Rezensionen

The KVB – Of Desire

The KVB - Of Desire

Mit U2, und zuvor, David Bowie gibt es berühmte Beispiel für Musiker, die sich in einer Schaffens- und Kreativitätskrise befanden und in Berlin neue Inspiration fanden. Mit „Achtung Baby“ schrieben U2 dort eines ihrer größten Werke und Bowie schrieb die Berlin Trilogie, unter anderem mit dem Album „Heroes“. In den letzten zehn Jahren übt die Stadt auch auf Bands aus dem Indie-Sektor eine große Anziehungskraft aus. So richtig etwas dabei rum kam aber nicht. Eher das Gegenteil war der Fall. Die Briten von Eight Legs nahmen dort ihr zweites Album „The Electric Kool-Aid Cuckoo Nest“ auf. Danach ging es steil bergab und die Band verschwand bis heute in der Bedeutungslosigkeit. Auch The Rakes spielten ein Berlin-Album ein. Es folgte noch eine Tour und die anschließende Trennung. The Cinematics schafften es nicht einmal ein Album einzuspielen. Zum Zeitpunkt, als die Aufnahmen ein paar Tage liefen, war die Band so zerstritten, dass die Zelte in Berlin wieder abgebrochen wurden und man sich trennte. Auch Young Rebel Set hat ein ähnliches Schicksal ereilt. So scheint Berlin teils eher zu einer Art Fluch für junge Bands zu werden. Das britische Duo Nicholas Wood und Kat Day ließ sich davon jedoch nicht abschrecken und siedelte nach drei Alben als The KVB für Teile der Aufnahmen an „Of Desire“ nach Berlin über.

Im Fall von The KVB scheint der Berlin Fluch ausgeblieben zu sein. Vielleicht auch, weil die Band sich nicht bemühte, auf irgend eine Art die Essenz der Stadt einzufangen, oder sich dort neu zu finden. Das war auch gar nicht nötig, denn The KVB haben offensichtlich eine ganz klare Vision von ihrem Sound und die setzen sie bereits seit ihrem Debüt um. Diese besteht aus düsterem Postpunk- und Shoegaze-Sounds. Dichte Soundwände ziehen wie Nebelschwaden auf, elektronische Effekte blitzen und Donnern und aus dem Hintergrund hallt eine Stimme. Dabei lässt sich das Duo auf dem Album teils jedoch etwas zu viel Zeit, um auf den Punkt zu kommen. Die Soundschwaden wirken dann beinahe undurchdringlich und die Struktur geht etwas verloren. Das sorgt dafür, dass man nach dem starken Einstieg mit dem beinahe tänzelnden „White Walls“, dem dramatisch atmosphärischen „Night Games“ und dem fesselnden „Lower Depths“ in der Albummitte ein wenig die Lust verliert. Die Geduld wird jedoch belohnt, denn nach dem Durchhänger folgen mit dem anspruchsvollen Electro-Instrumental „V11393“, dem Kraut-Rock von „Unknown“ und dem erhebenden „Mirrors“ drei waschechte Hits, die unterstreichen, dass es zum Glück auch noch Bands gibt, denen der Berlin Fluch nichts anhaben kann.

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