Rezensionen

Tom Odell – Long Way Down

Tom Odell - Long Way Down

Es ist doch jedes Jahr das selbe. Der BBC veröffentlicht seine Liste der Sounds of 2013 und gibt damit eine Prognose aus, was dieses Jahr angesagt sein könnte. Da es sich aber eben um den BBC handelt und die Macher der Liste gern auf teils schon recht bekannte Zugpferde setzen, ist die Liste eine sich selbst erfüllende Prophezeiung, die auch bereits Bands, wie The xx, Delphic und Two Door Cinema Club in den letzten Jahren den Weg in die Charts geebnet hat. Die Longlist wird zwar vom BBC immer auf die Top 5 zusammengeschrumpft, aber auch Künstler der Longlist sieht man später wieder. Und so feiert neben den Top 5 Interpreten, wie HAIM und CHVRCHES auch Tom Odell riesige Erfolge. Nicht nur in Großbritannien, auch in unseren Landen dürfte der 22 jährige Engländer mittlerweile jedem ein Begriff sein, liefert der Sohn einer Lehrerin doch den Soundtrack zur aktuellen Telekom-Kampagne. So dudelt die Single „Another Love“ derzeit auch durch die Radios in ganz Deutschland und der Lily Allen Zögling tingelt durch’s Frühstücksfernsehen. Die mediale Überpräsenz von Tom Odell könnte natürlich zu einer Abwehrhaltung führen. Da der NME seinem Debüt nun jedoch 0 Punkte gab, muss eigentlich ja etwas dran sein an diesem jungen Mann.

Die deutsche Tageszeitung die Welt titelt zu Tom Odell dann auch noch gleich „zwischen Jake Bugg und Coldplay“ und sogleich erschallt die Frage „braucht man so einen Songwriter in der heutigen Zeit“ im Kopf. Natürlich eine blöde Frage, denn bei Newcomern geht es nie darum, ob man sie braucht, schließlich ist Musik kein Produkt, dass nach Angebot und Nachfrage in bestimmten Genres erzeugt wird, sondern das Produkt der Neigungen, Interessen und Einflüsse des Interpreten, die in einem bestimmten Sound münden und entweder einen Nerv beim Publikum treffen oder nicht.

Tom Odell scheint diesen Nerv zu treffen, egal ob dem NME das gefällt oder nicht. Das ist durch den starken Elton John Einfluss des jungen Briten auch nicht immer unpeinlich und häufig kitschig und ein wenig schwülstig, aber Odell trägt das mit einer solchen Hingabe und dank seiner vollen Bandinstrumentierung derartig druckvoll vor, dass „Long Way Down“ eigentlich nie langweilig wird.

Schon der Opener „Grow Old With Me“ zeigt diese Verbindung von extremem Kitsch mit druckvoller Piano-Pop-Instrumentierung. Das ist natürlich alles nicht neu, aber die recht ungewöhnliche Stimme Odell’s, die er wirklich gekonnt einsetzt weiß durchaus zu fesseln. Spätestens bei „Hold Me“ zeigt sich dann auch, warum uns der Piano-Pop Odell’s so seltsam vertraut vorkommt. Wir mussten zwar ein wenig überlegen und noch einmal in unserer eigenen Vergangenheit schauen, dabei stießen wir aber auf das Debüt von Air Traffic, die mit „Fractured Life“ 2007 ihr Debüt veröffentlichten. Darauf gab es auch druckvollen Piano-Pop im damaligen Fall mit starkem Indie-Rock-Einschlag. Gerade der damalige Opener „Just Abuse Me“ oder auch das Stück „Shooting Star“ hätten sich auch gut auf Odell’s Debüt gemacht.

Neben dieser seltsamen Vertrautheit, die nicht wirklich eine Schwäche darstellt, offenbart Odell jedoch nach einigen Songs auch das Problem seines Songwritings. So emotional seine Stücke vorgetragen sind und so romantisch die Texte scheinen, irgendwann kam dem Musiker im Studio ein wenig die Varianz abhanden und so klingt die zweite Hälfte von „Long Way Down“ wie ein Aufguss dessen, was man zuvor bereits gehört hat. Nichts desto trotz freuen wir uns bereits jetzt auf den Auftritt des Musikers beim Haldern Pop 2013,, da das Album eigentlich alle Zutaten für einen schweißgebadeten, mitreißenden Auftritt mitbringt.



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    Posted by WhiteTapes Record Of The Year 2013 – das Ergebnis | WhiteTapes | Januar 1, 2014, 8:25 pm

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