Rezensionen

The National – High Violet

Der Name The National war mir zwar stets ein Begriff, so richtig begeistern konnte ich mich für ihre Musik allerdings nie. Ihren Auftritt beim Haldern Pop 2008 schaute ich mir dann auch nur deshalb an, weil nach ihnen Maxïmo Park den Reitplatz bespielen sollten. Das sollte mir nach dem Auftritt von The National aber beinahe egal sein, denn diese dichte, atmosphärische Performance von Matt Berninger und seinen Mannen hatte mich schier weg geblasen. So schien es auch dem Rest der Anwesenden zu gehen und so hatten es Maxïmo Park im Anschluss trotz wie üblich sehr starker Live-Performance schwer die Festival-Besucher auf ihre Seite zu ziehen.

Seitdem haben sich mir auch die letzten beiden Alben „Alligator“ und „The Boxer“ immer mehr erschlossen. Wobei sie nach wie vor keinen Platz in meinen Top 50 Alben für die Ewigkeit finden werden. Einen solchen Platz könnte die ursprünglich aus Ohio stammende Band sich nun aber mit „High Violet“ erspielen. Mit „Terrible Love“ schmiegen sich die Amerikaner zu Beginn wellenförmig ins Ohr. Matt Berninger ruht in sich selbst und singt in der ihm ganz eigenen Art. Immer tiefer wird der Hörer hier in den Kaninchenbau „High Violet“ geführt und die Stimmung mit Chören und dem immer eindringlicheren Gesang Berningers verdichtet. Es ist diese dunkle, beinahe magische, hypnotische Atmosphäre, die The National hier wieder beschwören, die sich an den Hörer anschmiegt und ihn keine Sekunde des Albums wieder los lässt. Neben einigen anderen ist insbesondere „Bloodbuzz Ohio“ als Highlight zu nennen. Mit seinen beinahe perkussiven Drums steigert es sich zum Refrain immer weiter, um in den Strophen zu Berningers meditativem Gesang zurück zu kehren. Ein Song, der neben vielen alten Hits sicherlich zu einem der schönsten Erlebnisse auf dem diesjährigen Haldern-Pop werden wird. Man taucht tief in die Melancholie der New Yorker ein. Man scheint sogar in jeder Note die Paranoia zu spüren, wenn Berninger in „Afraid Of Everyone“ davon singt, wie sich die Welt selbst in den Abgrund stürzt. „I don’t have the drugs to sort it out“ singt er hier zusammen mit Sufjan Stevens. Allerdings hat er unrecht, es gibt das passende Medikament, das heißt „High Violet“, ein düsteres Album, das mit zeitloser Eleganz und packendem Rocksound beweist, dass selbst im tiefsten Schwarz noch Farbe zu finden ist. In diesem Fall ein wunderbar schimmerndes Violett.

Rating: ★★★★★
The National

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