Rezensionen

The Luyas – Too Beautiful To Work

Mal ehrlich, eigentlich ist es ja unfair Bands immer in Genres und Bezeichnungen einordnen zu wollen. Aber irgendwie machen es Genre-Bezeichnungen dann doch einfacher, sich über eine Band zu unterhalten. Wenn man von Indie-Rock spricht, hat zumindest jeder ein grobes Bild vor Augen. Das verfeinert sich dann noch durch genauere Beschreibungen des Sounds. Es
aber auch Bands, für die müsste eine Genre-Bezeichnung erst noch geschaffen werden. The Luyas aus Montreal sind eine davon. Mit „Too Beautiful To Work“ veröffentlichen sie nun bereits ihr zweites Album. Dabei ließen sie sich unter anderem von Sarah Neufeld von Arcade Fire und Owen Pallett unterstützen, der sich für die Streicher-Arrangements verantwortlich zeigte. Letzterer ist ja auch bereits bekannt dafür, in keine Schublade zu passen und The Luyas stehen dem in nichts nach.

Ein Beispiel gefällig? das Quartett beherrscht neben klassischen Instrumenten wie Gitarre, Schlagzeug, Bass und Keyboard auch noch das Waldhorn und ein Moodswinger. Was das ist? Laut Pressenotiz handelt es sich dabei um „eine zwölfsaitige elektrische Zither mit einer dritten Bridge, die vom experimentellen holländischen Instrumentenbauer Yuri Landmann erfunden wurde. Die dritte Bridge teilt die zwei Saiten in zwei Segmente auf, die in einem multiphonen Sound resultieren“. So viel also zur Musiktheorie. Klar dürfte damit auch sein, dass The Luyas keinen einfach zu erschließenden Sound spielen. Die Band scheint auf ihrem Album zu versuchen die Grenzen psychedelischer Sounds ausloten zu wollen und bietet schwer greifbare Kompositionen mit halb ausgespielten Gitarrenmelodien, wilden Keyboard-Melodien, vertrackten Drum-Beats und dem Hirnzermarternden Sound des Moodswingers. Der Song „Moodslayer“ etwa dürfte als Paradebeispiel herhalten. Man muss sich schon voll auf den hier produzierten beinahe konfus wirkenden Sound aus Gitarre, Glockenspiel und dem entrückten, manchmal gar unangenehm quietschenden Gesangsstil von Sängerin Jessie Stein, einlassen, um von der Stimmung her nicht vollständig in Konfusion oder gar Frustration zu verfallen. Auch „Spherical Mattress“ mit seinen repetitiven Sounds und der kaum zu fassenden Melodie ist ein gutes Beispiel für die Herangehensweise der Band. Gefällige Melodien erschaffen kann fast jeder. Komplexe, vielschichtige und doch irgendwie faszinierende Musik zu produzieren ist deutlich komplizierter. The Luyas ist es gelungen. Zwar erfordert „Too Beautiful To Work“ viel Aufmerksamkeit, bedankt sich aber für das zuteilwerden lassen eben dieser mit jeder Menge toller Kleinigkeiten, die es zu entdecken gibt.

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