Rezensionen

The Slow Show – Dream Darling

The Slow Show - Dream Darling

Vor sechs Jahren hätte es mit der Karriere von The Slow Show aus Manchester ganz schnell gehen können. Dank BBC Introducing ergatterten sie einen Slot als Support von Elbow – die nur zwei Jahre zuvor den Mercury Prize für „The Seldom Seen Kid“ gewonnen hatten und gerade auf dem Höhepunkt ihrer Popularität waren – in der Manchester Cathedral. In der Folge konnten sie sich über mangelnde Anfragen von Labels nicht beschweren, doch heißt die Band nun einmal The Slow Show mit einer Betonung auf „slow“. „Deshalb“ ließen sie sich Zeit und veröffentlichten dann auch erst im März 2015 ihr Debüt „White Water“, das im Jahr 2014 in den Blueprint Studios in Manchester entstanden ist, wo auch Elbow seit dem 2005er Album „Leaders of the Free World“ ihre Aufnahmen vornehmen. Nach dem Release des Debüts ging es dann aber wieder schnell für The Slow Show. Ihr von ihrer Heimat Manchester geprägter Sound, den sie in eleganten Songs mit breitwandigen Post-Punk-Sounds, einer Prise Noir-Americana und tiefer Norhern-Soul Melancholie verbinden, fand viele Anhänger und die Band wuchs von einem Geheimtipp zu einem Act, der in diesem Jahr auch bereits zum Zugpferd für kleinere und mittlere Festivals taugte.

Mit diesem Rückenwind fanden sich The Slow Show schnell wieder ins Studio ein, um ihr zweites Album „Dream Darling“ aufzunehmen. Dieses Mal in deutlich kürzerer Zeit, da sie Dank des Erfolgs schnell auf Streicher und Bläser zurückgreifen konnten. Die Produktion übernahm die Band um Sänger Rob Goodwin dieses Mal selbst und machte dabei wieder einmal ihren Namen zum Programm. Allen Songs lassen sie nämlich viel Zeit, sich zu entfalten und im Verlauf teils episch heranzuwachsen. Dabei haben sie viel Raum, um sich in weitläufige Klanglandschaften zu flüchten, in denen neben klassischer Bandbesetzung auch besagte Streicher und Bläser zum Einsatz kommen. Die Bandbreite der Stücke ist dabei auch wieder typisch The Slow Show und bewegt sich immer in der Nähe von Pathos-geschwängertem Post-Punk und dunklen Wave-Klängen der Marke The National, Elbow, Interpol und teils Joy Division.

Die beschriebenen Zutaten sind alle schon einmal da gewesen und wollen deshalb leider auch nicht immer zünden. Zwar wissen elegisch schöne und dabei tieftraurige Songs, wie „Breaks Today“, oder die ergreifenden, reduzierten Stücke „Hurts“ und „Lullaby“ wieder zu begeistern und gern auch zu tränen zu rühren, doch wirkliche Hightilghts, die einem schon nach dem ersten Hören auf Ewig im Gehörgang bleiben, sucht man ein wenig länger . Da sind wir auch beim Stichwort, denn auf „Dream Darling“ ist streckenweise alles etwas zu groß. Die Gesten, der Pathos und die Unterstützung durch Bläser und Streicher, mit denen The Slow Show die Grenze zum Kitsch zu oft einen Schritt zu weit übertreten und so in einigen Momenten fast schon an den Nerven des Hörers zerren. Vielleicht hätte es der Band besser zu Gesicht gestanden, ihre herzzereißenden Texte und apokalyptisch angehauchten Instrumentierungen mit etwas mehr brodelnden Soundwänden in Form klassischer Bandbesetzung zu vermitteln, ohne dem Hörer die Gefühle durch moll-lastige, wehklagende Bläser einzuhämmern. Was beim Haldern Pop Festival 2015 auf der Hauptbühne mit Unterstützung vom Stargaze Orchester und dem Cantus Domus Chor sehr gut funktionierte, aber eben auch da schon etwas viel wirkte, und was bei Beirut lange zum Grundrezept gehörte, macht Dream Darling zu einem sehr schweren Album, auf das man wirklich Lust haben muss, sonst fühlt man sich spätestens nach der Hälfte leider wie im britischen Musikantenstadl; das passt nicht unbedingt und irritiert leider mehr, als dass es direkt Lust auf mehr macht.

The Slow Show auf Deutschland-Tour

16. November 2016, Köln – Kulturkirche (ausverkauft)
17. November 2016, Hamburg – Knust (ausverkauft)
18. November 2016, Berlin – Gretchen (Restkarten)
19. November 2016, München – Ampere (ausverkauft)

Support: I Have A Tribe


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Wir präsentieren: Haux - auf Deutschland-Tour