den Colin mit dem Hauptdarsteller aus „Der Fänger im Roggen“ von J.D. Salinger gemeinsam hat, und in dem es ebenfalls um die Tücken und Verwirrungen des Erwachsenwerdens geht, hat der deutsche Rolling Stone dann auch gleich die Literatur-Keule geschwungen und Roman sowie Young Man auf Gemeinsamkeiten abgeklopft und gleich erfahren, dass Colin den Roman „nicht sonderlich“ mag. Relativierend sagt er aber noch: “ Irgendwo kann ich mich auch mit ihm [Holden Caulfield] identifizieren. Ich denke jeder kann das.“

Im Gegensatz zum leicht großkotzigen, einzelgängerischen, dauergenervten Teenager aus Salinger’s Roman zeigt sich Colin Caulfield auf „Vol. 1“ mit kompletter Band eher gesellig und mit ruhigen, wohl überlegten und sorgfältig artikuliertem Blick auf die Jugend alles andere als genervt. Die Stücke zeigen vor allem eine Eigenschaft, die der berühmten Romanfigur abgeht, nämlich Geduld. Die steckte Caulfield nämlich offensichtlich in die Arrangements und schmückte seine Stücke teilweise bis auf knapp 8 Minuten aus. Die Länge deutet es auch schon an, die Songs entwickeln sich langsam, fordern Geduld und Aufmerksamkeit vom Hörer und belohnen das mit melancholischen Arrangements, in die man sich fallen lassen kann. Die Songs fließen gemächlich ineinander und tänzeln häufig mit sphärischer Stimmung aus den Boxen. Das klingt vielleicht im ersten Moment nicht wirklich aufregend, aber für sich bietet das Album jede Menge kleine Glanzstücke, die den sanften Pop von Young Man wunderbar erstrahlen lassen.

Young Man auf Tour

02. Juni 2012, Berlin, Roter Salon (+ Kill All Hipsters Party)
03. Juni 2012, Köln, Studio 672
04. Juni 2012, Frankfurt, Ponyhof

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