Rezensionen

Travis – Everything at Once

Travis - Everything At Once

Eigentlich wäre es nur logisch gewesen, hätten die Schotten von Travis im letzten Jahr den Nachfolger zu ihrem siebten Studioalbum „Where You Stand“, das 2013 erschien, veröffentlicht, schließlich feierte die Band da ihr 25jähriges Bestehen. Seit dem Release von „12 Memories“ im Jahr 2003 haben sich die vier Schotten jedoch einen längeren Releasezyklus angewöhnt und so mussten wir jetzt drei Jahre auf Album Nummer acht warten. Ein Release im nächsten Jahr wäre auch mit dem 20ten Jubiläum des Debüts „Good Feeling“ kollidiert, das Travis dann gern ausführlich betouren dürfen. Das ist aber natürlich reine Spekulation und Zukunftsmusik und wir kümmern uns hier lieber erst einmal um die gegenwärtige Musik, die ist nämlich ebenfalls in der Lage ein gutes Gefühl zu vermitteln. Für „Everything At Once“ fanden sich Travis in Berlin, der Wahlheimat von Fran Healy ein, wo das Album in den Hansastudios aufgenommen wurde, in dem bekanntermaßen David Bowie, Depeche Mode und U2 einige der bedeutendsten Alben ihrer Karrieren aufgenommen haben. Eines vorweg: „Everything At Once“ ist keiner dieser Meilensteine, hörenswert ist es aber natürlich dennoch.

Mit 33 Minuten Spielzeit bei zehn Songs sieht man „Everything At Once“ direkt die typische Formel an, nach der Travis ihre Songs schreiben, nämlich schnell auf den Punkt kommen und möglichst im Rahmen von circa drei Minuten bleiben. Deshalb sprengen auch nur zwei der Songs überhaupt die magische drei Minuten Marke. Der Schwerpunkt liegt dabei auf gewohnt sonnigem Pop mit starken Refrains. Dabei versuchen Travis schlichte Popsongs mit Hitcharakter, originellen Elementen und Wiedererkennungswert zu erzeugen, man könnte auch sagen, sie wollen alles auf einmal, ganz wie es der Albumtitel verrät. Das bedeutet aber nicht, dass diese Formel nicht auch aufgehen kann. Der Opener „What Will Come“ ist ein sanfter Einstieg mit romantischer Note und warmem Charakter voller Nostalgie. Die Single „Magnificent Time“ präsentiert sich als spaßiger Popsong, bei dem Travis zwar etwas dick aufgetragen haben, dennoch erkennt man schon den Kultcharakter des Stücks, das sicherlich zu einem Klassiker im Liveset der Band wird.

Beim Mid-Tempo-Stück „Radio Song“ zeigt Fran Healy sein textliches Geschick mit Zeilen wie „Sitting On A Mushroom Cloud / Waiting For The Big Fallout“, das so verschmitzt vorgetragen wird, dass man das düstere Bild, das er zeichnet, erst einmal übersieht. Das Stück selbst ist gefällig, aber ebenso schnell vergessen, wie der typische Radiosong. Das folgende „Paralysed“ mit seinem Chor, der gehetzten Songführung und der gekünstelten Kritik an der Fernsehlandschaft, mitsamt Erwähnung der Kardashians ist dann leider ein gekonnter Griff ins Klo. Mit dem folgenden „Animals“ liefern Travis wieder einen kleinen Lichtblick, mit einem Fran Healy, der mit sanfter Stimme zu dramatischer Grundstimmung beinahe an Bono Vox erinnert. In der Folge geht den Schotten dann leider ein wenig die Luft aus. Der Titeltrack „Everything At Once“ liegt vom Tempo immer knapp daneben und auch im Refrain will sich das Stück nie wirklich einprägen. „3 Miles High“ und „All Of The Places“ kommen mit ihrem mittlerem Tempo und dem leicht schmachtenden Gesang von Fran als Versuche daher, an die glorreiche Vergangenheit der Band zu erinnern, schaffen es aber allenfalls zum Lückenfüllerstatus vergangener Alben und reihen sich bei Stücken, wie „Paperclips“, „New Shows“, oder „Battleships“ ein. Das Duett „Idlewild“, bei dem die norwegische Sängerin Josephine Oniyama im Studio zu Gast war, bietet zwar ein wenig Abwechslung, da ihre Stimme leider nicht so richtig mit Fran harmonieren will und das Stück selsbt ein wenig verschleppt wird, mag der Song das Album am Ende leider auch nicht zu heben. So bleibt von „Everything At Once“ am Ende nur der Eindruck, dass Travis vermutlich besser einfach nur eine EP veröffentlicht hätten, genügend Songs dafür wären im Repertoire gewesen. Der Rest der Songs wäre eventuell als B-Seite ganz gut aufbewahrt gewesen.

Travis auf Deutschland-Tour

23. Mai 2016, Berlin – Huxley’s
24. Mai 2016, Köln – Live Music Hall

Facebook // Website

Musik von Travis bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive