Rezensionen

The Glam – Escapism

„Eskapismus wird als eine Fluchthaltung oder Ausbruchshaltung, als bewusste oder unbewusste Verweigerung gesellschaftlich allgemein anerkannter Zielsetzungen und Handlungsvorstellungen verstanden“, so Wikipedia zum Albumtitel des Hamburger Trios von The Glam. Eine absolut passende Definition auch für den Sound der Band, die verweigert sich nämlich beinahe vollständig den heutigen Trends im Indie-Rock und der Pop-Musik und nehmen sich ihr namens gebendes Genre vor, den Glam-Rock. Den spielen sie aber auch nicht einfach nach, sondern heben ihn ins 21te Jahrhundert. Ganz wichtig dabei auch das Aussehen, die Jungs sehen nämlich aus, wie Abziehbildchen von Indieboys aus der Bravo. Der Scheitel lässig zur Seite, ein Seidenschal locker um den Hals und ganz im Sinne des Emo-Trends bloß nicht lächeln. Da kann einem natürlich schon Angst und Bange werden, wenn man sich nun den Sound der Band ausmalt.

Glücklicherweise hat das Trio da ein Einsehen und liefert durchaus unterhaltsame Musik ab. Dabei bedienen sie sich bei den Größen des Glam-Rock, wie T-Rex, David Bowie, bei aktuellen Bands, wie Muse und Placebo und auch einer Band, die nicht unbedingt zum Glam-Rock gezählt werden sollte, wie U2. Dabei dürfen auch ruhig Klischees bedient werden, der Gesang von Frederic ist dabei immer leidend, die Riffs laut und die Produktion fett. Viele der Kompositionen sind dabei beinahe U2-hymnisch geraten, ohne allerdings wirklich an das Potential der Iren heran zu reichen. Dennoch haben ihre bitter-süßen Songs offensichtlich genügend Potential von einem großen deutschen Autobauer in der Werbung genutzt zu werden, nämlich „Join The Spectres“, den man in einer aktuellen BMW-Kampagne hören kann. Das ist durchaus zu verstehen, denn alle Songs haben die nötigen Zutaten zu ausgewachsenen Radiohits, aber geraten auf Albumlänge doch etwas zu homogen und klingen auch stellenweise viel zu sehr nach einem U2-Cover, um The Glam wirklich nachhaltig als Begründer eines Glam-Revivals zu positionieren. Für ein wenig Abwechslung in der eher durchwachsenen deutschen Radiolandschaft dürften sie dennoch gut genug sein und wer ein Glam-Revival möchte, der sollte sich einmal The Delays zu Gemüte führen, da passt alles besser zusammen.

The Glam – All the universe

Homepage // Myspace // Label

Escapism – bei Amazon.de kaufen

Discussion

Comments are closed.

Archive