Rezensionen

The Flames – Caution: Heat Inside

Mannheim steht als Stadt nicht gerade für englisch-sprachige Rockmusik, eher für unsäglichen Deutsch-Pop mit Jammergesang und pathetisch hochtrabenden religiösen Texten, die in noch schlimmeren Schoko-Bon Werbespots mit schrecklich dämlichen Texten verballhornt werden. Eine Band aus der Quadratstadt, die den Ruf der Stadt noch etwas rettet sind The Flames, die uns schon lange sympathisch waren. Bis ein Song von ihnen in der Afri-Cola Werbung lief. Nein, von uns jetzt nichts gegen Afri-Cola, auch nichts gegen The Flames, aber dass unbedingt von allen Songs, welche die Band bis zu jenem Zeitpunkt im Repertoire hatte, ausgerechnet ein seichter, langweiliger Fahrstuhl-Popsong zum deutschlandweiten Hit erwächst machte doch schon etwas traurig. So sahen wir bei aller Sympathie für The Flames, die Band das Erbe von Liquido und Fools Garden antreten. Die waren eigentlich sympathisch, deren Hits aber ziemlich egal, wie beide Bands nun auch. The Flames möchten sich dieses Schicksal natürlich ersparen und melden sich nun vier Jahre nach ihrem zweiten Album „Strike A Light“ zurück.

Den seichten Pop des Überhits „Everytime“ sucht man dann auch lange. Die Band hat sich in vier Jahren scheinbar vor allem der Rock- und der Disco-Musik gewidmet und ihre Rockabilly-Wurzeln komplett hinter sich gelassen. Gleich mit der ersten Single „Lunatic Dreams“ koppelt die Band direkt den besten Song des Albums aus. Ein kurzweiliger Indierocker, mit vielen Disco-Elementen, den Franz Ferdinand so wohl kaum besser hinbekommen hätten. Schon im Opener beginnen die Mannheimer nicht unbedingt mit angezogener Handbremse. Der zackige Indierock-Rhythmus, den sich die Flames gekonnt bei ihren englischen Kollegen abgeschaut haben zieht sich auch durch das gesamte Album. Das ist mal poppiger, wie bei „On My Way“, mal rauer, wie bei „I Quit“ und auch mal verspielt, wie in „Where You Are“. Alles gut eigentlich. Eigentlich, denn trotz stimmiger Songstrukturen, aufgeräumten Arrangements, gekonnten Riffs und netten Melodien fehlt am Ende das wirklich Zwingende. So gibt es kaum Songs, die aus dem durchgängigem „gut“ herausragen. Songs, wie eben „Lunatic Dreams“, die aber viel Hoffnung machen, dass den sympathischen Flames das Schicksal von Liquido und Fools Garden erspart bleibt.

The Flames „Lunatic Dreams“ Video

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