Rezensionen

The Life Between – Colours Of Your Choice

Michael Zlanabitnig, Songwriter und Gründer von The Life Between, weiß wie der Hase läuft. Er studierte klassische Musik in Graz und Pop Design an der Mannheimer Pop Akademie. Ja, das gleiche Institut aus dem auch Get Well Soon Mastermind Konstantin Gropper hervorging. Nach zahlreichen Auftragsarbeiten und Engagements an Theaterhäusern, durfte er mit seiner Band bereits kurz nach dessen Gründung 2008 die Schottin Amy MacDonald auf ihrer Deutschland-Tour begleiten. Klingt nach der nächsten Popsensation und Zlanabitnig scheint ja auch schließlich das Handwerk für eine Popkarriere zu beherrschend. Wie ein Mantra wird nun in der Pressenotiz zu „Colours Of Your Choice“ betont, dass Popsongs mit echtem Gefühl sich jedoch nicht am Reißbrett entwerfen lassen und Ehrlichkeit doch das wichtigste sei.

Schließlich sei „die eigene Ehrlichkeit […] das einzige, was man als Künstler dem Publikum zumuten kann“. Große Worte, doch fragt man sich, warum es den Beteiligten so wichtig ist, die Integrität und Ehrlichkeit eines Künstlers über vier lange Absätze zu loben. Vielleicht liegt es daran, dass die heutige Popmusik den schlechten Ruf von Kalkül und Retorte besitzt, so dass man es wohl rechtfertigen muss, wenn sich ein Künstler offen zur Popmusik bekennt und sich diese als Genre aussucht. Leider gerät dabei dann schnell etwas die Musik in den Hintergrund aber gerade die kann bei The Life Between dann tatsächlich etwas. Auch wenn der Opener „Holy&Devilish“ falsche Erwartungen weckt. Ein Piano und die sanfte Stimme von Zlanabitnig winden sich dramatisch durch die ersten Minuten des Songs, um nach einiger Zeit mit lauten Gitarren zu einer Hymne anzuschwellen. Man merkt, Zlanabitnig hat sein Handwerk gelernt, seine Inspiration deckt man allerdings ebenso schnell auf, hat man während des Songs doch sehr schnell Muse vor Augen, die auch seit ihrem Debüt ähnliche Laut-Leise-Hymnen fabrizieren. Allerdings ohne auf ihre Integrität und Ehrlichkeit zu pochen. Wer aber in der Folge ein Album voller Rockhymnen à la Muse erwartet, den haben The Life Between wohl erfolgreich fehlgeleitet. Denn es folgen fröhlich lockere Radiopopsongs mit viel gute Laune wie etwa das vergnügt daher kommende „Take A Photograph“. Das geht direkt ins Ohr, ist aber leider so schnell auch schon wieder verflogen.

Jede Menge Radioairplay könnten sie mit ihrem fröhlichen Pop jedoch ernten. Das wäre sogar gar nicht mal so verkehrt, denn diese kleinen Popnummern sind zwar nicht der Gipfel der Kreativität, aber auf jeden Fall schon um einiges interessanter, als vieles, was so im Radio läuft. Mit melancholischen Stücken, wie dem starken „Fall“ und dem hymnischen „How Little“ zeigen The Life Between dann aber begeisternde Facetten. Beim hübschen „Underneath The Snow“ erinnern sie dann sogar etwas an Travis und das Misstrauen wegen der mantraartigen Betonung der „Ehrlichkeit“ der Band weicht dann hier auch ein wenig der Begeisterung für die poppigeren Töne der Band. Das stärkt den Eindruck von „Colours Of Your Choice“ dann noch etwas und man gelangt zu der Erkenntnis, dass das Album neben größtenteils gutem Radiopop auch wirklich starke Stücke zu bieten hat.

Rating: ★★★☆☆
The Life Between

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