Rezensionen

WATERS – Out In The Light

Es muss wohl irgendwann 2010 gewesen sein, als Van Pierszalowski merkte, dass sein Projekt Port O’Brien, das er gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Cambria Goodwin und einigen Freunden betrieben hatte für ihn keine Perspektive mehr hat. Die Begründung dafür hatte die Band auf ihrem Album „Threadbare“ in Albumlänge verarbeitet. Cambria’s Bruder kam bei einem Autounfall ums Leben und Tod und Trauer lagen fortan wie ein Schatten über der Band, der nun über allem lag, was sie gemeinsam anfassten. Van ertrug das irgendwann nicht mehr und suchte Befreiung.

Die ersehnte er sich in Oslo, wo bereits Teile von „Threadbare“ aufgenommen wurden und er auch eine neue Liebe fand. Der Neuanfang war für Van gleichbedeutend mit einer Rückbesinnung auf das, womit seine Leidenschaft für die Musik begonnen hat. Rockmusik von Bands wie Dinosaur Jr., Sonic Youth und Nirvana. Letztere mussten dann auch gleich mit „In Utero“ Pate für die Drumparts seines neuen Albums stehen. Den Folk redet Van zwar gerne klein, so ganz verschwunden ist er aus seiner Musik jedoch nicht. Aber erst einmal rockt er wirklich fröhlich drauf los. „For The One“ ist astreiner Indie-Rock, der mit voller Wucht voranprescht. Keine Spur von Fischer-Romantik. Allerdings kommen schon bei „O Holy Break Of Day“ Vergleiche mit Port O’Brien auf. Der Folk-Einschlag in der Midtempo-Rocknummer ist nicht zu verleugnen und man kommt nicht umhin zu denken, dass der Song ebensogut zwischen Stücke wie „Stuck On A Boat“ und „Fisherman’s Son“ auf „All We Could Do Was Sing“ gepasst. Der Unterschied besteht nur darin, dass es zwischen den lauten wuchtigen Refrains jetzt auch Gitarrenriffs und -soli gibt. Einen ruhigen Folk-Balladen-Moment gibt es dann auch noch. Und zwar mit „Ones You Had Before“, einem ruhigen Stück, das auch auf „Threadbare“ gepasst hätte.

Die Folk-Momente sind jedoch wirklich die Ausnahme und der Großteil ist gut gemachter Indie-Rock, der eine gekonnte Mischung zwischen wuchtig krachigen Momenten und Melodieseligkeit darstellt. Dabei erschafft Van auch ganz große Momente, wie etwa das famose „If I Run“, das sich nach introvertiertem Beginn zu einem mitreißenden Rocksong entwickelt. Und wer bis zu diesem Zeitpunkt die Referenzen an Nirvana noch nicht wahrgenommen hat, der vergleiche einfach die Drums auf „Take Me Out To The Coast“ mit denen auf Nirvana’s „Scentless Apprentice“. Seine Heimat und die von ihm bekannten Themen haben Van übrigens auch nach Oslo begleitet und es auch auf „Out In The Light“ geschafft. Das liest man schon im Songtitel von „Take Me Out To The Coast“ und natürlich auch bei „San Francisco“, jene Stadt, die neben Alaska lange seine zweite Heimat war.

„Out In The Light“ macht es leicht den Folk-gewordenen Weltschmerz von Port O’Brien zu vergessen und bietet einen krachigen Neuanfang, der mit viel Inbrunst vorgetragen wird.


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Discussion

  1. […] Jahre ist es her, dass der Amerikaner Van Pierszalowski mit WATERS sein erstes Solo-Album “Out In The Light” veröffentlichte. Nach den beiden Port O’Brien Alben “All We Could Do Was Sing” […]

    Posted by WATERS – neuer Song “Got To My Head” im Stream | WhiteTapes | Februar 21, 2014, 10:21 am

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