Rezensionen

Münster, 16. September 2015: We Were Strangers – Teilchen & Beschleuniger // William Ryan Fritch – SpecOps

Es ist schon ein Weilchen her, dass das Konzertprogramm in Münster ein Highlight nach dem anderen bot. Seitdem das Amp seine Konzertanzahl drastisch reduzierte und das Booking im Gleis 22 eine leicht andere Ausrichtung bekam, hatten wir seltener das Vergnügen, uns Konzerte in unserer Heimatstadt anzusehen. Das hat sich zum Glück aber auch wieder geändert. Neben dem Teilchen & Beschleuniger, hat sich auch das Innenstadt-Café Pension Schmidt als Konzertlocation mit ausgesuchtem Booking etabliert. Hinzu kommen Veranstaltungsreihen, wie das AV Picknick und ( audiǝnce ), bei denen Künstler in verschiedensten Locations in Münster tolle Konzerte geben. Bei dieser Auswahl an Veranstaltungen, war es mittlerweile nur eine Frage der Zeit, bis auch einmal Termine kollidierten. So geschehen als Stefan Melbourne alias We Were Strangers und William Ryan Fritch am gleichen Tag in Münster auftraten. Die Veranstaltungszeiten waren jedoch so gewählt, dass uns der Spagat gelang und wir beide Künstler sehen konnten.

We Were Strangers

Der Abend begann im Teilchen & Beschleuniger, wo We Were Strangers den dritten Termin einer umfangreichen Deutschland-Tour bestritt. Bereits im Vorfeld hatten sich mehr als 100 Facebook-Nutzer für das Event eingetragen und so war das kleine Café, in der Nähe des Bahnhofs, bereits eine Stunde vor dem Konzert brechend voll, weshalb einige Besucher auf Bierkisten oder dem Boden Platz nehmen mussten. Neben den drei Songs der ersten EP „Before“, spielte Stefan in seinem Set auch neue Stücke, sowie einiges seiner Solo-EP „The Way We Fall“, die er im letzten Jahr veröffentlicht hatte.

Es gelang ihm eine dichte Atmosphäre zu erschaffen, in der das gesamte Publikum vollständig aufging. Durchaus eine Leistung für einen so jungen Musiker, da es bei Künstlern mit derart ruhigen Songs, in denen es viele luftige Gitarrenpassagen und gehauchte Gesangsmomente gibt, leider häufiger vorkommt, dass sich Teile des Publikums lieber ihren Privatgesprächen widmen, als der Musik zu lauschen. Nicht so bei We Were Strangers.

Bei Stefan’s Songs warteten die Besucher sogar bis in die Songpausen, um die Stücke nicht durch das Klimpern von Gläsern und Tassen zu stören. Auch für den Sänger selbst schien es ein besonderer Abend. Da er nicht mit einer solchen Resonanz gerechnet hatte, wurde er nicht müde zu erwähnen, wie stolz es ihn macht, dass so viele Menschen extra für ihn gekommen seien und dann auch noch so gebannt seinen Songs lauschen. So verzauberte er das Teilchen & Beschleuniger etwa eine Stunde lang mit seinen Songwriter-Stücken, in denen er mit wenigen Mitteln und leichten Anleihen von Neil Young (von dem er auch ein Cover vortrug), Ryan Adams und Elliott Smith eine berührende Stimmung erzeugte.

We Were Strangers

Auf We Were Strangers folgte nur eine halbe Stunde später William Ryan Fritch bei einem ( audience ) Konzert im 550 m entfernten SpecOps. William Ryan Fritch ist ein kalifornischer Musiker, mit einer deutlich anderen musikalischen Ausrichtung als We Were Strangers. William arbeitet vor allem als Komponist für Filmmusik und macht elektronische Musik, mit allerlei experimentellen Sounds, die von warmen Klängen verschiedener Gitarren und Striechinstrumente durchmischt werden. Seit 2006 hat er mittlerweile sechs Alben unter seinem Namen veröffentlicht, drei Alben als Vieo Abiungo und drei weitere Alben mit Sole and the Skyrider Band. Für seinen Auftritt im SpecOps hatte William Ryan Fritch neben einer Western-Gitarre jede Menge Synthies und ein Bassettl (einer Art Lern-Kontrabass für Kinder) aufgebaut. Seine Stücke baut er mit diversen geloopten Klängen aus den verschiedenen Instrumenten auf und erzeugt auf diese Art dichte Klangteppiche, die nur selten von Gesang begleitet werden. Bei den meisten Stücken konzentrierte sich William darauf, in bester DJ-Manier, die Klangflächen aufzutürmen und diverse Sounds zu erzeugen, die er nach und nach mischte, um sie in die Stücke einzuflechten. Ein ziemlich experimenteller Ansatz, der dem Publikum eine gewisse Konzentration abverlangte.

Gerade der Einsatz des Bassettl, mit seinem warmem Klang und die Gitarrenpassagen, erzeugten eine besondere Stimmung. Die Momente, in denen das Set durch etwas traditionellere Songwriter-Stücke durchbrochen wurde, zeigten die einzigartige Note der Musik von William Ryan Fritch. Sein Set dauerte ebenfalls etwa eine Stunde und wurde mit einem Song als Zugabe beendet, während der man es, wie auch zuvor im Teilchen & Beschleuniger, klimpern hörte, als der Hut zur freiwilligen Spende an den Musiker durch die Reihen ging. Alles in Allem ein toller Konzertabend in Münster, bei dem Konzertkollisionen zu durchaus positivem Stress führten.

Fotos: Ariane WhiteTapes

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