Rezensionen

The Staves – Dead & Born & Grown

The Staves - Dead & Born & Grown

Unfassbar, es ist heute fast genau ein Jahr her, dass wir hier das erste Mal über The Staves aus Watford unweit von London schrieben. Damals veröffentlichte das Trio seine dritte EP „The Motherlode“ und durfte sich ab dann wachsender Aufmerksamkeit in Großbritannien erfreuen. Kein Wunder, bringt das Trio doch alles für einen kleinen Hype mit. Auffälligstes Merkmal, die drei hübsch anzusehenden brünetten Mädchen sehen sich nicht nur ähnlich, nein, es sind auch noch Schwestern. Namentlich Emily, Camilla und Jess Stavely-Taylor. Gemeinsam macht das Trio Popmusik mit Folk-Anleihen und Harmoniegesang. Und das klingt jetzt nicht nur von der Beschreibung her nach der Geschichte von First Aid Kit auch in Songs umgesetzt weckt das Erinnerungen an das schwedische Duo. Der Werdegang von The Staves ist dann aber natürlich auch ein ganz anderer. Erste Bekanntheit erlangten sie 2010, als sie Tom Jones auf seinem Gospel-Album „Praise and Blame“ unterstützten. Und auch auf Fionn Regan’s drittem Studioalbum „100 Acres of Sycamore“ waren ihre Stimmen zu vernehmen. Über diese Kollaborationen konnten sie einige Kontakte knüpfen und niemand geringeren als Ethan Johns für die Produktion des Debüt-Albums „Dead & Born & Grown“ gewinnen.

Der war nicht nur verantwortlich für oben genanntes Tom Jones Album, sondern ist Stammproduzent von Ryan Adams, arbeitete außerdem schon mit Emmylou Harris, Ray LaMontagne und unlängst auch Laura Marling. Mit im Studio war dann auch sein Vater Glyn Johns, der schon mit Bob Dylan, The Beatles, The Band, The Rolling Stones, Led Zeppelin, The Clash und vielen weiteren Künstlern, die zum Who Is Who gehören, gearbeitet hat.

Keine schlechten Voraussetzungen also für das Debüt der drei jungen Schwestern aus der 90.000 Einwohner Stadt bei London. Und, die Zusammenarbeit mit dem Produzentenduo soll sich für The Staves auszahlen. „Dead & Born & Grown“ ist ein Album, auf dem das Trio zeigt, das es nach nur drei EP’s bereits erwachsenes Songwriting liefern kann und Songs mit zeitloser Schönheit schreibt. Damit sind The Staves so etwas wie der Gegenentwurf zu Haim, die so wirken, als wollten sie mit aller Macht einen möglichst hippen Sound produzieren wollen, um so viel wie möglich aus dem derzeitigen Hype rauszuholen. The Staves machen das genaue Gegenteil. Sie bedienen sich altmodischer Folkelemente und zaubern daraus kleine Songs der Entschleunigung. Sie zielen damit nicht auf die große Bühne, wie die Folk-Popper von Mumford & Sons und wählen deshalb auch nicht immer den einfachen Weg. Die Mittel, die The Staves nutzen sind dabei natürlich nicht neu, aber der Einsatz macht es hier.

Das Trio baut die Songs gemächlich und mit viel Feingefühl auf, nimmt gern mal das Tempo raus, bevor sich ein Song zu größenwahnsinnig oder pathetisch aufschwingt und erzählt immer sehr berührend seine kleinen Geschichten von Liebe, Ausbruch und Alltag. Natürlich ist auch für mädchenhafte Romantisierung Platz, das nutzen The Staves aber so gekonnt, dass man der Band einfach gerne lauscht. Kitschig wird es nämlich nie, das ist sicherlich auch einer der Verdienste des Produzentenduos. Wir freuen uns jedenfalls jetzt schon das Trio im August auf der 30ten Ausgabe des Haldern Pop Festivals zu sehen, wie es in der Mittagssonne seine Folksongs zum besten gibt.

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