Rezensionen

The Horrors – V

The Horrors – V

Als The Horrors vor zehn Jahren ihr Debüt „Strange House“ veröffentlichten, auf dem sie düsteren Gothic-Rock mit starker Post-Punk-, Shoegaze- und Garage-Note zeigten, war noch undenkbar, dass diese Band einmal Depeche Mode supporten würde. Doch in der ersten Jahreshälfte geschah genau das und das Quintett aus Southend-on-Sea durfte die Massen für Dave Gahan und Co anheizen. Das zeigt auch die Wandlung, die The Horrors über ihre bis dahin vier Alben gemacht haben. Eine Wandlung, die in nachvollziehbaren Schritten über das Kraut-Rock geschwängerte „Primary Colours“, das luftige, synthielastige „Skying“ und zuletzt das shoegazige „Luminous Colours“ führte. Nach letztgenanntem konnte es die Band eigentlich nicht erwarten, mit den Aufnahmen zum fünften Album zu beginnen und verschob dafür sogar die für Winter 2014 angesetzte Tournee. Die Energie schien aber schnell verpufft und es dauerte jetzt drei Jahre, bis die Band nun den Nachfolger „V“ nachlegte. Zum Titel haben die fünf Musiker gleich mehrere Erklärungen: „Es ist unser fünftes Album, wir sind zu fünft, das V kann für Victory stehen…“, so Bassist Rhys Webb. Sänger Faris Badwan fügt in der Pressemitteilung noch hinzu „Ich dachte, das V stehe für Fuck you. Eine Art ,Fuck you, wir sind wieder daʻ.“

An dieser Stelle nehmen wir für die römische 5 einfach noch die Songlänge, denn fast keiner der Songs bleibt unter fünf Minuten Länge. Welche Erklärung man nun auch wählt, deutlich wird anhand der Erläuterungen, dass The Horrors mehr als selbstbewusst zurück sind. Auf jeden Fall wissen sie, was sie tun. Das hört man „V“ bei jeder Sekunde an. Schon ab dem Opener „Hologram“, auf dem die Band sich zu drückenden Gitarren, ausgedehnten Syhnthieflächen und stampfenden Beats auf ihre eigene Art vor Gary Numan verneigen, wie sie selbst sagen. Die Vorabsingle „Machine“ greift dann den Goth-Rock ihrer frühen Tage auf und hebt ihn mit luftiger Melodie in den heutigen Klangkosmos der Band, der im besten Sinne nach New-Wave- und Post-Punk-Party im angesagtesten Indie-Club der Stadt klingt. In Songs wie „Point Of No Reply“ und dem anschließenden „Weighend Down“ zeigen The Horrors allerdings ganz neue Klänge. Beinahe spärlich instrumentiert und nur von ein paar Synthies und der ein oder anderen elektronischen Spielerei begleitet, singt Faris Badwan hier zu einer eigenen Interpretation von New Wave Balladen. Natürlich nicht ohne Momente bedrohlich grollender Gitarrenwände. Auf die 54 Minuten Spielzeit kann man deshalb aber noch lange nicht sagen, dass The Horrors nun zugänglicher, oder poppig geworden sind. Die Band lotet wie gewohnt die Grenzen von Kraut-Rock, Post-Punk und jetzt auch New Wave aus, lädt diese Sounds durch üppige Synthieflächen auf und fügt noch ein wenig Shoegaze hinzu, der gern auch mal ausufernder durchschlägt. Gepaart mit dem feinen Gespür von Paul Epworth, der bei „V“ an den Reglern saß, zeigt es die Band simpel formuliert auf dem Weg, auf dem sie sich seit zehn Jahren befindet – dem an die Spitze der britischen Indie-Szene.

The Horrors auf Deutschland-Tour

15. November 2017, Köln – Jungle Club
17. November 2017, München – Backstage Halle
18. November 2017, Hamburg – Molotow


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