Rezensionen

Warpaint – Warpaint (s/t)

Warpaint - Warpaint

Mal ehrlich, Warpaint ist doch eigentlich ein selten dämlicher Name. Er klingt aggressiv und beinahe nach Metal. Sieht man dann noch, dass die Band aus vier Frauen besteht rattern erst einmal die Klischees durch den Kopf und man stellt sich eine Girl-Punkband vor. So ging es uns vor vier Jahren beim ersten Kontakt mit der Band, als sie ihr Debüt-Album „The Fool“ veröffentlichten. Durch Zufall hörten wir dann dennoch einmal rein und stellten fest, Warpaint sind in etwa so Punk wie Muse Techno sind. Auf lange Sicht konnte uns der psychedelisch angehauchte Hypno-Pop der Band zwar dennoch nicht überzeugen, die Vorurteile waren jedoch erst mal ausgeräumt.

Vier Jahre ließ sich das Quartett jetzt seit dem Release zum Nachfolger des Durchbruch-Albums „The Fool“ Zeit. Den haben sie schlicht nach sich selbst benannt. Bei der Produzentenwahl ist auch schon erkennbar, dass die Band den Erfolg des Debüts nicht nur wiederholen, sondern gern auch noch eine Schippe drauflegen möchte, denn an den Reglern nahmen mit Flood und Nigel Godrich gleich zwei große Namen Platz.

Warpaint gründeten sich bekanntlich am Valentinstag vor zehn Jahren und damit ist auch nach wie vor eines der Hauptthemen der Band verbunden, nämlich die Liebe. Die besingt das Quartett auf „Warpaint“ in düsteren Soundgebilden mit oft hypnotischen Gesangsstrukturen. Das Produzentenduo Flood und Nigel Godrich sorgte für einen noch direkteren Sound, bei dem gerade die Rhytmussection noch stärker im Vordergrund steht. Das erzeugt eine düstere Grundstimmung wie einst bei Joy Division, auch wenn Warpaint sonst vom Sound nicht viel mit den Briten gemeinsam haben. Die Stücke des Albums schweben durch die Nacht und entfalten sich stets sehr langsam. „Wäre das neue Album der Band Warpaint richtig gut geworden, hätten die Stücke geklungen wie Schlaflieder für Ertrinkende.“ schreibt die RP dazu. Ein gewollt kreativer Vergleich, der natürlich totaler Unsinn ist, der aber nur eine von vielen hanebüchenen Metaphern ist, die derzeit in Reviews über die Band zu lesen ist. Von matt glänzenden Juwelen, Tagträumen auf Prozac und, einer klösterlichen Girl-Group ist dort die Rede. Das macht „Warpaint“ natürlich zu weit mehr als es ist. Zwar ist es ein durchaus gelungenes Album irgendwo zwischen Portishead und Cocteau Twins, die Heilsbringer der Rockmusik sind Warpaint deshalb noch lange nicht. Dafür besitzt das Album deutlich zu viele Längen und verschwimmt zu schnell zu einer homogenen Ambient- / Dreampop-Masse die auf lange Sicht nicht wirklich begeistern kann.


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