Rezensionen

VOICST – A Tale Of Two Devils

Tulpen, Windmühlen, Deiche, billige Silversterkracher und flaches Land ohne jede Erhebung bis zum Horizont. Das ist wohl eines der Klischees über die Niederlande. Musikalisch wollte sich bei der kleinen Nation mit der Einwohnerzahl von Nordrhein-Westfalen bisher so recht noch überhaupt kein Klischee fest setzen. Der ein oder andere kennt vielleicht noch die Band Shocking Blue, die mit Love Buzz einen der Hits der 70er Jahre hatten und den Nirvana einst legendär coverten. Darüberhinaus sind im Moment vielleicht noch Moke erwähnenswert, die sich anschicken, die neuen Oasis zu werden. Wie Moke kommen auch VOICST aus Amsterdam, das ist aber auch schon beinahe die einzige Gemeinsamkeit, denn beim Sound tun sich doch deutliche Unterschiede auf.

Gut, die nächste Gemeinsamkeit wäre noch, dass beide Bands in ihrer Heimat bereits so etwas wie die Helden der Alternative- und Indie-Szene sind und ihre Alben sich auf Platz 1 der Charts wieder fanden. Dafür setzten VOICST alles auf eine Karte. Sie gingen, so erzählt es die Pressemeldung, nach New York, schnappten sich Produzent Peter Katis (Interpol, The National) und finanzierten sich die Aufnahmen darüber, ihre Kreditkarten immer weiter zu überziehen. Das ist natürlich typisch für Amerika und sollte deshalb eigentlich auch keine Überraschung darstellen. Zurück in der Heimat veröffentlichten sie das Album „A Tale Of Two Devils“ dann über ihr eigenes Label und gingen förmlich durch die Decke. Die Schulden dürften inzwischen wieder eingespielt sein, also wagt das Trio nun den nächsten Schritt, die Eroberung von Mitteleuropa, sprich Deutschland. Ein Schritt, der ihnen glücken könnte, denn ihr Sound präsentiert sich frisch und geht angenehm nach vorn. Der Opener „High As An Amsterdam Tourist“ schleicht sich langsam an und schmeichelt sich dann mit einem rockig eingängigen Refrain direkt ins Ohr. Ähnlich funktioniert „Feel Like A Rocket“, ein Song, der frech angreift und im Refrain wieder den Zucker auspackt. Hinzukommen im weiteren Verlauf immer weitere Spielereien mit Bläsern, Pianos und sogar einer Mundharmonika, was in der Gesamtsumme ein alles andere als langweiliges Rockalbum macht, das zudem noch so ganz anders als das der englischen, oder amerikanischen Indie-Rock-Kollegen ist. Stellenweise hätte es dann vielleicht noch ein wenig mehr Abwechslung sein dürfen, aber für die Indie-Disco sind dennoch genügend Kracher dabei. Und wer weiß, vielleicht verbindet man dann ja bald mit Krachern nicht mehr nur die billigen Schnäppchen zu Silvester.

Rating: ★★★★☆
VOICST

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