Rezensionen

The Irrepressibles – Mirror, Mirror

Das wirklich tolle an Festivals ist ja nicht nur, dass man viele tolle Bands sieht, die man bereits kennt und toll findet, sondern, dass es auch immer eine Reihe von Bands zu entdecken gibt. Meist spielen die irgendwann früh am Tag und werden von vielen gar nicht wahr genommen. Unbekannte, die bereits im Vorfeld über den Klee gelobt werden schaffen es zumeist dann wiederum doch nicht zu überzeugen. Bester Beweis dafür Mumford & Sons, die live sicherlich eine gute Show hinlegen, die wirkt aber von Pathos und Gestik so einstudiert, dass Glaubwürdigkeit und packende Momente auf der Strecke bleiben. Die spielten im letzten Jahr auf dem Haldern Pop und ernteten lange andauernden Applaus. The Irrespressibles spielten auch auf besagtem Festival und wurden bereits sehr früh am ersten Festival-Tag durch das Zelt gejagt.

Dort lieferten sie Barock-Kammer-Pop erster Güte ab, waren aber im Schatten vieler anderer Highlights schnell wieder aus den Köpfen der Besucher. Kein Wunder, denn mit ihrem einfach zugänglichen und massenkompatiblen Sounds bleiben Bands, wie eben Mumford & Sons viel schneller hängen, als der anspruchsvolle Kammer-Pop von The Irrepressibles, den man sich als Hörer erarbeiten muss und bei dem man schon mehrmals hinhören muss, um alle Nuancen zu erfassen. Dazu bietet sich nun eine gute Gelegenheit, denn mehr als ein halbes Jahr nach ihrem Auftritt auf dem Haldern Pop veröffentlicht das zehnköpfige Mini-Orchester nun sein Debüt-Album „Mirror, Mirror“. Darauf bieten sie mit Streichern, Klarinette, Oboe, Querflöte und Cembalo packende Arrangements mit großer dramatischer Geste. Zentrales Stilelement dabei immer Jamie McDermott’s glockenhelle Stimme, die sich irgendwo zwischen Antony Hegarty und Owen Pallett einordnen lässt. Der künstlerische Ausdruck ist auch ein ähnlicher, wie bei den beiden genannten. Und das Versprechen, das mit beiden Namen gegeben ist, halten The Irrepressibles mit großem Theater für die Ohren. Oder doch Zirkus? Beides. Denn ähnlich wie der Cirque Du Soleil, der auf seine ganz eigene zauberhafte Art und Weise Zirkus, Theater und hohe Kunst zu einem eindrucksvollen Spektakel vereint gibt sich auch „Mirror, Mirror“. Ein Spektakel, das die Sinne betört, dem Hörer immer neue Facetten offenbart und so auch beim xten Durchlauf noch keine Abnutzungserscheinungen zeigt. Ein Album also, das sich zu entdecken lohnt und ein Beleg dafür ist, dass die wahren Festival-Perlen sich manchmal bereits ganz früh auf dem Zeitplan finden lassen.

Rating: ★★★★½
The Irrepressibles

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