Rezensionen

The Decemberists – The King Is Dead

Mit „The King Is Dead“ besinnen sich The Decemberists auf traditionelle Klänge und sehen von ausschweifenden Spielereien ab. Mundharmonika, stampfende Schlagzeugarbeit und bodenständige Melodien versetzen den Hörer in eine romantische Country-Szenerie.

Beim ersten Hören wirkt die neue Richtung der Gruppe um Colin Meloy wie ein Schritt rückwärts. Die Band verzichtet auf die Experimente und das Überschwengliche, die ihr Vorgänger-Album „Hazards Of Love“ noch ausgemacht haben.

Das Quintett aus Portland legt die Essenz seiner Songs frei und liebäugelt mit dem simplen Leben auf dem Land – das Bodenständige, welches durch die Natur symbolisiert wird, spielt auch in ihren Texten eine große Rolle. Kein Wunder, schließlich wurde dieses Album in einer Scheune eingespielt.

Der Opener „Don’t Carry It All“ nutzt die neuen musikalischen Ansätze in ihrer vollen Breite aus und ist einer der drei Songs, an dem R.E.M.s Peter Buck mitwirkte – In diesem Fall an der Mandoline.

Das Tempo wird mit dem „Calamity Song“ angehoben. Hier gehen treibender Rhythmus und schnelle Fingerarbeit an der Gitarre Hand in Hand. Die Stimmung der Musik gibt den textlichen Inhalt nicht ganz kongruent wieder, in dem es um Endzeit und eine Zivilisation unter Tage geht.

Die Seefahrer-Hymne „Rox In The Box“ sorgt durch sein wechselndes Tempo und seine Brüche für Spannung.

Die erste Single „Down By The Water“ wird wieder mit Peter Buck an der zwölfsaitigen Gitarre und Gillian Welch als Zweitstimme bestritten. Der Song besticht durch seine einprägsame Melodie und ist eines der stärksten Stücke von „The King Is Dead“.

Sehr hervorstechend ist „This Is Why We Fight“ – der Album-untypischste Song. Ein Schlachtruf: „Come the war/Come the avarice/Come the reek of bones/Come attrition/Come hell…“ der besonders durch die Gitarren und die aufjaulende Mundharmonika an Dramatik gewinnt.

Im letzten Stück „Dear Avery“ besingt Colin Meloy einen vermissten Minenarbeiter. Die im Hintergrund gesungenen „Oooohs und Aaaaaaahs“ fügen ihm eine angenehm dämpfende Note hinzu und macht den Song zu einen ruhigen Abschluss.

„The King Is Dead“ beweist, dass es sich hier nicht um einen Schritt rückwärts handelt, sondern, dass die Band ihre Prioritäten anders gesetzt hat. Natürlich kann man der Band vorwerfen, dass sie uns nichts Neues gibt, aber muss Musik immer neu sein, damit sie gut ist? Vor allem beweisen The Decemberists, dass sie keine Angst vor Veränderungen haben, auch wenn sich diese auf Altbekanntes stützen.

Rating: ★★★½☆
The Decemberists

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