Rezensionen

The Strange Death Of Liberal England – Drown Your Heart Again

Timing ist manchmal einfach alles. So sehr, dass viele Releases minutiös geplant werden. So erscheint es dann auch fast schon nicht mehr wie ein Zufall, dass The Strange Death Of Liberal England zunächst ihre 2005er Debüt-EP „Stop/Go Happy/Sad Forward/Forward“, dann ihr 2007er Debüt-Mini-Album „Forward March!“ im selben Jahr veröffentlichten, wie Arcade Fire ihr Debüt „The Funeral“ und in der Folge ihr zweites Album „Neon Bible“. Die Musikszene war also angefixt für den euphorisierendend Sound der Folk-Popper aus Kanada und in diesem Zuge bekam auch die Band aus Leeds wegen ihres doch recht ähnlichen hymnischen Sounds, nebst eigenwilligen Gesangsstils, etwas mehr Aufmerksamkeit, als wohl ohne Arcade Fire drin gewesen wäre. Drei Jahre haben sich die Engländer seitdem für ihr Debüt-Album Zeit gelassen. Was zunächst so wirkt, als hätte die Band einfach nur die Songs reifen lassen wollen, oder es zuvor einfach keinen Vertriebs-Partner gefunden, hat dann doch leider den Beigeschmack von Berechnung, wenn man bedenkt, dass vor ein paar Monaten das dritte Arcade Fire Album „The Suburbs“ für großen Trubel und Chart-Erfolge der Kanadier sorgte.

Ausgerechnet also jetzt erscheint dann mit „Drown Your Heart Again“ das Debüt von The Strange Death Of Liberal England. Das wäre eigentlich auch kein Problem, wenn sich The Strange Death Of Liberal England nicht in den letzten drei Jahren noch ein wenig mehr dem Sound von Arcade Fire angenähert hätten. Schon klar, normalerweise soll man sich an solchen Auffälligkeiten nicht so aufhalten, aber hier stechen sie doch sehr ins Auge. Auch die Ähnlichkeiten im Sound lassen sich wohl nicht leugnen. Die Band stampft mit opulenten Arrangements und einer extremen Intensität voran und steigert sich in den Refrains des öfteren ins hymnische. Aber diese Qualitäten haben Arcade Fire natürlich nicht allein gepachtet, allerdings wohl ohne Zweifel perfektioniert. Allerdings scheint es The Strange Death Of Liberal England scheinbar ein wenig leichter zu fallen, ihre beinahe orchestralen Arrangements mit einer unbändigen Sehnsucht zu füllen. Jede Gesangslinie Adam Woolway scheint sich zu verzehren. Die Engländer nutzen dabei vorwiegend Vergleiche mit der See. Die steckt schon im Albumtitel „Drown Your Heart Again“ versteckt und offenbart sich in Stücken wie „Rising Sea“, „Lighthouse“ und „Flagships“. Ob das nun für eine Band, die mitten aus den Midlands stammt nun authentisch ist, sei einmal dahingestellt, gerade bei „Rising Sea“ ist diese Sehnsucht so intensiv vorgetragen, dass es einen auch beim Hören beinahe verzehrt. Eine Qualität, die The Strange Death Of Liberal England bei allen Zufälligkeiten, was Termine angeht, auf jeden Fall zu mehr als einem Geheimtipp machen sollte. Und wer weiß, vielleicht ist im Zuge der momentan so angesagten kanadischen Indie-Folk-Popper von Arcade Fire ja nun wirklich etwas mehr Aufmerksamkeit für die Engländer drin.

Rating: ★★★★☆
The Strange Death Of Liberal England
The Strange Death Of Liberal England auf Tour mit Slut

10.11.10 Köln // Luxor
11.11.10 Stuttgart // Schocken
Support von Slut


Youtube direkt

The Strange Death Of Liberal England – Rising Sea by RevolverPromotion

Homepage // Myspace

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