Rezensionen

Tired Pony – The Place We Ran From

Muss man über Snow Patrol eigentlich noch viel sagen? Eigentlich nicht, aber nur so viel zu ihrer Diskographie, mit der sie zunächst ab 1998 zwei selbst in Indie-Kreisen nur mäßig erfolgreiche Alben veröffentlichten. Dann folgte „Final Straw“ und die Band war plötzlich in aller Munde, sie waren vom Geheimtipp der Indieszene zu Größen ebendieser angewachsen und fanden sich dem Hit „Run“ und Platzierungen im Zach Braff Film „The Last Kiss“ und der Heulsusen- / Arzt-Serie Grey’s Anatomy plötzlich sogar in den englischen und den amerikanischen Album-Charts wieder. Mit „Eyes Open“ folgte der endgültige Durchbruch. „Chasing Cars“ schaffte es zwar nirgends auf Platz 1 der Charts, bekam aber so viel Radio-Airplay, insbesondere wieder dank Grey’s Anatomy, dass Snow Patrol nun zu Größen, wie Coldplay aufgeschlossen haben. Mit „A Hundred Million Suns“ ließ sich dieser Erfolg leider nicht wiederholen. Dem Album hörte man deutlich an, dass die Luft etwas raus war bei Gary Lightbody und seinen Mannen. Nach einem Best Of macht die Band derzeit Pause. Nicht aber Gary Lightbody, der rief nach The Reindeer Section ein zweites Nebenprojekt ins Leben.

Da er es mit Tieren zu haben scheint – Snow Patrol hießen bei ihrer Gründung noch Polarbear – nannte er das Projekt Tired Pony. Zusammen mit dem zugehörigen Albumtitel „The Place We Ran From“ wirft das erst einmal ein Fragen auf. Ist Gary Lightbody wirklich so ausgelaugt von Snow Patrol und rennt er wirklich davor davon? Wenn nicht, wovor rennt er davon? Die damit einhergehenden Erwartungen an den Sound weiß Gary Lightbody zusammen mit seinen Gefährten zu erfüllen. Der Sound ist ruhig und Bombast-Momente, wie man sie inzwischen von Snow Patrol gewohnt ist bleiben größtenteils aus. Die Kumpanen dürften dazu ihren Teil beigetragen haben und lesen sich schon einmal nicht schlecht. Da wären als feste Mitglieder u.a. Peter Buck von R.E.M., Singer-Songwriter Iain Archer, Richard Colburn von Belle & Sebastian und Produzentenlegende Jacknife Lee. Hinzu kommen noch Gastauftritte von z.B. Zoey Deschanel, M. Ward und Tom Smith. Viele recht bekannte Namen, die die Erwartungen noch etwas höher schrauben dürften, als bei Snow Patrol nach ihrem Hit-Album „Eyes Open“. Fans, die Snow Patrol aber erst seit diesem Album kennen dürften enttäuscht sein. Denn hier gibt es, wie bereits erwähnt, keine Hymnen, sondern ruhige Songs mit Folk-Einschlag. Ruhig und besonnen läuten Tired Pony das Album mit dem langsamen „North Western Skies“ ein. Begleitet nur von sanfter Instrumentierung und ein wenig Background-Gesang im Refrain wird der Stimme von Gary Lightbody viel Raum zur Entfaltung gegeben.

Das folgende „Get On The Road“ erinnert dann ein wenig an den Snow Patrol Song „Set The Fire To The Third Bar“, ein Duett mit Martha Wainwright auf „Eyes Open“. Mit dem Unterschied, dass der Bombast deutlich runtergefahren wurde und der Folk-Einschlag deutlich größer geworden ist. Wie das Referenz-Stück ist auch dieser Song ein berührendes Stück mit den perfekt harmonisierenden Duett-Partnern Gary Lightbody und Zoey Deschanel. „Dead American Writer’s“ zeigt dann auch, wie ansteckend der leicht abgewandelte Sound auch in einem schnelleren Stück wirkt. Auf Albumlänge ist es genau diese Mischung aus Mid-Tempo und besinnlichen Sounds, durch die etwas Abwechslung ins Album kommt und der Hörer bei der Stange gehalten wird. Aber wirklich schwer, sich dem Album intensiv zu widmen ist es auch nicht. Die Liebe zum Pop und Folk von Gary Lightbody, verknüpft mit der grandiosen Gitarren- und Mandolinen-Arbeit von Peter Buck und der gelungenen Zuarbeit der Band machen aus „The Place We Ran From“ ein tolles Pop-Album mit schwelgerischem Flair. Tolle Gastsänger, wie Zoey Deschanel in den Duetten und Tom Smith in „The Good Book“ sind dabei das Tüpfelchen auf dem i.

Rating: ★★★★☆
Tired Pony
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