Rezensionen

Warpaint – The Fool

Ein Debüt, das an den Shoegaze Sound der frühen Lush oder Ride erinnert, 80er Goth psychedelisch neu interpretiert und dem Dreampop von Mazzy Star Tribut zollt.

Mit den hyptnotisierenden, elfenartigen, mehrstimmigen Gesängen in „Stars“, den kosmisch aber gleichzeitig eindringlichen Gitarren von „Elephants“ und der großartigen Halb-Cover-Halb-Eigenkreation Billie Holiday (die sich im Vorbeigehen kurz das Beste vom Motown Klassiker „My Guy“ klaut), hatten Warpaint schon mit der EP „Exquisite Corpse“ mehr als überzeugt.

Nachdem ursprünglich Schauspielerin Shannyn Sossamon hinter den Drums saß, sowie nach ihr Josh Klinghoffer, der dann als Gitarrist von den Red Hot Chilli Peppers abgeworben wurde, hält seit Herbst 2009 Stella Mozgawa bei Warpaint die Drumsticks in den Händen. In der LA-Szene schon seit allerspätestens 2008 bekannt, als sie „Exqusite Corpse“ bereits selbst veröffentlichen, bevor Manymal Vinyl sich 2009 der Sache annahm, sollte der Rest der Welt erst 2010 auf Warpaint aufmerksam werden:

Zwei Jahre, einen Rough Trade Plattenvertrag und ein NME Cover später steht „The Fool“ in den Läden und mit ihrem Debüt fordern Warpaint nicht nur einen Stück vom Kuchen, sondern gleich die gesamte Bäckerei. Was mit „Set Your Arms Down“ und „Warpain“ noch relativ zahm eingeleitet wird, findet mit Undertow seinen ersten Höhepunkt. „Now I’ve got you in the undertow“ sorgt dafür dass die seit Sekunde 1 bestehende Gänsehaut nochmal um mindestens 2cm anwächst.

Warpaint entführen in eine Welt in der alles sphärisch und schwebend scheint. Die Stimmen von Emily Kokal und Theresa Wayman wirken so schwerelos wie ihr Gitarrenspiel, die Basslinien von Jenny Lee Lindbergh, die manchmal mehr wie Melodie als Rhythmus scheinen, fließen mühelos in den Klangteppich mit ein, der von Stella Mozgawas präzisem Schlagzeugspiel zusammengehalten wird.

Dieses Album läuft mit Dir durch den Wald und flüstert Dir Geheimnisse ins Ohr.

Warpaint haben mit „The Fool“ ein Album gemacht, das über hippe Elektro Acts oder bärtige Genie-Singer/Songwriter Trends nur lächeln kann und sich durch seine eigene Atmosphäre und Klanglandschaft vermutlich in vielen Jahresbestenlisten 2010 wiederfinden wird.

Um mit einer Zeile aus der Vorab EP zu schließen: „Oh wonderful one, why are you like that?“ Oh Warpaint, zum Glück seid ihr so!

Rating: ★★★★½
Warpaint

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