Rezensionen

Villagers – Darling Arithmetic

Villagers - Darling Arithmetic

Sechs Jahre ist es jetzt schon her, dass der Name Villagers erstmals auf den Plan trat. Damals veröffentlichte die Band um Frontmann und Songwriter Conor J. O’Brien die Single „On A Sunlit Stage“. Ein reduziertes Stück Singer-Songwriter-Pop, das dem jungen Iren gleich Vergleiche mit Bright Eyes Mastermind Conor Oberst einbrachte. Kein Wunder, sind beide doch nicht allzu hochgewachsene Milchbubis mit dunkelbraunen Haaren, die über eine ähnliche Stimmlage verfügen. Vergleiche, die auch mit dem Debüt „Becoming A Jackal“ nicht abebben wollten. Dabei präsentierten Villagers hier inspiriert von der Hermann Hesse Erzählung „Narziß und Goldmund“ ein Album, auf dem sie die Grenzen des Folk mit allerlei Elementen aus dem Indie-Rock und weiteren Genres ausloteten, sodass es musikalisch doch recht weit von den Bright Eyes Werken entfernt war. Aber die waren nun einmal auch bekannt dafür, sich nicht wirklich in Genregrenzen aufzuhalten. Drei Jahre später bewiesen Kritiker dann auch, dass sie den Oberst-Vergleich mit aller Gewalt wollen, denn {Awayland}, das wie bereits das Debüt eine Nominierung für den Mercury Prize erhielt, zeigte mit Einflüssen aus Kraut- und Prog-Rock, dass Villagers musikalisch rein gar nichts mit Bright Eyes gemeinsam haben.

Mit „Darling Arithmetic“ erscheint nun das dritte Villagers Album und wieder hat O’Brien das Projekt neu erfunden. Dieses Mal größtenteils im Alleingang, denn da es sich um ein klassisches Trennungsalbum handelt, ist die Instrumentierung deutlich reduzierter und die Stimmung sehr intim. So rückt O’Brien mit dem Album in die Nähe anderer Trennungsalben, wie „Sea Change“ von Beck, oder „Blood On The Track“ von Bob Dylan, sowie „Pink Moon“ von Nick Drake. Alben, auf denen Künstler vieles von sich persönlich preisgaben und das O’Brien hier auch erstmals tut. Verletzlich singt er in „Soul Serene“ von der Einsamkeit, wenn man frisch verlassen wurde und man nichts mit sich anzufangen weiß. In „Hot Scary Summer“ lässt er die Anfeindungen und die Kämpfe Revue passieren, die man auch in einer aufgeklärten westlichen Welt leider immer noch austragen muss, wenn man sich in einer homosexuellen Beziehung befindet.

Instrumentiert sind die Stücke meist nur von Gitarre, sanft geschlagenem Schlagzeug und ab und zu einem Klavier. Dazu singt O’Brien mit seiner markanten, gefühlvollen Stimme, die häufig noch von ein wenig Hall und zur Verdichtung mit warmen elektronischen Klangflächen unterlegt wird. „Darling Arithmetic“ ist ein mutiger Schritt zurück zu den Anfängen von Villagers, zeitgleich eine starke Neuerfindung des Projekts und sicherlich eines der stärksten und berührendsten Singer-Songwriter-Alben des Jahres.

Interview // Facebook // Myspace // Label

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