Rezensionen

The Poem Is You – TPIY

Dresden’s Musikszene (wenn man das dort so nennen möchte) ist vor allem bekannt durch die Lokalhelden von Polarkreis 18. Für weitere bekannte Vertreter der Indiemusikalischen Szene aus der Elbstadt muss man dann schon etwas intensiver recherchieren. Ein Umstand, den das Indie-Label k&f Records mit Künstlern wie Garda, bergen und The Poem Is You ändern möchte. Die richtigen Künstler dafür hat das Label schon einmal, das zeigten größtenteils positive Besprechungen für die bisherigen Releases, auch etwas für das Debüt von The Poem Is You, das der Band im letzten Jahr Bezeichnungen wie „Vorreiter des deutschen, unpeinlichen Country“ einbrachte. Genau ein Jahr später veröffentlichen die Freunde aus Berlin, Brüssel und Dresden nun bereits ihr zweites Album mit dem schlichten Titel „TPIY“. Nun ohne viel Country, dafür mit Americana-, Folkotronic- und Hippie-Einschlag, was laut Band nicht an einem Umdenken des eigenen Sounds, sondern an einer ganz normalen Weiterentwicklung liegt, der wir in unserer Zeit alle unterliegen.

Los geht’s mit einem Fiepen, Knistern und Knattern, das in „Hostages“ übergeht, ein Song mit bumpernden Drums und beinahe hippieskem Refrain, der im Zusammenspiel mit der Americana-Instrumentierung des Stücks beinahe wieder Gedanken an Cowboys am Lagerfeuer aufkommen lässt. Dazu kommt noch der sehr versucht amerikanisch klingende Gesang von Daniel Bock und die Wild-West Klischees sind perfekt. Der Sound bewegt sich dann aber auch schnell außerhalb des Country-Klischees, so ist „How Did I End Up Here“ dann eine hübsche kleine Folk-Pop-Nummer mit launigem Gesang und kurzweiliger Melodie. „M.A.M.A.“ mit seinem Americana-Grundsound und Pop-Einschlag hätte in der dargebotenen Art auch von Conor Oberst stammen können, mitreißend und mit angemessener Dramatik. Gut strukturiert zeigt sich auch „The Profile“ mit vollen Gitarren und hübscher Melodie. „Fine“ spielt dann hübsch mit Elektro-Sounds und sorgt für die nötige Portion Abwechslung auf „TPIY“, auch wenn der Gesang hier noch einmal hätte überdacht werden können. Den meisten Stücken fehlt dann allerdings eine gewisse eigenständige Note und so klingt vieles dann wie schon einmal da gewesen, etwa die Songs „North By Northwest“ und „Wherever You May Go“, die sich zwar als hübsche Folk-Balladen geben, aber auch so wirken, als seien sie so schon unzählige Male da gewesen. Auch der beinahe zehnminütige Doppelsong „Untitled #1 / Stone“ klingt eine Spur zu gewollt experimentell. Das macht in der Summe dann zwölf Songs, mal unterhaltsam, mal relativ gleichgültig. Dennoch aber genug, um Dresden als noch mehr als nur die Heimatstadt von Polarkreis 18 zu positionieren.

Rating: ★★★☆☆
The Poem Is You

Video zu „Hostages“


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