Rezensionen

The Rumble Strips – Welcome To The Walk Alone

Es gibt in England wohl im Moment wenige Produzenten, die noch gefragter sind, als Mark Ronson. Was auch der Grund dafür ist, dass ihn auch immer mehr Indie-Künstler für sich gewinnen möchten. So zum Beispiel die Kaiser Chiefs auf ihrem dritten Album „Off With Their Heads“, da allerdings mit zweifelhaftem Ergebnis. The Rumble Strips um ihren charismatischen Frontmann Charles Waller ließen sich davon allerdings nicht abschrecken und holten sich Mark Ronson trotzdem ins Studio, um ihren Ska-Pop Sound, mit dem sie in 2007 auf ihrem Debüt „Girls and Weather“ schon lange vom Geheimtipp zu gefeierten Szene-Größen geworden sind, mit einer gehörigen Portion 60ies Soul anzureichern. So ganz schienen sie Mark Ronson aber nicht zu trauen und holten sich für die Orchester-Arrangements noch Owen Pallett ins Boot. Der ist schließlich eine Bank, hat er diesen Job doch bereits großartig für Arcade Fire, The Last Shadow Puppets, The Mountain Goats und natürlich sein eigenes Projekt Final Fantasy bewältigt. Mit solch namhaften Unterstützern auf dem zweiten Album kann dem nächsten großen Karriersprung also nichts mehr im Wege stehen.

Na gut, höchstens das eigene Songwriting vielleicht, denn nur weil man England’s In-Produzenten und einen anerkannten Orchester-Arrangeur an seine Songs lässt muss das nicht heißen, dass die Songs sich damit vertragen, oder dadurch wirklich besser werden. Die Zweifel werden allerdings schnell genommen, denn bereits der Opener „Welcome To The Walk Alone“ zeigt, dass die Band nicht nur eben ihren Ska-Pop Sound um ein paar Elemente anreichern wollte, sondern dass man die eingeschlagene Richtung wirklich mit ganzem Herzen trägt. So ist dann auch der Ska glücklicherweise ganz verschwunden. Bläser gibt aber natürlich es dennoch. Die öffnen den Song sanft von Streichern unterstützt. Hinzu tritt Charlie Waller, der die Lyrics erst cool und lässig und in den Refrains dann voller Inbrunst vorträgt. Die Orchester- und Soul-Instrumentierung verlangt dann natürlich auch nach großen Gesten, die kann Waller aber stimmlich voll stützen, ohne das es je kitschig geraten würde. Das liegt auch an der nötigen Portion Abwechslung, denn bei The Rumble Strips heißt 60ies Pop nicht gleich Rockabilly-Schmalz (zum Glück), sondern kann auch beinahe swingend poppig daher kommen. So im Song „London“, der Razorlight die lange Nase zeigt, denn so hätte die Band um Johnny Borrell auf „Slipway Fires“ auch klingen können, leider war es seinerzeit beim missglückten Versuch geblieben. Deshalb ist bei The Rumble Strips zwar noch nicht alles Gold, was so schillernd orchestriert glänt, aber meistens ist „Welcome To The Walk Alone“ höchst unterhaltsam. Ein wenig hängen dann zwar die beiden Songs „Daniel“ und „Douglas“ durch, bei denen sich Waller und Band etwas sehr in düsterem Pomp und Swing verlieren. Das machen aber die leicht schrulligen Stories auf dem Album wieder wett. Wenn sich etwa Waller bei seinem Hund „Douglas“ dafür entschuldigt nach London gezogen zu sein, oder er davon erzählt, wie leid ihm ein paar Straßenräuber taten, entbehrt das nicht einer witzigen und manchmal auch anrührigen Note. Zudem beweisen The Rumble Strips dann auch noch mit Songs, wie „Happy Hell“ und „Running On Empty“, dass Morrissey nun nicht mehr der einzige Meister der sogenannten Morrissey Musik ist. Ein Album also mit toller Orchestrierung, vielen guten Songs und ein paar leichteren Durchhängern.

Rating: ★★★★☆
The Rumble Strips
Gratis-Downloads: 4 Songs auf der Homepage der Band

Myspace // Homepage // Label

Welcome to the Walk Alone – bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive