Rezensionen

Wild Flag – Wild Flag (s/t)

Ich hatte bisher noch nie eine Lieblingsband, die ich schon eine solche nannte, bevor ich jemals einen Ton von ihr gehört hatte. Seit Carrie Brownstein vor etwas über einem Jahr verkündete, dass sie eine neue Band hat, habe ich wenn ich nicht gerade gegessen oder geschlafen habe, der Veröffentlichung des Wild Flag Albums entgegengefiebert. Übertreibungen nicht ausgeschlossen.

Brownstein selber hat früher in Sleater-Kinney gespielt, genau wie Janet Weiss, die außerdem noch die Drumsticks bei Quasi und Pavement in den Händen hält – hat man die 90er nicht völlig verschlafen, kennt man Mary Timony von Helium, Rebbeca Cole hat schon bei The Minders gespielt und wenn sie noch einmal das Wort Supergroup hören, rollen sie wahrscheinlich mit den Augen. Mit allen 8.

„If you want to live, stop staring with your camera eye.“ Carrie Brownstein verteilt noch kurz Lebenstipps bevor sie ihrer Gitarre ein weiteres Mal den Hals bricht. Mit „Romance“, „Boom“ und vor allem „Racehorse“ bringt sie die ungestümeren Rocknummern des Albums zu Tisch. Vor allem letzterer Track sticht deutlich raus und ist neben „Future Crimes“ unumstrittenes Highlight. Doch Mary muss sich als zweite Frontfrau keinesfalls hinter Carrie verstecken, mit „Black Tiles“ und „Something Came Over Me“ liefert sie Nummern die anders aber auch gleichwertig und passender nicht sein könnten. Vielleicht ist es gerade das, was Wild Flag so interessant macht: Mit Brownstein und Timony haben sie zwei Frontfrauen die unterschiedlicher nicht sein könnten. Wo Brownstein musikalisch und textlich direkt zum Punkt kommt, setzt Timony kryptische Texte und verspieltere Gitarrenriffs dagegen. Zusammengehalten von Cole, deren Keyboard hier als Bass fungiert, und Weiss, werden Wild Flag zum magischen Quartett.

Wüsste man es nicht besser, würde man vermuten, dass sich hier 4 unverbrauchte Musikerinnen frisch zusammengefunden haben um ein solides, eingängiges Rockalbum ein zu spielen. Druck? Nie gehört. Erwartungshaltungen? Wen interessierts. Die Songs auf ‚Wild Flag‘ wollen nicht kompliziert sein, sie wollen nichts beweisen oder festigen und genau deshalb schaffen es Wild Flag so zu klingen als hätten sie niemals in einer anderen Band gespielt. Das hier ist kein neues Sleater-Kinney Album und es klingt schon garnicht wie Helium. Wer mit dieser Hoffnung an „Wild Flag“ herangeht, wird enttäuscht werden, alle anderen können sich über ein gelungenes energie-geladenes Indie-Rockalbum freuen an dem man hoffentlich noch lange Freude hat. Wild Flag, you ARE rock ‘n‘ roll fun.

05.02.12 Köln, Gebäude 9
07.02.12 Hamburg Uebel & Gefährlich
08.02.12 Berlin, Lido


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