Rezensionen

U2 – No Line On The Horizon

Der Release eines neuen U2-Albums verläuft schon eine ganze Weile in den gleichen Bahnen. Man hört erst einmal eine ganze Zeit wenig von der Band, Bono hält ab und zu sein Gesicht bei irgendwelchen Charity-Veranstaltungen in die Kamera und erzählt, man würde an neuem Material arbeiten. Irgendwann werden die Infos konkreter, die Band erzählt, sie würde derzeit diesen und jenen Künstler toll finden und man sei gerade auf so eine kreative Ader gestoßen, dass es bis zum Release wohl noch dauern würde. In der Folge taucht irgendwann das Artwork, die Tracklist und dann die erste Single auf und Spötter wollen den typischen, seit 20 Jahren immer gleichen U2 Sound hören, Fans wiederum hören eine Neuerfindung der Band. Zu diesem Zeitpunkt schließen Buchmacher vermutlich auch die ersten Wetten ab, zu welchem Zeitpunkt das Album den illegalen Weg ins Netz findet, was seltsamerweise nur noch bei U2, die das im Gegensatz zu anderen Bands durchaus finanziell verkraften können, ein Eklat ist.

Bei „No Line On The Horizon“ scheint auch alles beim alten zu bleiben, wobei Spötter, die behaupten, die erste Single „Get On Your Boots“ klänge wie U2 seit 20 Jahren klingen, in 20 Jahren wohl noch nie U2 gehört haben. Der Songs stellt nämlich eher den leicht windschiefen Versuch der Band dar, die White Stripes und Led Zeppelin mit dem eigenen Sound zu paaren. Glücklicherweise ist der Song absolut nicht repräsentativ für das Album und einer der wenigen Ausreißer nach unten. Der Titeltrack und Album-Opener „No Line On The Horizon“ ist da schon aussagekräftiger, der klingt nämlich, wie das beste, was U2 in 20 Jahren gut gemacht komprimiert zu einer Rock-Pop-Hymne. Schnell ist auch eine deutliche Abkehr vom leicht aufgesetzt wirkenden Altherren-Schwanzlängenrock des Vorgängers „How To Dismantle An Atomic Bomb“ und dem etwas sehr weichgespülten Pop von „All That You Can’t Leave Behind“ zu spüren, was wohl auch an der stärkeren Einflussnahme von Brian Eno lag, der bereits im letzten Jahr auch Coldplay’s Sound zurück auf die Spur gebracht hat. Die meisten Songs sind nun sphärischer und bekommen auch etwas Luft sich zwischen Gitarren und Bono’s „Uuuhs“, „Aaahs“ und „Ohohos“ zu entfalten. Die letzt genannten Bestandteile waren wohl auch lange nicht mehr so stark auf einem U2 Album. Das Gitarrenspiel von The Edge klingt nun wieder nach The Edge und der Gesang Bono’s klingt nicht zu pathetisch. Der Hörgenuss wird zudem dadurch erleichtert, dass Bono und Co. die politischen Statements auf ein Minimum reduziert haben, was den Texten durchaus gut tat. Die herausragendste Eigenschaft des Albums ist allerdings sein Wachstumspotential, viele der Tracks, die am Anfang noch klein und unspektakulär wirken, erwachsen mit mehrfachem Hören zu facettenreichen Popsongs mit Potential U2-Klassiker zu werden.


U2 – Get On Your Boots – OFFICIAL PROMO
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