Rezensionen

The Railway Club – How to Steer a Sinking Ship​.​.​.

The Railway Club - It's A Lonely Night

The Railway Club gehören zu dieser Art Bands, die man, sobald man sie einmal mitbekommen hat, immer irgendwie mit auf dem Schirm hat, die sich aber nie so in den Vordergrund drängen, dass man aktiv nach Neuigkeiten zu ihnen suchen würde. Das soll nicht heißen, dass die Band nicht begeistern kann, es hat vielmehr mit dem Auftreten dieser Art Bands zu tun. Sie sind immer irgendwie da, vermeiden es, sich selbst zu wichtig zu nehmen und verfallen dabei auch schnell in eine gewisse Underdog-Haltung. Nach dem Motto: „Hey, hört euch unser Album an. Also, wenn ihr Zeit habt. Wenn nicht, hört gern später einmal rein. Wir wollen euch da auch nichts aufdrängen, aber vielleicht mögt ihr es ja“.

The Shins sind so eine Band, die deshalb auch erst durch den befreundeten Schauspieler Zach Braff und den Garden State Soundtrack einer breiten Masse bekannt wurden. Das schöne an dieser Art Bands ist aber eben auch, dass alle Mitglieder höfliche, nette Menschen sind, mit denen man gerne Kontakt hat und die Musik machen, die durch ihre Unaufgeregtheit und einen unnachahmlichen DIY-Charakter überzeugt.

Das zeichnet auch The Railway Club aus. Seit 2011 bringt die Band in wechselnder Besetzung um Songwriter Martin Francis Trollope regelmäßig Singles heraus und veröffentlichte im Frühjahr mit „Magpie Spirits“ eine EP. Dafür arbeiteten die Musiker mit dem Label Anyone Can Make These Records zusammen. Ein loses DIY-Label, das Künstlern beim Vertrieb von Alben und der Steuerung der Aufnahmeprozesse hilft. Das Album der Band wurde über mehrere Sessions mit verschiedenen befreundeten Musikern im Kunst- und Kulturzentrum The Custom Space in South Shields aufgenommen, in dem es auch ein kleines Studio gibt.

Die Produktion übernahm Songwriter Trollope selbst und auch viele der Instrumente spielte er allein ein. Auch für das Artwork zeichnet sich ein befreundeter Musiker verantwortlich. Da wären wir wieder bei einem Punkt zu dieser Art Bands: sie sind meist eng mit anderen Musikern und Künstlern vernetzt. Im Fall des Coverfotos mit Martin Longstaff, Kopf hinter The Lake Poets. Passend zum Albumtitel ist dort ein Schiff zu sehen, das durch eine britische Seenlandschaft manövriert. Das Artwork ist allerdings auch das einzig „nautische“ An „How To Steer A Sinking Ship…“. Hier herrschen folkige Klänge gepaart mit süßlichen Pop-Momenten und verträumten Singer-Songwriter-Elementen vor.

Die Mischung gelingt dabei ausgezeichnet und schlägt sich in einem ausgefeilten Spannungsbogen nieder. Der Weg führt über einen euphorischen Einstieg mit „Clouds“, über zurückgelehnte Mid-Tempo-Nummern, wie „At Last, My Atlas“, zu berührenden Momenten im Mittelteil, wie „Water Into Wine“, „Dig A Tunnel“, „Railway Tracks“ sowie „We Never Said Goodnight“ und nimmt gegen Ende mit dem vergnügten „It’s A Lonely Night“ wieder etwas Fahrt auf, um am letztlich mit „Mexico“ einen Abschluss zu liefern, der eine unnachahmliche Zufriedenheit und Wärme versprüht. Das alles macht das Debüt von The Railway Club vielleicht nicht zum ganz großen Wurf, der einen Hype, wie bei The Shins rechtfertigt, unterschätzen sollte man die Band jedoch auch nicht. Das ist nämlich auch ein Schicksal, das dieser Art Bands viel zu häufig widerfährt.

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