Rezensionen

White Lies – Big TV

White Lies - Big TV

Mittlerweile vier Jahre ist es jetzt schon her, dass die Londoner von White Lies ihr Debüt „To Lose My Life or Lose My Love“ veröffentlichten. Schon damals war klar, bei dem Trio ist alles etwas größer. Die Gitarrenwände sprangen einen ebenso an, wie der überbordende Pathos und die großen Gesten der Band. Das störte jedoch nicht, da die Band auch ein Gespür für Timing, Melodien und eingängige, spannende Songs zeigten. Stärken, die sie aber bereits bei ihrem Zweitwerk „Ritual“ vergessen hatten. Das Album zeigte sich zwei Jahre nach dem Debüt nur als müde Abklatsch des Debüts. Das Trio beschränkte sich nun aber ausschließlich auf große Gesten und vergaß dabei sich interessant und spannend zu zeigen. Stattdessen wurde ein Post-Punk / Wave-Song an den nächsten gereiht und in Songs für das Mainstreamradio verpackt. Die Presse dankte es mit zahlreichen Verrissen und die Fans mit schlechteren Absatzzahlen. Noch einmal zwei Jahre später steht jetzt mit „Big TV“ das nächste Album der White Lies in den Startlöchern. Und das Adjektiv, mit dem sich der Sound wieder einmal beschreiben lässt, liefert das Trio gleich im Albumtitel mit, denn wieder einmal ist alles ganz groß.

Dass die White Lies nie die Band für filigrane Töne sein werden, war ja auch irgendwie klar. Und so gibt es wieder düstere Lyrics mit großen Worten, riesige Gesten in der Musik, sowie zahlreiche Synthie-Teppiche und Gitarrenwände. Das ganz große Kino / Fernsehen, das im Titel angekündigt ist, ist „Big TV“ dann aber nicht wirklich. Das Trio beschränkt sich darauf Hymnen für Stadien zu schreiben und scheint dabei vergessen zu haben, dass zu wahrem Songwriting auch ein wenig Kreativität und Individualität gehört. So reiht die Band ein Post-Punk-Zitat an das nächste und zeigt einen Querschnitt des Breitwand-Rock der 80er Jahre. Jede Idee wird hinter einer Hochglanzfassade aus Synthies und großen Gitarren versteckt. Das macht die Songs zu klebrigen 80ies Revival-Hymnen, die schnell offenbaren, dass sich hinter den großen Gesten wenig Substanz verbirgt und White Lies nicht nur keine Band für die Ewigkeit, sondern nicht einmal eine für den Moment sind. So schnell die 45 Minuten Spielzeit von „Big TV“ vorbei ziehen, so schnell ist das Album auch vergessen, es bietet keine Anküpfungspunkte oder herausstechenden Songs. Es gefällt sich in seiner Eintönigkeit und zeigt eine Band, die selbst als Interpol mehr begeistern könnte, als mit ihren Eigenkompositionen.

White Lies live

09. November 2013, Köln, Live Music Hall
11. November 2013, Frankfurt, Gibson
12. November 2013, München, Theaterfabrik
27. November 2013, Hamburg, Große Freiheit

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Discussion

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    Posted by WhiteTapes Record Of The Year 2013 – das Ergebnis | WhiteTapes | Januar 1, 2014, 2:07 pm

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