Rezensionen

Two Door Cinema Club – Tourist History

Bangor ist eine Stadt direkt an der Küste von Nord-Irland. Mit knapp 77.000 Einwohnern ist sie die drittgrößte Stadt Nord-Irlands und bildet mit knapp 20 km Entfernung von Belfast so etwas wie einen Vorort der Nord-Irischen Hauptstadt. Im Nachtleben dürfte gerade deshalb auch nicht viel passieren, da sich das zum größten Teil in Belfast abspielen dürfte. Will man allerdings mit seiner Band einen Durchbruch schaffen, kommt man nicht umhin, Nord-Irland den Rücken zu kehren um, auf der größten der britischen Inseln seine Zelte aufzuschlagen. Ihre neue Heimat fanden Two Door Cinema Club im Herzen der britischen Musikszene, in London.

Dort wurden sie recht bald vom französischen Mode- und Platten-Label Kistuné unter Vertrag genommen und fanden sich Anfang des Jahres zusammen mit ihren Label-Mates von Delphic sogar in der BBC Sounds Of 2010 wieder. Durch große Treff- und Geschmackssicherheit zeichnete sich die Liste in diesem Jahr bisher zwar nicht gerade aus, mit Two Door Cinema Club war dann aber doch ein Treffer dabei. Und was für einer. Die Songs von „Tourist History“ klingen nämlich kein Stück nach Nord-Irischem Küstenstädtchen, sondern nach den Indie-Clubs der europäischen Metropolen. Mit klaren Anleihen bei Phoenix und Bloc Party zeigen sie über zehn Songs in knapp 32 Minuten mit schneidigen Gitarren und tänzelnden Beats, dass man auch direkt von der Schule kommend tanzwütige und infektiöse Elektro-Pop-Nummern produzieren kann. Die Vorabsingle „Something Good Can Work“ beschreibt dabei eigentlich ganz treffend das Prinzip des Albums. Die ausgewählten Zutaten haben sie nämlich mehr als gut eingesetzt. Der Beat prischt immer gut gelaunt voran, der Gesang ist ähnlich hoch, wie bei Phoenix und bietet kaum Zeit zum durchatmen. Der einzige Vorwurf, den man dem Trio aus Ulster machen kann, ist, dass die Abwechslung manchmal auf der Strecke bleibt und die Songs zu häufig nach dem Erfolgsrezept aus rasenden Beats, schneidenden Gitarren und gehetztem Gesang, gestrickt sind. Hits, wie „I Can Talk“ mit tollen Vokalübungen, oder „Undercover Martyn“ und der hibbelige Grundrhythmus des Albums werden „Tourist History“ aber zu einem gern gesehenen Gast bei Indie Elektro-Partys machen und bilden vor allem den ersten deutlichen Lichtblick in den BBC Sounds of 2010.

Rating: ★★★½☆
Two Door Cinema Club
Two Door Cinema Club auf Tour:

07. April, Köln, Gebäude 9
08. April, München, Atomic Café
10. April, Hamburg, Motorboot Live


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