Rezensionen

The Maccabees – Given To The Wild

Etwas mehr als zwei Jahre haben Orlando Weeks und seine Jungs von The Maccabees mittlerweile seit dem Release ihres zweiten Albums „Wall Of Arms“ vergehen lassen. Damals boten sie eine konsequente Fortsetzung ihres Debüts „Colour It In“. Das bedeutet druckvollen Indie-Rock mit deutlichem Hitcharakter, großem Potential zum Hinterwackeln und ziemlich britischer Note. Am ehesten zu vergleichen mit einer Mischung aus Franz Ferdinand und Arcade Fire.

Mehr als zwei Jahre sind also vergangen. Genügend Zeit also wohl auch für die Band, ihren Sound zu überdenken. Und dabei scheinen sie einen Schnitt mit ihrer Vergangenheit beschlossen zu haben. Auf „Given To The Wild“ sucht man nämlich im ersten Moment die Indie-Disko-Kracher vergebens. Vielmehr eröffnen die Jungs mit einem luftigen, flirrenden Opener, der direkt in „Child“ übergeht. The Maccabees bauen zwar weiterhin auf viel Hall auf der Stimme, untermauern den Gesang aber nicht mehr mit temparamentvoll drückenden Gitarren, sondern mit geschickt platzierter, zurückgenommenerer Instrumentierung.

Die Stücke erwachsen langsam und nehmen sich viel Raum zur Entfaltung. So entwickelt sich „Feel To Follow“ zunächst langsam, um dann mit großer Geste in hymnische Sphären zu schweben. Ein Moment, der ein wenig an U2 und Kollegen erinnert aber auch Orlando Weeks und Mannen gut zu Gesicht steht. Juvenile Naivität ist nun durchdachten, atmosphärischeren Klängen gewichen. Fans der alten Maccabees müssen die Band aber nun nicht ganz abschreiben, denn es gibt auch noch Songs, die an die Vergangenheit erinnern. „Pelican“ klingt beinahe nach Razorlight und dürfte damit auch alte Freunde der Jungs überzeugen. Auch „Went Away“ bietet einigermaßen Druck, vermag es aber durch elektronische Einspielungen nicht zu sehr in alte Soundschemata abzudriften.

„Given To The Wild“ zeigt eine Band im Entwicklungsprozess, die sich von ihrer Vergangenheit emanzipieren möchte und es dafür wagt auf dem Weg eventuell auch alte Fans vor den Kopf zu stoßen. Sie hätten auch den sicheren Weg wählen können, entschieden sich aber für luftige, atmosphärische Melodien, die sich mit viel Raum entfalten. Manchmal lassen es The Maccabees vielleicht noch ein wenig zu hymnisch werden und gehen etwas weit in die Richtung, die sich auch Coldplay für ihr letztes Album „Mylo Xyloto“ erwählt haben, im Großen und Ganzen ist „Given To The Wild“ aber ein herrlich unaufgeregtes Hörerlebnis und vielleicht die erste wirklich erwähnenswerte Indie-Rock-Platte des Jahres.

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