Rezensionen

Travis – Ode To J. Smith

Zum Release des letzten Albums „The Boy With No Name“ verglich die Neon Travis mit der Lieblingseiscreme, man isst sie eigentlich immer sehr gern, nur irgendwann kommt der Punkt, an dem man genug davon hat. An diesem Punkt wird es Zeit eine aufregende neue Sorte auszuprobieren, da kommt es nun natürlich gelegen, dass Travis diese neue Sorte selbst liefern, denn nimmt man die Statements der Band zu „Ode To J. Smith“ ist das Album so etwas wie das Ben & Jerry’s Eis unter den bisher produzierten Häagen Dazs Alben. Also nun alles aufregend anders, verspielt und kreativ?

Oberflächlich gesehen ja, „Ode To J. Smith“ ist das zweite Travis Album, seit dem Debüt „Good Feeling“, das komplett auf der elektrischen Gitarre geschrieben wurde. Eine weitere Neuerung ist wohl auch, dass Fran Healy nun nicht mehr aus seiner Perspektive, sondern aus der eines imaginären Charakters, J. Smith nämlich, singt. Die Themen sind dennoch die gleichen. So stellt man schnell fest, im Grunde ist „Ode To J. Smith“ ein typisches Travis Album, aber eines, mit dem sich die Band mal wieder etwas zu trauen scheint. Das Rezept ist im Gegensatz zu den Häagen Dazs Alben ein anderes. Gleich im Opener „Chinese Blues“ wird das ganz deutlich, der Pianosound von Travis wird nun von einem dichteren elektronischen Gitarrensound begleitet. Die deutlichste Änderung zum Vorgänger zeigt dann das annähernd namens gebende „J. Smith“, das mit schreienden E-Gitarren und im Interlude mit einem lateinischen Chor aufwartet. Diese Form des Schottenrock, mit viel Energie und rauerem Klang herrscht dann auch auf dem größten Teil des Albums vor, am besten gelungen bei „Something, Anything“. Aber auch Fans des Häagen Dazs Klangs kommen auf ihre Kosten, so sind mit „Song To Self“, „Before You Were Young“ und „Quite Free“ wunderschöne Travis-Balladen dabei, die live wieder für die ein oder andere Gänsehaut sorgen dürften. Diese Stücke zeigen auch, Travis verteufeln ihre Vergangenheit nicht – das wäre auch Blödsinn, da sie bis auf „12 Memories“ immer nur Alben auf höchstem Häagen Dazs Niveau abgeliefert haben – sie haben aber ihre Musik offensichtlich einmal gehörig überdacht und so eines ihrer bisher mutigsten Alben geschrieben.

Video zu „Song To Self“:

httpv://www.youtube.com/watch?v=LK_ScHgPvCA

Myspace der Band

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