Rezensionen

Wild Beasts – Two Dancers

Wenn Wild Beasts so etwas wie einen USP haben, dann ist der wohl die Stimme von Sänger Hayden Thorpe, der sich ähnlich eines Antony Hegarty in entrückte Höhen schwingt. Im Gegensatz zum Kopf von Antony and The Johnsons steht Thorpe mit dieser Stimme aber schon im zarten Alter von 23 Jahren im Fokus der musikinteressierten Presse, bei Hegarty dauerte das bis zu seinem 34ten Lebensjahr. Gut, dass Thorpe da eine Band hat, die in ihren Kompositionen das Talent des Sängers gekonnt einzusetzen weiß. Vergleiche mit Antony and The Johnsons sind bei den Wild Beasts allerdings so müßig, wie etwa bei Stimmwunder Scott Matthew, denn letztlich treffen sie auf das Schaffen der Band nur wenig zu.  

Allein schon, weil die Wild Beasts mit dem kammermusikalischen Kunstgestus eines Antony Hegarty wenig gemein haben. Die spielen lieber ihre Interpretation moderner Popmusik. Popmusik mit elektronischen Einspielungen, Indieeinsprängseln und einem gewissen Hang zur Extravaganz, der wiederum im Zusammenspiel von Thorpe und seinem sängerischen Gegenpart in Form von Bassist Tom Fleming begründet liegt. Da zeigt sich auch das große Talent der Band für überraschende Strukturen, etwa wenn Thorpe in „All The King’s Men“ schrill jault und Fleming das mit seiner tiefen Stimme konterkariert. Der vor sich hin tänzelnde Rhythmus des Songs und der Chor, der den ganzen Song begleitet machen den Songs zu einem der stärksten des Albums. Auch die Vorabsingle „Hooting & Howling“ darf als einer der Hits des zweiten Albums bezeichnet werden. Langsam entwickelt sich hier ein großartiger Barock-Popsong mit mitreißender eingängiger Melodie und kurzweiliger Struktur. Nach diesen Mid-Tempo Nummern sind es im weiteren Verlauf des Albums besonders die langsameren Stücke, die überzeugen können, dann nämlich wenn Thorpe Raum hat seine Stimme zu entfalten. Dabei drängt er sich allerdings nie zu sehr in den Vordergrund, denn ohne die passende Barock-Pop-Instrumentierung wäre das Album nicht denkbar und vielleicht nur ein kammermusikalischer Abklatsch von Antony and The Johnsons. Den braucht aber keiner (darf gern zweideutig verstanden werden), das wussten auch Wild Beasts und legen mit „Two Dancers“ lieber eines der modernsten und unterhaltsamsten Pop-Alben des Jahres vor.

Rating: ★★★★★
Wild Beasts

Video zu „Hooting & Howling“

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