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Villagers – Where Have You Been All My Life?

Villagers - Where Have You Been All My Life?

Alte Songs im neuen Gewand. Eigentlich etwas, an das sich Musiker erst nach vielen Jahren im Business wagen. Das war zumindest früher mal so. Mittlerweile geht der Trend dahin, dass Bands auch schon nach zwei bis drei Alben ein MTV Unplugged spielen, Live-Alben veröffentlichen und eine Art Best-Of von Neuinterpretationen liefern. Auch der Ire Conor J. O’Brien geht hier mit dem Trend. Allerdings nicht aus dem Trend heraus, sondern aus ganz pragmatischen Gründen. Er bekam die Möglichkeit, in den Londoner RAK Studios einen Tag lang aufzunehmen, also entschloss er sich, seine Lieblingssongs aus seinen bisherigen drei Alben als Villagers in dem Gewand einzuspielen, in dem er sie seit dem Release „Darling Arithmetic“ live zum Besten gibt. Also in einem intimeren, rein akustisch gehaltenen Gewand, das sich deutlich von den ersten beiden Alben „Becoming A Jackal“ und „{Awayland}“ unterscheidet. Neben zehn Albumsongs, spielte er auch noch das Glen Campbell Cover „Wichita Lineman“ und das Stück „Memoir“ ein, das er 2011 für Charlotte Gainsbourg schrieb und 2012 als B-Seite zur Single „The Waves“ veröffentlichte (auch wenn Label und Medien derzeit gern verbreiten, dass er es für „Where Have You Been All My Life?“ erstmals selbst eingespielt hat).

Das neue Gewand macht sich bei den aktuellen Stücken, wie „Darling Arithmetic“, „Hot Scary Summer“, „The Soul Serene“ und „Courage“ kaum bemerkbar. Vor allem spürt man es bei den älteren Songs. „Set The Tigers Free“ vom Debüt „Becoming A Jackal“ hat nun fast einen Easy-Listening Charakter. Es strömt behutsam aus den Boxen und nimmt den Hörer langsam und bedächtig gefangen. Ähnlich schwelgerisch kommen auch „My Lighthouse“ von „{Awayland}“ und vor allem „That Day“ vom Debüt daher. Gerade letzteres hat eine starke Transformation erfahren. O’Brien zeigt sich hier elegant leidend. Der markante Ausbruch gegen Ende ist einem luftigen, beinahe meditativem Sound gewichen, der dem kalten Winterwetter eine wohlige Wärme entgegenstellt. Eines der stärksten Stücke ist bereits erwähntes „Memoir“. Durch die markante Basslinie und den teilweisen Sprechgesang, hebt sich der Song deutlich ab, fügt sich durch den organischen Sound jedoch problemlos in das Werk ein.

Die deutlichste Veränderung hat die Single „The Waves“ durchgemacht. Das dichte, rockige Stück ist nun auf sieben Minuten ausgedehnt und öffnet mit einer sich stark verdichtenden, zwei-minütigen Instrumentalpassage, die vom überraschend einsetzenden Gesang beendet wird. Bei der Live-Umsetzung im letzten Jahr kam dieser Einsatz schon einem Schrei gleich, für die Albumaufnahmen haben Villagers das etwas abgeschwächt. Die folgenden fünf Minuten zeigen, dass sich auch mit rein akustischer Instrumentierung ein druckvolles, dichtes Stück erzeugen lässt, bei dem gegen Ende ein kleines Klanggewitter auf den Hörer nieder schlägt.

„Where Have You Been All My Life?“ ist kein Must-Have für den „normalen“ Villagers Fan, jedoch sehr zu empfehlen für jeden, der die Band erst mit dem letzten Album kennengelernt hat und der sich in den ruhigen, warmen Klang der Liveumsetzungen verliebt hat. Oder eben für jene Villagers Fans, die die Band seit Beginn begleiten und für die ihre Plattensammlung ohne dieses kleine Schmuckstück einfach nicht vollständig anfühlen würde.

Villagers auf Deutschland-Tour

19. Februar 2016, Düsseldorf – Zakk
20. Februar 2016, München – Strom
22. Februar 2016, Berlin – Postbahnhof
23. Februar 2016, Frankfurt – Zoom

Interview // Facebook // Myspace // Label

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