Rezensionen

Villagers – Becoming A Jackal

Wie würde es wohl klingen, wenn Rufus Wainwright, Conor Oberst und Sondre Lerche sich zu einem Album zusammen tun würden? Eine Frage, die sich wohl bisher niemand so wirklich gestellt hat, da die drei Musiker wohl seltener in Zusammenhang gebracht werden. Conor J. O’Brien liefert mit seinem Villagers Debüt-Album „Becoming A Jackal“ nun jedenfalls die Antwort auf diese nicht gestellte Frage. Aber noch jemand kommt in den Sinn, denn ähnlich, wie Dev Hynes löste sich O’Brien’s Band The Immediate nach einem gefeierten Debüt-Album, bei der alle noch sehr jung waren auf und O’Brien startete eine Solo-Karriere. Genau so ging es Hynes mit den Test Icicles, danach landete er als Lightspeed Champion bei Domino Records und hat nunmehr sein zweites, wieder einmal gefeiertes Album veröffentlicht.

Und noch eine Parallele gibt es zu Dev Hynes, denn auch Conor J. O’Brien wird bereits vor Release seines Solo-Debüts gefeiert. Das wird sich auch jetzt mit dem Release von „Becoming A Jackal“ nicht ändern. Dafür bietet nämlich bereits der Opener „I Saw The Dead“ zu viel fesselnde Dramatik. Geigen ertönen, ein Piano gibt eine schnell gespielte Melodie wieder und Conor J. O’Brien sprechsingt vom Tod. Der Song nimmt Fahrt auf, eine E-Gitarre erschallt aus dem Dunkel und ein Chor verdichtet die Atmosphäre. Ein passender, wenn auch nicht repräsentativer Opener, der Augen und Ohren weit zu öffnen vermag, für das was da kommt. Mit dem Titel-Track kommt da ein folkig angehauchter Pop-Song, der leichtfüßig aufspielt und deutlich an den bereits erwähnten Sondre Lerche erinnert. Im folgenden perkussiv marschierenden „Ship Of Promises“ wird hingegen wieder die Dramatik etwas hochgeschraubt. Der Song ist deutlich dunkler und lebt neben der dichten Instrumentierung vor allem von O’Brien’s leicht brüchiger, süßlich schmachtender Stimme. Zu den Orgelklängen von „The Meaning Of The Ritual“ sorgt diese für eine wohlige Gänsehaut. Auch in den folgenden Stücken gibt es viel zu entdecken, seien es verspielte, sonnige Nummern, wie „The Pact (I’ll Be Your Fever)“, oder traurige, langsame Stücke, wie „Twenty Seven Strangers“. Eines muss man O’Brien hier besonders zu Gute halten, er schafft es perfekt die Spannung hoch zu halten und spart sich mit „Pieces“ den größten Höhepunkt für den Endteil des Albums auf. Zu bittersüßen Geigen trägt er ein Klagelied vor, das sich im Refrain zu überwältigend schönen Chören steigert und spätestens dann einen Schauer über den Rücken laufen lässt, wenn gegen Ende die Schakale anfangen zu jaulen. Die ungestellte Frage, wie ein gemeinsames Album von Conor Oberst, Rufus Wainwright und Sondre Lerche klingen würde hat mit „Becoming A Jackal“ eine faszinierende Antwort erhalten und mit Villagers einen Interpreten, der uns noch längere Zeit begeistern könnte.

Rating: ★★★★½
Villagers
Bei 3voor12 könnt ihr das Album nun auch in voller Länge streamen. Den Titel-Track gibt es hier zum Download.


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