Rezensionen

Tomte – Heureka

Es ist immer spannend wenn man fieberhaft auf die Veröffentlichung einer ersehnten Platte wartet. Man wünscht sich die Weiterführung des Vorgängers und warum auch Änderungen vornehmen, wenn das letzte Album doch tierisch viel Freude bereitet hat?! Das sich eine Band entwickelt und die Sichtweise eine andere werden könnte, wird erstmal verdrängt. Bei Tomte hat sich etwas verändert…

Da ist es nun. „Heureka“ heißt Tomtes neuster Silberling und kommt mit 12 Songs im Gepäck. Der Eröffnungsong und Namensgeber ist keine große Überraschung. Vielleicht ein bisschen rauer als auf dem letzten Album, aber was schnörkellos beginnt, entfaltet sich schnell zu einem typischen Tomte Opener. So richtig fällt der Vorhang erst wenn der Zweitplatzierte, „Wie ein Planet“, durch die Boxen stolpert. Mit welcher Leichtigkeit Thees Uhlmann „Mein Herz so schwer“ singt, überrascht. Diese Unbeschwertheit macht Neugierig und lädt ein, wenn man es zulässt. Die Platte läuft und sie läuft gut. Es folgen die Single „Der letzte große Wal“ und das wundervolle „Wie siehts aus in Hamburg“, ein melancholischer Gruß an Thees‘ alte Heimat. Dem Wahl-Berliner scheint der Ortswechsel gut zu tun, wie man auf „Heureka“ deutlich hören kann, dennoch versteckt sich hinter „Wie siehts aus in Hamburg“ ein klares Stück Sehnsucht und Heimweh. Anschließend wird bei „Voran Voran“ ein wenig auf die Bremse getreten bis einen „Küss mich wach Gloria“ wieder aus dem Sessel holt.

Die zweite Hälfte des Albums braucht ein bisschen länger bis sie zündet. „Es ist so dass du fehlst“ ist ein schöner Song, der aber in manchen Momenten gefährlich nah an die Grenzen des Kitsch tritt. Auch „Und ich wander“ und „Du bringst die Stories ich den Wein“ haben es schwer und brauchen Zeit. Dann kommen Tomte plötzlich mit „Das Orchester spielt einen Walzer“ um die Ecke und JA, die Energie eines ganzen Orchesters wird freigesetzt. „Ich will nur noch trinken und nach Hause gehen, mein Gott ist das Leben schön!“ ist eine an dieser Stelle ungewohnte Zeile und sie mag auch sehr pathetisch klingen, aber ganz bestimmt nicht abgedroschen. Die Zeiten haben sich geändert und was auf „Buchstaben über der Stadt“ noch resigniert oder schwermütig Klang, ersetzt Thees heute durch einen Lebenbejahenden Blick nach vorn. Ungewohnt? Vielleicht; Wirkung? Toll. Bei „Nichts ist so schön auf der Welt wie betrunken traurige Lieder zu hören“ wird auch alles richtig gemacht. Ein großer Song, der Anfangs vielleicht ein bisschen schwer daherkommt, aber irgendwann explodiert und ein Feuerwerk entfacht. „Dein Herz sei wild“ ist der letzte Song des Albums und anders als auf „Buchstaben über der Stadt“, wo sich Tomte sanft verabschiedeten, wird hier nochmal richtig gefordert. Der Song treibt nach vorn, klingt rau und macht Druck. Hier wird sich freigespielt und -gesungen.

Wem „Hinter all diesen Fenstern“ ein wenig zu rau und „Buchstaben über der Stadt“ ein bisschen zu sehr dahergeplenkelt kam, der sollte jetzt laut „Heureka“ rufen. In diesen 48 Minuten erfinden sich Tomte ganz bestimmt nicht neu, aber sie perfektionieren was sie können und Überraschen mit einem herlich Lebensbejahenden Album. Losgelöst und unbeschwerter als sein Vorgänger. „Heureka“ ist leicht, geht in die Ferne, bietet viel Platz zum träumen und zeigt einen entschlossenen Thees Uhlmann, der sich traut und weiß was wer macht. Das Album hat seine Tiefen, aber die Höhen sind stark genug dem Gesamtwerk einen ehrlichen und verdienten Appaus zukommen zu lassen. Tomte umarmen das Leben und es macht Spass ihnen dabei zuzuhören.

Video zu „Heureka“:

httpv://www.youtube.com/watch?v=BW_PHfBSguY

Unser Interview zum Album mit Thees
Myspace der Band
Infos beim Grand Hotel van Cleef

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