Rezensionen

We Were Promised Jetpacks – In The Pit Of The Stomach

We Were Promised Jetpacks

Etwas mehr als zwei Jahre ist es her, dass vier junge Schotten ihre Schülerband professionalisierten, sich von Biffy Clyro, Frightened Rabbit, The Twilight Sad, Idlewild und Mogwai inspiriert auf Einladung ihres Labels Fat Cat in ein Studio begaben und dort live ihr Debüt einspielten. Das hörte auf den Titel „These Four Walls“, die Band auf den Namen We Were Promised Jetpacks. Die Jungs trafen damit voll den Nerv der Zeit und spielten ausverkaufte Tourneen in Großbritannien, auf dem europäischen Festland und in Amerika. Der ungestüme Indie-Rock, der in den richtigen Momenten innehält und auch einmal in atmosphärische Post-Rock-Gefilde abdriftet wusste einfach alles zu bieten und machte We Were Promised Jetpacks zu den neuen Helden der schottischen Musikszene.

Nur ein wenig mehr als ein Jahr nach dem Debüt und dem unerwarteten Erfolg wurde den Jungs auch schon die Möglichkeit geboten Album Nr. 2 einzuspielen. Also verschwanden sie gegen Ende des letzten Jahres nach Island ins Studio von Sigur Ros, um dort in aller Ruhe „In The Pit Of The Stomach“ einzuspielen. Dieses Mal nahmen sie sich richtig Zeit und gingen engagiert zu Werke. Alle Tonspuren spielten sie einzeln ein, da sie mit dem Ergebnis des Live-Einspielens beim Debüt alles andere als zufrieden waren. Gegen Anfang diesen Jahres kam die Band dann stolz und zufrieden nach Hause zurück und wollte den Release vorbereiten. Leider kam die Krebserkrankung von Gitarrist Michael Palmer, mit der er sich die erste Hälfte des Jahres rumschlagen musste. Aus diesem Kampf ging er glücklicherweise als Sieger hervor und so konnten er und die anderen drei Jetpacks nun den Release des Albums, das sie „In The Pit Of The Stomach“ tauften, angehen.

Ab der ersten Minute merkt man der Band an, dass sie gereift ist. Was ihnen verdammt gut tut. Andere Bands hätten naiv da weitergemacht, wo sie auf dem Debüt aufhörten, noch stärker auf die Erfolgsfaktoren des Erstlings gebaut und versucht den Erfolg möglichst einfach noch einmal zu wiederholen. Dieser Weg schien We Were Promised Jetpacks aber anscheinend nicht erstrebenswert. Statt auf direkte Hits, wie „Ships With Holes Will Sink“, „Roll Up Your Sleeves“ und natürlich „Quiet Little Voices“ schrieben sie lieber sich langsam entwickelnde, teils sperrigere Rocksongs mit deutlich härterem Anstrich.

Bereits der Opener „Circles and Squares“ brettert dann schon ordentlich los. Der Song ist laut, schnell und zeigt die ganze Wucht der Band. Das, was sie in der Folge bieten ist bis auf einige ruhigere Bridges in den Stücken schon ein wahres Rockbrett mit massiven Breitwand-Gitarren. Das große Tempo unterbrechen die Jungs nur, um an ein paar Stellen die Stücke ein wenig atmosphärisch auszuarbeiten, wie sie es auf dem Debüt bei „Keeping Warm“ schon so herrlich gemacht haben. Diese Momente des Innehaltens sind aber doch eher selten und so ist „In The Pit Of The Stomach“ vor allem eines: laut!

Das gesamte Album ist bei aller Wucht und Freude am gereiften abrocken derlei laut produziert, dass man kaum feine Nuancen in den Stücken wahrnehmen kann. Das Zusammenspiel von laut und leise, dass ihre Labelmates von The Twilight Sad in ihrer düsteren Mischung aus Shoegaze und Post-Rock perfekt beherrschen und in packenden Rocksongs bündeln, müssen We Were Promised Jetpacks noch üben. Gerade was den Gesang betrifft müssen sie noch lernen, dass es mehr als eine Art zu singen gibt und man nicht über 47 Minuten Albumlänge eine Stimmung beibehalten muss.

Dennoch, „In The Pit Of The Stomach“ ist ein verdammt reifes Rockalbum, auf dem die jungen Schotten ihrem Songwriting eine neue Richtung gegeben haben und sich gegen den sicheren Weg entschieden haben. Das verdient Respekt und den werden sie sicherlich in Form von weiterhin wachsendem Erfolg erfahren. Insbesondere live, wo sich die Songs bereits auf der Fat Cat Tour im September als wahre Kracher erwiesen.

We Were Promised Jetpacks auf Tour:

24. Januar, München, 59:1
26. Januar, Dresden, Beatpol
27. Januar, Frankfurt, Das Bett
28. Januar, Münster, Sputnik Halle
29. Januar, Rostock, Zwischenbau
31. Januar, Bremen, Lagerhaus

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