Rezensionen

The Maccabees – Marks To Prove It

The Maccabees – Marks To Prove It

Karrieren im Indie-Rock verlaufen gerade in England ja meist so: Band veröffentlicht EP, kreiert mit Glück einen kleinen Hype, wird sie in die BBC Sounds des Jahres aufgenommen, veröffentlicht ein erfolgreiches Album und spielt ausverkaufte Shows weltweit. Eine Weile später hat die Öffentlichkeit das Interesse an der Band verloren, die Band hat aber noch eine treue Fanbase und veröffentlicht ein zweites Album, das natürlich mangels Interesse nicht an den Erfolg des Erstlings anknüpfen kann. In der Folge tourt die Band sich den A… ab, um den eigenen Lebensunterhalt zu sichern und weiter von der Musik leben zu können. Mit Glück schafft es die Band und veröffentlicht weiter ab und zu ein Album, tourt und kann einigermaßen ok von der Musik leben, auch, wenn die breite Öffentlichkeit lange keinen Gedanken mehr an sie verschwendet.

Chapel Club sind der Prototyp dieser Band und lösten sich bereits nach ihrem zweiten Album auf. White Lies sind nach ihrem dritten Album auf dem besten Weg komplett in der Versenkung zu verschwinden und auch bei Two Door Cinema Club und Delphic zeigte sich mit dem jeweils zweiten Album, dass es ohne Hype deutlich schwerer ist.

The Maccabees aus Südlondon scheinen das genaue Gegenteil dieser Bands zu sein. Ihr Debüt verkaufte sich ok und stieg bis auf Platz 24 der UK-Charts. Mit Album Nummer 2 stiegen sie sogar schon bis auf Platz 13 und mit ihrem dritten Album „Given To The Wild“ erreichten sie sogar Platz 4 der Charts und eine goldene Schallplatte. Ihr Glück war eventuell auch, dass sie es trotz einigem Wind, der zu Beginn ihrer Karriere um sie gemacht wurde, nie in die BBC Sounds Liste geschafft haben und es ihnen gelang, ihren Erfolg Schritt für Schritt aufzubauen.

Das bedeutet jetzt beim mittlerweile vierten Album „Marks To Prove It“ großen Erwartungsdruck von Seiten der Kritiker und auch der deutlich gewachsenen Fanbase. Dem stellen sich The Maccabees mit gewohnt bodenständigen Aussagen entgegen, indem sie ihre Inspiration einfach aus ihrer Heimat und ihrem Zusammenspiel als Band aus verschiedensten Charakteren beziehen. So sagen sie zum Album „Es dreht sich vor allem um die Nacht, das Zurückgenomme, Wesentliche einer Stadt zu dieser Zeit. Und einmal mehr um die Dynamik innerhalb der Band.“ Mit dieser Aussage liegen The Maccabees bei der Beschreibung von „Marks To Prove It“ dann auch gar nicht so falsch. Das Album bietet einen urbanen Sound, der sich vor allem durch viel Abwechslungsreichtum und die unverkennbare Dynamik der Band auszeichnet. Bestes Beispiel ist der Opener und Titeltrack „Marks To Prove It“, der eine wunderbar düstere Note besitzt, dabei aber durchaus hymnisch daherkommt und sicherlich einer der Live-Hits der Band werden dürfte.

So stark, wie der Einstieg ist, bleibt „Marks To Prove It“ in der Folge jedoch nicht. Die Band setzt zwar größtenteils auf seine ganz eigene Mischung aus Energie, leichtem Bombast und psychedelischen Einfällen, wirkt dabei aber häufig seltsam gehemmt. Bei Stücken, wie „Silence“, „River Song“ (beides vermutlich eher unbeabsichtige Doctor Who Anspielungen) wirkt das Tempo verschleppt und der Gesang zieht sich etwas. Die aktuelle Single „Something Like Happiness“ wartet mit einer seltsamen Mischung aus Fleet Foxes und The Kinks auf und das Saxophon beim Closer „Dawn Chorus“ dürfte zum größten Ausrutscher des Albums zählen. Bleiben nur wenige wirklich starke Momente, die aber zum Glück zeigen, warum The Maccabees zu Recht zur Spitze des britischen Indie-Rock gehören und die Hoffnung auf Album Nummer 5 machen.

The Maccabees auf Deutschland-Tour

28. Januar 2016, Köln – Kantine
31. Januar 2016, Hamburg – Markthalle
01. Februar 2016, Frankfurt – Batschkapp
02. Februar 2016, München – Theaterfabrik


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