Rezensionen

Toy Fight – Peplum

Die Pariser von Toy Fight sind so etwas wie der französische Gegenentwurf zu der Reihe englischer Indie-Rock-Bands, die in stetiger Folge über den Kanal zu uns gelangen und mit mächtig viel Hype von NME und Co versehen werden. Wie viele Bands in der heutigen Zeit wurde das Label City Slang über Myspace auf sie aufmerksam und nahm sie 2006 unter Vertrag. Statt nun aber gleich mit Album-Aufnahmen und Hype zu beginnen ließ man den Franzosen Zeit. Die nahmen sie dankbar an, studierten zu Ende, überwarfen noch einmal all ihre Songs, spielten einige umjubelte Konzerte in ihrer Pariser Heimat, veröffentlichten eine kleine EP und kamen nach knapp 3 Jahren nun mit ihrem fertigen Album aus ihrem Pariser Appartment und schellten beim Label an, man sei nun soweit. Eine Lockerheit und Entspanntheit, wie sie nur Franzosen an den Tag legen können.

Auf wundersame Weise hatte sich die Zahl der Bandmitglieder während der drei Jahre auch von 3 auf 6 erhöht. In Reihen der Band fand sich mit Mina Tindle inzwischen auch eine bildschöne junge Dame mit zauberhafter Stimme und einer süßen Stupsnase. Toy Fight sind also soweit, auch wenn ihnen der anstehende Release-Termin des neuen Phoenix-Albums angeblich etwas Angst einflößte. Aber was sie mit Peplum, ihrem neu eingespielten Debüt-Album nun vorlegen sind 16 Songs, die das Warten absolut wert gewesen zu sein scheinen und von denen scheinbar selbst Phoenix nun Fans sind. Beschwingt eröffnet die Band mit dem ruhigen Popsong „Where The Avalanches Are“, das von lässig gezupfter Gitarre und einem schwebenden Chor als konzentrierter Sonnenschein aus den Boxen schwingt und mit seinen knapp 2 Minuten ein wahnsinniger Schub gute Laune ist. Hier zeigen sie Songwriting, dass ähnlich stark und eingängig ist, wie das ihrer französischen Landsleute von Revolver. Im Gegensatz zu denen sorgen sie aber für eine gehörige Portion Abwechslung und Tiefe und halten so den Hörer bei der Stange. Da schütteln sie dann beinahe beiläufig einen Power-Popsong, wie „Your Own Fireworks“ mit tanzenden Geigen und herrlichen Trompeten aus dem Ärmel, die dann wiederum von einer Ukulele gestützt werden. Das kommt herrlich nonchalant daher, was natürlich auch an den dicken französischen Akzenten liegt, in denen die Band singt. Da wirkt dann sogar ein Lied über Nacktfotos und masturbierende Jungs („Lisa’s Box“) wie ein romantisches Liebeslied. So bleibt als Erkenntnis aus dem Debüt dieser Franzosen eigentlich nur Bewunderung dafür, wie unverschämt vielfältig und herrlich sommerlich ihre Songs sind, unter denen sich mit „High Noon“ und „A Drum Drum Boy“ sogar zwei waschechte Hits verstecken.

Rating: ★★★★½
Toy Fight

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