Rezensionen

Woman’s Hour – Conversations

Woman's Hour - Conversations

Seit The XX vor fast genau fünf Jahren ihr schlicht „XX“ betiteltes Debüt veröffentlichten, kommen quasi im Halbjahres-Takt Newcomer-Bands auf, die von der Presse und gern auch mal ihren Labels, den Stempel „die neun The XX“ aufgedrückt bekommen. In diesem Jahr gab es da zum Beispiel Arthur Beatrice, die mit kühler Stimmung, dumpfen Bässen und luftiger Instrumentierung für ihr Debüt „Working Out“ diesen Titel erhielten. Mit Woman’s Hour veröffentlicht nun eine weitere Band aus England ihr Debüt, die sich die gleichen Vergleiche anhören darf.

Das Quartett hat sich nach einer seit 1946 ausgestrahlten BBC Sendung benannt, die immer noch auf BBC Radio 4 läuft. Neben einem musikalischen Konzept, für die das Label Secretly Canadian natürlich The XX als Referenz heranzieht, haben sich Woman’s Hour auch ein visuelles Konzept überlegt, das mit einfachen Formen und monochromer Farbgebung ebenfalls an die Londoner Indie-Größen erinnert. Umgesetzt werden die Visuals der Band in Zusammenarbeit mit den von TATE und MOMA ausgezeichneten bildenden Künstlern Oliver Chanarin und Adam Broomberg.

Im Mittelpunkt steht aber natürlich die Musik, denn auch wenn das Spiel mit einfachen Farben und Formen einen gewissen Charme hat, am Ende hört man aber die Platte viel häufiger ohne Unterstützung durch die Visuals des Quartetts. Und die Musik von Woman’s Hour kann dann glücklicherweise auch sehr gut für sich allein stehen und besitzt auch genug Eigenständigkeit, um den Stempel „die neuen The XX“ wegzuwischen. Ähnlich, wie ihre Visuals ist der Sound von Woman’s Hour klar geformt und strukturiert. Die Stücke sind extrem luftig instrumentiert. Kühle Bässe und irisierende Gitarren- und Synthieflächen wabern durch den Raum und werden getragen vom gefühlvollen Gesang von Frontfrau Fiona Burgess. Sie hat eine wundervolle Wärme in der Stimme und webt den kühlen Stücken durch ihren fein akzentuierten Stimmeinsatz einen warmen Lebensfaden ein, der den Stücken eine schillernd sommerliche Note und eine gewisse Intimität verleiht. Damit gelingt Woman’s Hour dann auch das Kunststück mit eigentlich kühlen, in sich ruhenden Songs eine positive Euphorie beim Hörer auszulösen. Womit das Quartett spätestens das Etikett „neue The XX“ los ist.

Woman’s Hour auf Deutschland-Tour

21. Oktober 2014, Hamburg, Molotow Exil
22. Oktober 2014, Berlin, Berghain Kantine

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